Sonntagspanorama 04.09.2016

Liebe Leserinnen und Leser,

„es sieht gut aus für Ostmitteleuropa: Polen, Ungarn, die Tschechische und die Slowakische Republik treiben Europa und Deutschland nicht nur in der Flüchtlingsfrage vor sich her, wie der Visegrád-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vergangene Woche gezeigt hat. Die östlichen EU-Mitglieder sind auch die wirtschaftlichen Vorreiter in der Gemeinschaft. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der gesamten EU 2015 um real 2 Prozent zulegte und das des Euroraums um 1,7 Prozent, betrug der Zuwachs in Ostmitteleuropa rund 3,7 Prozent.

Für 2016 und auch für 2017 dürfte das Wachstum in der Visegrád-Gruppe  fast doppelt so stark ausfallen wie in Deutschland.“ Quelle: FAZ

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban: „Wer immer Migranten braucht, kann sie nehmen, doch zwingt sie uns nicht auf, wir brauchen sie nicht."- So sieht es aus.

Nestlés Monopol auf Trinkwasser in Südafrika

https://www.youtube.com/watch?v=3PZgerJZfQI

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Dass der multinationale Großkonzern Nestlé mit seinen Wassermarken die Menschen in Afrika abkocht, ist einigermaßen bekannt. Doch mittlerweile ist auch in den USA der Kampf um das öffentliche Wasser entbrannt.

Die Frankfurter Rundschau schreibt: „Nestlé, Weltmarktführer bei Flaschenwasser, versucht an vielen Orten in den USA, Genehmigungen für den Zugriff auf Grund- und Quellwasser zu bekommen. Ob die Regionen wasserreich oder wasserarm sind, scheint keine Rolle zu spielen. Sogar in einem der trockensten Gebiete Nordamerikas, in Phoenix/Arizona, will der Konzern eine Abfüllanlage bauen. Ähnlich in Kalifornien: Der Bundesstaat leidet seit fünf Jahren unter einer schlimmen Dürre, es gibt staatliche Vorschriften, den Wasserverbrauch einzuschränken. Und dennoch zapfen Unternehmen weiterhin Trinkwasser aus Quellen ab, um es abzufüllen und zu verkaufen. So ist es auch in Michigan, wo in der Stadt Flint das Leitungswasser mit Blei vergiftet ist. Auch dort, so sagen Kritiker, sei es nicht nachvollziehbar, dass Nestlé in dem US-Bundesstaat weiterhin nicht belastetes Wasser absaugen und verkaufen dürfe.“

Auf der anderen Seite von gierigen Großkonzernen steht

  • eine Kelsterbacher Stadtverordnetenversammlung, die den Verkauf von rund 163 Hektar Waldgrundstück an Fraport beschließt, um den Bau der neuen Nordwestlandebahn des Frankfurter Flughafens möglich zu machen.
  • ein Ministerium für Wasserressourcen, dass in Südafrika Wasserlizenzen an Nestle vergibt.
  • eine Regierung in Äthiopien, die den eigenen Bauern für 0,14 € das Land wegnimmt, um es anschließend für bis zu 792 € an Investoren zu verpachten.
  • ein kleiner Bürgermeister einer kleinen Gemeinde, der sich sehr gerne von einem Windparkbetreiber das Geld in die Kasse blasen lässt.

Dies sind nur vier Beispiele von unendlich vielen Beispielen der Kollaboration.

Das schwarze Schaf der Woche

Schwarzes Schaf„Die Dinge haben sich nach der Einführung des Euros vollkommen anders entwickelt, als man das vorausgesehen hat. Und deshalb muss man heute Ratschläge geben, die möglicherweise ganz andere sind als diejenigen, die dieselben Personen gegeben haben, als man eine ganz andere Zukunft mit dem Euro vorhergesehen hat.“ Der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln, Carl Christian Freiherr von Weizsäcker, schwurbelt in der FAZ.

Von Weizäcker hält die Erwartungen an wissenschaftliche Beratungstätigkeit für die Politik als zu groß, da die Entscheidungen, die zu fällen sind, situationsabhängig seien.

In einer Situation handelnde, konkrete Menschen (Griechen, Italiener, Spanier) sind allerdings nur für Standardökonomen eine Zumutung. Die Sozialpsychologie dagegen betont gerade die Wichtigkeit einer Situation für das menschliche Verhalten und bezeichnet die Tendenz, das Verhalten anderer zu sehr auf deren Persönlichkeit zurückzuführen und dabei soziale und situationale Einflussfaktoren zu vernachlässigen, als fundamentalen Attributionsfehler.

