Zeitreise ins Mittelalter oder sieht so die Zukunft aus?

Am 27. Tage des siebenten Mondes, Anno Domini 2016, sind die Mannen des Königs, Don Dinis, in meine Heimatstadt einmarschiert. Mit ihnen kam ein Tross von Händlern, Schaustellern und Gauklern. Aber auch die Frauen und/oder Konkubinen begleiteten die Ritter, Bogenschützen und Fußsoldaten auf ihrem Weg ins Land der Santa Maria. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, in dem der König Kiefernwälder pflanzt und den Schiffsbau unterstützt. Die Globalisierung nahm hier ihren Anfang. Was lernen wir aus der Geschichte?

Von Rui Filipe Gutschmidt

Vom 27. Juli bis zum 7. August 2016 veranstaltet meine Stadt ein Event, welches sich jedes Jahr aufs Neue übertrifft und dem lokalem Handel in den letzten Jahren durch die Krise half. Die ”Viagem Mediaval” – Reise ins Mittelalter – findet im 20. Jahr in Folge statt und versetzt dabei die mittelalterliche Altstadt zurück ins Mittelalter. Am größten Event dieser Art auf der Iberischen Halbinsel, oder sogar ganz Europas, gibt man sich alle Mühe, um die Besucher aus aller Welt auf eine Zeitreise mitzunehmen. Der Besucher fühlt sich zurückversetzt in die Zeit des Königs Don Dinis, als Portugal seine heutigen Grenzen größtenteils schon hatte und sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Richtung Meer ausrichtete. Die Reconquista war abgeschlossen und der Adel, der – wie überall auf der Welt – vom Krieg lebte, brauchte ein neues Ziel.

Aber was interessiert unsereins, was vor über 700 Jahren am westlichem Rand Europas geschah? Was kann man aus der Geschichte lernen? Der Philosoph drückt es für gewöhnlich so aus: „Eine Gesellschaft, die ihre eigene Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.“ Tatsächlich sind wir Europäer auf dem bestem Weg dahin. Es ist einer der größten Fehler der Menschheit, der wieder für viel Leid, Tod und Zerstörung sorgt. Wir lassen uns von macht- und geldgierigen Menschen einmal wieder einreden, dass wir einer überlegenen Nationalität, Volk, Rasse, Religion, Ideologie oder sonst einer Gruppe angehören, die von einer anderen Gruppe bedroht wird und gegen die man sich mit allen Mitteln wehren muss. So haben wir also Ukrainer und Russen, Türken und Kurden, Schiiten und Sunniten, Syrer, Iraker, Libanesen oder Araber dutzender Fraktionen und auch immer mehr Europäer, die sich als Verteidiger des Christentums sehen und Muslime, die glauben im Namen Allahs die Welt vom Bösem befreien zu müssen, die sich aufeinander hetzen lassen.

Ja, sie lassen sich aufeinander hetzen, weil verschiedene Interessensgruppen um Rohstoffe und politischen Einfluss streiten. Dereinst nutzte der Adel das Wir-Gefühl des Nationalismus um das Volk dazu zu bringen für seine Ausbeuter in den Krieg zu ziehen. Propaganda die den Feind als Monster zeigt und die Gräueltaten entsprechend aufgebauscht und emotionell dargebracht steigerten das Rachegefühl. Selbst rechtfertigte man die eigenen Verbrechen mit der verdienten Rache am Feind, dem zuvor die Menschlichkeit aberkannt wurde. Im Terrorkrieg wurden Städte dem Erdboden gleich gemacht und ganze Völker wurden ausgerottet, lang bevor der Begriff vom Genozid (Völkermord) geprägt wurde.

So füllten die Mongolen beispielsweise die Gräben, die um die Mauern von Burgen und Städten gebaut wurden, mit den Leichen der gefangengenommenen Zivilbevölkerung aus den umliegenden Dörfern, um die Mauern erreichen zu können. Auch beim Sturm auf die Mauern nutzten sie Gefangene Frauen und Kinder als Schutzschilde – ein Konzept das vor allem im nahen Osten wieder groß in Mode kam. Eine Stadt die sich kampflos ergab wurde verschont, während die Verwalter einer Stadt die Widerstand leistete gezwungen wurde zuzusehen wie die Bevölkerung aufs grausamste zu Tode gefoltert wurde. Danach wurde er geblendet, so das dieses Grauen das Letzte war was er zu sehen bekam. Mit dieser Last auf dem Gewissen wurde er in die nächste Stadt oder zu seinem König geschickt, um davon zu erzählen. Es sind Geschichten wie diese, die man auf einer Reise ins Mittelalter lernen kann.

