Katalonien: Weiter auf dem Weg zur Unabhängigkeit

Gestern am katalanischen Nationalfeiertag demonstrierten hunderttausende Menschen in fünf Städten der Region für die Unabhängigkeit von Spanien. Der Wille zur Separation ist ungebrochen. Doch Madrid stellt sich weiterhin quer.

Von Marco Maier

Die beiden Bürgerinitiativen Katalanische Nationalversammlung (ANC) und Omnium Cultural hatten die Bürger Kataloniens zum gestrigen Nationalfeiertag dazu aufgerufen, in insgesamt fünf Städten der Autonomen Region für die Unabhängigkeit von Spanien zu demonstrieren. Hunderttausende Katalanen sind dieser Aufforderung gefolgt und hüllten die Straßen in ein Flaggenmeer.

Der Unabhängigkeitsprozess, der von der separististischen Regierung der Region vorangetrieben wird, soll demnach bis Mitte 2017 abgeschlossen sein, auch wenn sich die großen Parteien Spaniens – der konservative Volkspartei (PP) und die Sozialdemokraten (PSOE) dagegen sperren. Unterstützung für ihr Ansinnen zur Abhaltung eines Referendums erhalten die Unabhängigkeitsbefürworter hingegen von der linken Protestbewegung Podemos, wenngleich diese für einen Verbleib Kataloniens bei Spanien befürworten.

Die Verbote der Zentralregierung in Madrid und des spanischen Verfassungsgerichts interessieren die streitbaren Katalanen nicht wirklich. Immerhin gilt auch für sie das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Man bereitet in Barcelona bereits ein eigenes Finanzamt vor und arbeitet auch ein eigenes katalantisches Sozialversicherungswesen aus. Zudem ist für die kommenden Wochen ein Gesetz zum "juristischen Übergang" geplant, wo man festlegen möchte, wie die Verfassung eines unabhängigen katalanischen Staates aussehen soll. Ein erster Entwurf sieht demnach eine Präsidialrepublik ähnlich dem US-System vor. Zudem will man den ethnischen Minderheiten in Katalonien weitestgehende Autonomiebefugnisse gewähren.

Indessen drohte die konservative Regierung in Madrid bereits mit einer Amtsenthebung und Verhaftung der separatistischen Politiker, sowie einer Aufhebung der Autonomie. Damit würde Katalonien unter die direkte Verwaltung Madrids gestellt. Doch in diesem Fall könnte sich die Staatsregierung gewiss sein, dass es einen gewaltigen Aufstand im katalanischen Volk geben würde, der sogar die bisherigen Zweifler einer Unabhängigkeit dazu brächte, sich nun doch auf die Seite der Separatisten zu stellen. Denn in einem Polizei- und Militärstaat möchte wohl kaum jemand leben.

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8 Kommentare

  1.   Das sind andere Menschen, haben eine eigene Sprache, sind fleißig, andere Sitten und und. Warum sollen die nicht ihr Eigenleben führen dürfen, wenn sie mit Spanien nichts zu tun haben wollen. Dasselbe gilt in noch größerem Umfang für die Kanarischen Inseln.

  2. Wenn die Katalanen eine eigenen Staat bilden …

    ist Spanien erledigt.

    Die spanische Regierung weiß das auch, und sie wird zur Not Katalonien militärisch besetzen

    Die Blaupause dafür existiert schon : Spaniens Umgang mit den Basken.

  3. Man wird das Gefühl nicht los, daß die Besiedlungspolitik überall in dem EU Raum nur deshalb gemacht wird um den Separationsbestrebungen entgegenwirken zu können, diese widerum jedoch noch verstärken und man scheint sichh nicht sicher zu sein ob Alunaotrails, Pokemon, Dschungelcamp, Blööd, HF Bestrahlung, Aspartam, Angstmeldungen ausreichen oder aber man direkt in den offen Krieg übergehen muss, um ein für allemal den Sack zuzumachen.

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