Die Lösung kann also nur in einer pluralistischen Ökonomie liegen, die die auf neoklassische und neoliberale Theorien eingeschworenen Wirtschaftswissenschaften den Blick für andere Denkschulen und benachbarte Disziplinen wie Soziologie, Jura, Philosophie, Psychologie und Politik öffnen lässt.

Die Autorin Ulrike Hermann bilanziert: „In der Ökonomie hat sich eine Schule durchgesetzt, die ihre Modelle so konstruiert, als würde die Wirtschaft nur aus Tauschhandel bestehen und als hätte es die Industrialisierung nie gegeben. Es mag ungeheuerlich klingen, aber die meisten Volkswirte haben keinen Begriff davon, was es bedeutet, in einem voll ausgereiften Kapitalismus zu leben, in dem Großkonzerne herrschen und Banken das Geld aus dem Nichts schöpfen. Daher sind diese Ökonomen stets so verblüfft und überfordert, wenn es zu Finanzkrisen kommt.“ Quelle: Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung

Die heutige Volkswirtschaftslehre vermittelt ein Zerrbild der Realität, die wichtige Themenfelder ausschließt. Genauso gut könnte man die Schweiz ohne Berge und Seen beschreiben wollen.

Umfangreiche mathematische Modellrechnungen kann ich in der Wetter- und Klimavorhersage noch nachvollziehen, aber nicht in der Makroökonomie. Wie indes auch Klimaforscher stolpern und purzeln, lesen Sie weiter unten.

Das weise Schaf der Woche

Weißes Schaf„Sehr niedrige Ozonwerte, wie sie in den 1990er-Jahren in unseren Breiten gemessen wurden, sind seltener geworden. Obwohl die Ozon abbauenden Substanzen in der Atmosphäre weniger werden, gehen Wissenschaftler davon aus, dass die gegenwärtige Erholung der Ozonschicht von anderen Faktoren wie etwa Veränderungen der Höhe der Tropopause, atmosphärische Zirkulationsmuster (zum Beispiel die Nord-Atlantik-Oszillation, NAO) oder die Aktivität der Sonne getrieben wird. Die internationalen Abkommen zum Schutz der Ozonschicht werden ihre Wirkung erst gegen Mitte oder Ende des Jahrhunderts entfalten, weil viele Ozon abbauende Substanzen sehr langlebig sind. Bis dahin bleibt die Ozonschicht generell anfällig und es können jederzeit wieder kritische Werte erreicht werden.“ Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Bei Der Spiegel  liest es sich so: „Der Kampf der Menschheit gegen das selbst verschuldete Ozonloch gilt als größter Erfolg internationaler Umweltpolitik. Lange schwand schützendes Ozon am Himmel, weil der Mensch chlorhaltiges FCKW in die Luft entließ. Doch das Verbot ozonzerstörender Substanzen vor 29 Jahren sorgt seit Jahren für positive Schlagzeilen: Der Zerfall der Ozonschicht sei gestoppt, melden Forscher immer wieder.“

„Die Zukunft wird nass. Seit über 30 Jahren gibt es immer neue Rekorde bei extremen Regenfällen. Bis etwa 1980 hätten sich die Schwankungen bei Starkregen-Ereignissen mit natürlichen Faktoren erklären lassen, fanden Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung im vergangenen Jahr in einer Studie heraus. Seither gebe es einen Aufwärtstrend nie dagewesener Regenfälle, der nur durch den Einfluss der Erderwärmung zu erklären sei.“ Quelle: Frankfurter Rundschau

„Eine große, lange Dürre würde kommen, kein Regen mehr über dem Land. Und die stärksten Rückgänge träten im Norden Deutschlands auf, im Extremfall sei sogar mit einer spürbaren Verminderung der Wasserverfügbarkeit zu rechnen, hieß es in der ‚präzisesten Kalkulation der Folgen des Klimawandels‘ , die hochrangige Forscher Max-Planck-Instituts (MPI) für Meteorologe und vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vor sieben Jahren mit ‚nie erreichter Genauigkeit‘ (Der Spiegel) erstellt hatten.“ Quelle: politquatschplatsch.com

Mein Lektüretipp der Woche:

Schwedische Forscher haben herausgefunden, dass Brüste durch hohen Kaffeekonsum schrumpfen können.

Claus Folger
Frankfurt am Main

Postskriptum: Das nächste Panorama erscheint am 18.09.2016

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