Die Unzufriedenheit der Ukrainer mit der aktuellen Regierung wächst ins Unermessliche. Inzwischen würde der als russlandfreundlich geltende Oppositionsblock – wenn auch auf niedrigem Niveau – sogar zur stärksten Partei des Landes avancieren.

Von Marco Maier

Die Ukrainer sind kriegsmüde und wollen sich nicht mehr länger von der korrupten Oligarchenclique, die derzeit das Land "regiert", ausnehmen lassen. Je länger die unhaltbare Situation anhält, umso schlimmer werden die Lebensumstände in dem osteuropäischen Land und immer mehr Menschen wünschen sich eine Normalisierung der Lage. Während der Waffenstillstand im Osten des Landes weiterhin brüchig ist und nicht einmal der Westen die ukrainische Führung dazu drängt, im Gegenzug für finanzielle Unterstützungen auch die Umsetzung des Minsker Abkommens voranzutreiben, zeigt nun eine neue Umfrage, dass inzwischen immer mehr Ukrainer den linken Oppositionsblock wählen würden. Dieser gilt als eher russlandfreundlich und verurteilt die Hofierung der rechtsextremen Milizen durch das regierenden Regime.

Ganze 75 Prozent der Ukrainer lehnen die Regierung von Premierminister Grojsman ab, 72 Prozent misstrauen auch dem aktuellen Parlamentssprecher Parubij, der als "Kommandant" auf den Maidan-Unruhen eng mit dem Rechten Sektor zusammenarbeitete und Mitbegründer der "Sozial-Nationalistischen Partei" war. Parubij war als Vorsitzender des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukrainer auch Mitinitiator des als "Antiterror-Operation" verniedlichten Vernichtungsfeldzugs gegen den Donbass.

Doch wie schwierig die Lage ist, zeigt die höchst zersplitterte Parteienlandschaft: Laut der Umfrage würde der Oppositionsblock mit 13,1 Prozent stärkste Partei werden und damit den Block Poroschenko (12,6 Prozent) überholen. Timoschenkos Partei Vaterland wäre mit 12,1 Prozent drittstärkste Kraft. Die Radikale Partei und die Partei Selbsthilfe könnten demnach mit knapp über 7 Prozent rechnen. Interessanterweise würde sogar die Partei des ehemaligen georgischen Regierungschefs Saakaschwili die Fünfprozenthürde überwinden können. Doch damit hätten diese Parteien gerade einmal knappe 60 Prozent der Wähler hinter sich. Alle anderen Parteien wären für sich gesehen zu schwach. Allerdings wäre selbst in so einer Konstellation eine Mehrparteienregierung nötig, weil es keine klaren Mehrheiten gibt.

Erst im Juli zeigte eine Umfrage, dass die Kriegsmüdigkeit zunimmt. Damals sagten 47,7 Prozent der Befragten, man solle Russland Zugeständnisse machen um den Krieg zu beenden, 39,3 Prozent waren dagegen. Während 22,8 Prozent den abtrünnigen Donbass auch mit Gewalt zurückholen wollten, würden ihnen 25,5 Prozent der Befragten auch gerne mehr Autonomie und Sonderrechte gewähren. Immerhin 17,9 Prozent würden die beiden "Volksrepubliken" zwar nicht anerkennen, ihnen jedoch ihre Unabhängigkeit lassen und weitere 7,4 Prozent wollen sie sogar als unabhängige Staaten anerkennen. Damit zeigt sich deutlich, wie sehr die Hassorgien von Politik und Medien in der Ukraine ganz und gar nicht mit dem Willen der Bevölkerung konform geht.

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Nun stellt sich die Frage, wie lange das Regime diesen gewaltigen Widerspruch zwischen dem Willen der Bevölkerung und dem realpolitischen Kurs noch aushalten kann. Je länger der Krieg andauert und je größer die materiellen Entbehrungen der breiten Masse der Menschen werden, umso wahrscheinlicher wird ein "Maidan 2.0", der einen erneuten Machtwechsel einläutet. Nur dass dieser wohl angesichts der zunehmend aufgeheizten Stimmung und der starken Bewaffnung rechtsextremer Milizen wohl deutlich blutiger verlaufen würde.