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Heute sind die Medien die Botschafter des Grauens. ISIS und andere Terrororganisationen filmen ihre Gräueltaten und Anschläge in Europa bekommen wir live im TV zu sehen. Außerdem hat immer irgendwer ein Smartphone und filmt wie Menschen auf dem Asphalt einer Stadt wie Brüssel oder Paris verbluten, die gerade noch arglos ihren Pflichten nachkamen oder einfach nur ihre Freizeit genießen wollten. Beim modernem Terrorismus sind die religiösen Überzeugungen derzeit der Beweggrund der Attentäter. Die Religion der Opfer spielt hierbei kaum eine Rolle und die Strippenzieher im Hintergrund haben machtpolitische Beweggründe und nutzen hierfür nur die Religion, um menschliche Roboter zu schaffen, die nicht denken, nicht fühlen und nicht nur glauben, sondern zu wissen meinen, dass sie im Namen Gottes handeln, daher das Richtige tun und mit dem ewigen Leben im Paradies belohnt werden.

Im Mittelalter war dieser Glaube eine Tatsache bei Muslimen und Christen. Die Welt war eine Scheibe und das „Wissen“ der Zeit wurde in Moscheen, Kirchen und Klöstern oder Synagogen gehütet und nur einer auserwählten Elite war es erlaubt, eine Scholar oder Universität zu besuchen. Wissen ist Macht und in der Welt des Islam des 13. Und 14. Jahrhunderts waren die Muslime die Gebildeten und die Christen galten als Barbaren, ungebildete Fanatiker und grausame Mörder von Frauen und Kindern. Als Jerusalem erobert wurde hinterließen die „Franken“, wie die Christen seit der Schlacht von Poitiers genannt wurden, ein grauenvolles Blutbad, das selbst für die Brutalität des „dunklen Zeitalters“, seines gleichen suchte. Doch um die Geschichte zu verstehen, muss man sehen und wenn möglich erleben, wie der Alltag der Menschen war…

Damit zurück zum Event in Santa Maria da Feira, dass heute leider wieder zu Ende geht. Außer dem mittelalterlichem Markt und den Freilufttheateraufführungen, die von den wichtigen Geschehnissen der Regierungszeit des Königs D. Dinis und seiner Königin, D. Isabel – genannt die Heilige – erzählen, ist die gesamte Altstadt ins Jahr 1299 zurückversetzt worden. Ein Dorf zeigt den Alltag der einfachen Menschen zu der Zeit und in Workshops kann man in die Berufe der Epoche eintauchen. Schausteller und Freiwillige bringen ihre Tiere mit, die für die Kinder ein besonderes Erlebnis darstellen. Ein Hauch von Streichelzoo, wobei Ziegenhirten oder Schäfer natürlich stilecht im mittelalterlichem Portugiesisch sprachen. Bettler und Trinker laufen einem über den Weg und legen sich mit den Besuchern an. Man kann sich an den Pranger stellen lassen um ein Foto zu machen oder sich im Umgang mit Waffen schulen lassen.

Bogenschießen, Speerwerfen und Schwertkampf können geübt werden, aber auch der Umgang mit dem Katapult und anderer Kriegsmaschinen wird gezeigt. Höhepunkt ist der Sturm auf die sehr gut erhaltene Burg, bei denen Brandpfeile abgefeuert werden und Leute die auch als Statisten bei Filmen arbeiten stellen Kampfszenen dar, die ganz ohne Spezialeffekte auskommen. Das beste aber zum Schluss. Nachdem man sich durch die Menschenmenge manövriert hat, wie Löwenherz in die Schlacht zog und inzwischen kiloweise Andenken mit sich herumschleppt, braucht der Bauer, der Fischer, der Handwerker oder Händler (der dritte Stand), wie auch der Mönch, Priester oder die Nonne (zweiter Stand) und sogar der Ritter, der Edelmann und selbst der König (erster Stand), etwas zu essen und zu trinken.