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10 thoughts on “Maidan 2.0? Die Ukraine auf dem Weg in einen neuen Umsturz”

    1. Der stimmt vollkommen mit dem 'französischen' Philosophen Bernhard Levy, 'Freund Klitschko aka Etinzon und der Konrad Adenauer Stiftung überein.

      Der 'Alte von Rhöndorf' würde im Grabe routieren, wenn er wüßte, wie mit seinem Namen Schindluder getrieben wird.

  1. und verurteilt die Hofierung der rechtsextremen Milizen durch das regierenden Regime.

    —————

    Die ähäm…..rechtsextremen Milizen und das regierende Oligarchen System sind zwei Seiten EINER MEDAILLE!

    Solange die ähäm…'ukrainischen' Oligarchen nicht entmachtet und ins Absetis gestellt oder ausgewiesen werden, wird sich in der Ukraine nichts ändern (können).

    Happy NEW Khasaria!

    Sputnik News – Oligarchen-Krieg in Kiew: Kolomoiski schickt seine Privatarmee los

    Mehr: https://de.sputniknews.com/zeitungen/20150324/301622630.html

    https://de.sputniknews.com/zeitungen/20150324/301622630.html

     

  2. Gegen einen Umsturz wird sich das US-gestützte Regime so lange wie möglich wehren, denn das würde die wahren Hintergründe des Maidan-Putsches an die Oberfläche bringen – auch in Deutschland und in der EU, wo die ganze offizielle medial flankierte Ukraine-Politik sich noch immer darauf abstützt. Siehe:

    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/02/02/systematische-lugen-als-methode-der-politik-die-verdrehungen-im-ukraine-konflikt/

  3. Hm..dieser Maidan scheint ja eigendlich nichts mit den Ukraininischen Volk zu tun zu haben. Mit Nazimethoden kann man heut zu Tage kein Volk mehr ködern. Tschüss Poro pass auf das die Russen nicht kommen die dann das Volk geholt hat. Sie scheinen deine Schokolade nicht mehr zu mögen.

  4. Heißt dass, wenn das Volk mit der Regierung unzufrieden ist, protestiert das Volk auf dem Maidan? Komisch, bisher hat "Contra" genau das Gegenteil behauptet, nämlich die Proteste der Bevölkerung zu einem "faschistischen Putsch" umgelogen. Jetzt auf einmal das Gegenteil?

    1. "Proteste der Bevölkerung" ? – lächerlich! Es war ein von westlichen NGOs gelenkter und von ausländischen Agitatoren angefeuerter Staßenpöbel, der seinerzeit die verfassungsmäßige Regierung stürzte. US-Geheimdienste ließen im geeigneten Moment Sniper ihr blutiges Werk tun, damit die Situation rasch eskalierte. Das derzeit amtierende Regime in Kiew verfügt über keinerlei Legitimation, denn alle dem Westen nicht genehmen Parteien waren bei der Wahl ausgeschlossen, nicht aber ultranationalistische Gruppierungen, die man ohne Übertreibung als faschistisch bezeichnen kann. Gern wird in den westlichen Medien ausgeblendet, dass die Ukraine und RF vor historisch gesehen noch nicht langer Zeit ein und der gleiche Staat waren mit wechselseitigen Abhängikeiten und unzähligen zwischenmenschlichen Beziehungen. Nach bewährtem Muster sollte im Dombass ein Genozid gegen den russischstämmigen Bevölkerungsteil verübt werden, womit die westliche Wertegemeinschaft erwiesenermaßen keine Probleme hat, wenn es denn es denn nur den eigenen Interessen entgegenkommt. Glücklicherweise hat man den Widerstand in der Bevölkerung unterschätzt, wie auch den Sezessionswillen der Krim-Bevölkerung. Das derzeitige illegitime und mit Faschisten und ausländischen Söldnerbanden kooperierende Regime wird sich nicht mehr lange halten können.

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