Ein großer Teil der Fläche des Areals ist dem leiblichem Wohl gewidmet. Hierbei sind nur Speisen und Getränke aus der damaligen Zeit gestattet. Auch müssen alle Händler auf moderne Kleidung verzichten. Schweinehälften an riesigen Spießen, Roggenbrot und Oliven dazu und einen Becher Wein oder Sangria. Kein Bier, keine Kartoffeln, Tomaten, Maisbrot oder sonstiges, was erst 200 Jahre Später aus der Neuen-Welt nach Europa kam, findet sich hier. Die Zuckerbäcker aber, wie mein Freund Pinto vom Café Renascer, der wie viele Geschäftsinhaber aus der Stadt einen Stand (mit Produktion vor Ort) haben, produzieren fleißig süße Verführungen. Zum Abschluss noch ein Likörchen oder einen Bagaço (Hochprozentiger aus Trauben). In einem Jahr kommt wieder ein König aus Portugals Geschichte in die Stadt und tausende Besucher aus aller Welt werden viel Geld in die Taschen der von der Krise heimgesuchten Bewohner von Feira spülen. Man sollte sich einen Besuch gönnen, da man sich so schon mal an das Leben im Feudalismus gewöhnen. Schließlich will der moderne Geldadel diese Zeit zurück haben. Da ist es gut schon mal zu üben. Also jetzt alle im Chor…Viva El Rei Don Dinis, viva Donna Isabel, viva Portugal.

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15 Kommentare

      1. Alles nur noch abartigst,keiner kann das mehr nachvollziehn.Zumindest keiner der noch normal in der Birne ist und da sind wir zum Glück in der Mehrheit! ( Hoffe ich)

  1. Schluss mit lustig knallt diesen Dreck ab der unser Land zerstört , es reicht aufhängen  an der höchsten Laterne im Land. Verbrecherbande dreckige, die uns ausliefern an primitivsten  und gewalttätigen Dreck den wir bei uns jemals gesehen haben. Ja,  Mist was ich schreibe, aber meine Wut wird von Tag zu Tag   wird größer. Was hat man aus uns gemacht ihr Gauner und Volksverräter, so wolte ich nie sein. Als Deutscher Depp habe ich euch alles geglaubt, jetzt werde ich von allen Seiten bedroht  von euch und eueren Alptraum den ihr in unser Land geholt habt. Das muss ein Ende haben, verschwindet aus unseren Land ihr Vaterlandsverräter Kinderschänder Drogenschweine, raus aus unseren Land Verbrecherbande dreckige.

    1. Kann Deinen Aufschrei gut nachvollziehen …

      aber trotzdem – wenn dir die Galle hochkommt, zähl erstmal bis 10, bevor du in die Tasten haust.

      Wenn die Kahane-Truppe dich erwischt, wanderst du für die Wahrheit in den Knast.

      Das wollen wir doch lieber verhindern, besonders in einer Zeit, wo jeder gebraucht wird.

        1. Walter..das gibt allenfalls mindernde Umstände..eine gepflegte kleine Zelle..der Pluspunkt is das du nicht auf eine mittelalterliche ''Streckbank'' must.(Lach)

  2. Rassenkrieg

    „Eine Gesellschaft, die ihre eigene Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.“ Tatsächlich sind wir Europäer auf dem bestem Weg dahin.

    Verdammt richtig, insbesondere für Europäer, die nicht nur ihre eigene,speziell die jüngere Geschichte nicht kennen DÜRFEN (Was nicht nur für Deutschland gilt, da aber besonders streng durchgesetzt wird). sondern eine speziell aufbereitete Version eingeimpft bekommen.

    In Tat und Wahrheit befinden wir uns schon lange in einem weltweiten Rassenkrieg, dessen Ziel die Auslöschung des weißen Mannes ist.

    Da sich diese Spezies auf den Schlachtfeldern der Vergangenheit und der Gegenwart als unbesiegbar erwiesen hat, bekommen wir es nun mit einer Art von Raffinesse zu tun, die wir aufgrund unserer Geradlinigkeit nicht zu durchschauen vermögen und die zum Ziel hat, dass der "weiße Mann" sich selbst auslöscht.

    Das Rezept lautet, eingedampft : Zwietracht säen, Hass erzeugen, auskämpfen lassen.

    Kleines Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit gefällig?

    Als die Situation in der Ukraine bedrohlich wurde, nicht zuletzt aufgrund der von den USA finanzierten NGOs, reiste unser Steinmeier in die Ukraine und rang den Konfliktparteien die Einwilligung zu Verhandlungen ab.

    Das hätte die jahrelange Wühlarbeit der NGOs obsolet gemacht, folglich begann einen Tag später das Morden, während der Kampfschrei über den Atlantik hallte :"Fuck the EU!"

    Alles lief nach Plan, und in der Ukraine schlagen fortan Weiße weiße Schädel ein.

    Also muss man sich einmal das Beratergewimmel um den amerikanischen Präsidenten ansehen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wer hier den weißen Selbstmord befeuert.

    Der C-K-Plan, für Deutschland vorgesehen und den hiesigen Kommentatoren bestens bekannt, ist nur ein Teil des Kriegsgeschehens.

    Der "Weiße Mann" gerät überall auf der Welt unter Druck – Neuseeland, Australien, USA, Europa, Russland – überall dasselbe Bild.

    In Südafrika werden ermordete Weiße inzwischen schon gekocht und zu Medizin verarbeitet.

    Es wird höchste Zeit, von unseren wahren Feinden zu lernen – nicht um deren Methoden anzuwenden, sondern um sie zu durchschauen.

     

  3. @Rui Filipe Gutschmidt

    "Wir lassen uns von macht- und geldgierigen Menschen einmal wieder einreden, dass wir einer überlegenen Nationalität, Volk, Rasse, Religion, Ideologie oder sonst einer Gruppe angehören, die von einer anderen Gruppe bedroht wird und gegen die man sich mit allen Mitteln wehren muss." – Was soll denn dieser unsinnige Satz? Die Geld- und Macht-Eliten wollen uns doch der Bedrohung durch Millionen illegale Einwanderer und Invasoren ausliefern!

    "Dereinst nutzte der Adel das Wir-Gefühl des Nationalismus um das Volk dazu zu bringen für seine Ausbeuter in den Krieg zu ziehen." – Dieser Satz könnte aus einem DDR-Geschichtsbuch oder aus einem Lehrbuch für Marxismus stammen!

    1. "Dereinst nutzte der Adel das Wir-Gefühl des Nationalismus um das Volk dazu zu bringen für seine Ausbeuter in den Krieg zu ziehen."

      Ständegesellschaft: Im Mittelalter gehörten die Menschen drei Ständen an:

      Adel,Geistlichkeit und einfaches Volk.

      Jeder stand hatte seine Aufgaben: Adlige sollten kämpfen,Geistliche "beten" 😉 naja Papst hatte auch viel Macht..

      und die einfachen (Sklaven-)Leute immer schön malochen.

      Hilfe gegen Land: Adlige und Herrscher führten oft Kriege. Die Ritter standen ihnen dabei treu zur Seite. – Das Lehen: Dafür belohnte der Herrscher(Könige) seine Ritter(Adel/Kleinadel) mit einem sogenannten Lehen. Die Mitstreiter bekamen entweder Land oder Geld. Der "Rest" waren Leibeigene.

      na, kommt einem alles bekannt vor…;-)

  4. Alles beim Alten, heute nur verschleiert mittels perfidem Neusprech (brachialer Krieg als Friedensmission etc…..) oder die alte Leier (Wir die Guten, dort die Bösen, etc…….)

    Die Masse ist unfrei wie eh und je, diesmal gefangen in einem elenden Kopfkino. EIn Sklave wußte zumindest noch, daß und und warum er unfrei war. Heute versklavt man sich freiwillig und hält das für die größte aller Freiheiten.

    Denke gerade an meinen ersten MadMax-Film, damals noch im Kino. Dachte sowas irres kann nur ein kranken Hirn auf die Schiene stellen. Denkste, mittlerweile sind wir nah dran an dieser Realität und ist der schmale Grat dieses Rubikon überschritten, geht es steil und damit fix abwärts. 

  5. Schön zu lesen der Artikel! Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. War erst kürzlich in einer alten Ritterburg.

    Teile und Herrsche -das alte Spiel.

    Wenn man in Liebe in Kontakt mit seiner Seele bleibt wird einem alles offenbart.

    Es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Menschheitsgeschichte.

    Inquistion/Folterkammer = Vernichtung des Wissens der Gnostiker, der Lichtkrieger

    heutzutage ist die psychologische sowie per Strahlen(smarties,compies,tvies…) Kriegsführung angesagt.

    und wenn man immer weiter recherchiert offenbart sich diese "Hölle" von Matrix immer mehr.

    pfui deibel

    <999    möge die Macht mit Dir sein

    einfach weiter transformieren bitte.

    thanks Grigori Grabovoi

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