Washingtons Kampf um die Türkei

In Washington will man nach dem missglückten Putschversuch den nahöstlichen NATO-Brückenkopf Türkei nicht verlieren. Bidens Besuch bei Erdogan und die US-Unterstützung für die türkische Invasion in Syrien waren wohl erst der Anfang.

Von Marco Maier

Der türkische Präsident pokert gerne und dazu noch hoch. Das geopolitische Pokerspiel mit den Vereinigten Staaten scheint Recep Tayyip Erdogan derzeit auch noch zu gewinnen. Sein Vorteil sind einige geostrategische Asse im Ärmel, die er jederzeit ausspielen kann. Als "man in the middle" spielt er derzeit zudem Washington und Moskau gegeneinander aus und scheint damit auch noch durchzukommen.

Einerseits zeigt die faktische 180-Grad-Drehung Erdogans in Sachen Russland und der syrischen Regierung, dass er außenpolitisch sehr flexibel und "situationselastisch" sein kann. Andererseits weiß er auch, dass die US-Eliten die Türkei als strategischen Brückenkopf im Nahen Osten brauchen und die zwischenzeitliche Wiederannäherung Ankaras an Moskau vor allem Druck auf Washington aufbauen soll, damit diese die Auslieferung von Prediger Gülen durchziehen.

Opfer dieser geopolitischen Manöver sind hierbei vor allem die Kurden in Syrien, die zuvor von den syrischen Regierungstruppen weitestgehend in Ruhe gelassen wurden, weil man sich arrangierte und die aus Washington mit Waffen und anderem Kriegsgerät versorgt wurden, weil sie eine der effektivsten Kräfte gegen den "Islamischen Staat" und diverse dschihadistische Gruppen sind. Nun bekommt Erdogan seinen Willen und die türkische Armee kann die PKK (bzw. deren syrisches Pendant) direkt auf syrischem Boden bekämpfen – neben dem IS natürlich, der seinem "Herrchen" genüsslich in die Hand biss.

Interessant hierbei ist jedoch, wie offen rücksichtslos Washington agiert. Gut, Moskau kennt in Sachen Geopolitik auch kein Pardon, wenn es um die Erreichung von Zielen geht – doch wie verschlagen und rücksichtslos die Amerikaner agieren (und das in aller Offenheit), ist schon ein Fall für sich. Denn während der Kreml zumindest keine öffentlichen Einwände gegen die türkische Bodenoffensive in Nordsyrien mehr äußerte, kamen Weißes Haus und Pentagon gleich schon mit Luftunterstützung und "Militärberatern" an, und halfen den Türken auch noch direkt dabei, die kurdischen Milizen unter Beschuss zu nehmen. Biden forderte die Kurden sogar dazu auf, eroberte Gebiete aufzugeben und auf ihre eingeforderte Autonomie zu verzichten. Das ist ein direkter Verrat an den bisherigen Verbündeten durch Washington, während Moskau sich ja bislang eher indirekt mit den kurdischen Einheiten verbündet hatte – und das eigentlich auch nur deshalb, um Ankara eins auszuwischen, nachdem diese sich so feindselig verhielten.

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Auf jeden Fall zeigt es sich, dass Washington die Türkei unbedingt wieder auf die Seite der NATO ziehen möchte. Erdogans politischer Tanz mit Putin war für den türkischen Präsidenten bislang erfolgreich. Und auch wenn die USA den Prediger Fehtullah Gülen eigentlich nicht ausliefern wollen, so könnten sie ihn durchaus opfern. Allerdings: Sollte Gülen zu tief im CIA-Sumpf verstrickt sein, ist es wahrscheinlicher, dass der ohnehin schon gesundheitlich angeschlagene islamistische Prediger "plötzlich" vor der Auslieferung an die Türkei verstirbt.

Übrigens: Besonders interessant ist das Datum des türkischen Einmarsches in Syrien. Denn am 24. August 1516 – also vor genau 500 Jahren – konnte das Osmanische Reich die Schlacht von Mardsch Dabiq gegen die Mamluken für sich entscheiden. Damals fiel ganz Syrien unter die osmanische Herrschaft. Wenn das mal kein Zufall ist?

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26 Kommentare

    1. Ja klar, Millionen von Menschen haben das Erdbeben am eigenen Leib gespürt und erlebt und dann soll es ein Anschlag eines Muslims gewesen sein… Stupider geht es wohl nicht, oder?

      1. Der Sprecher sagte etwas von einer Mini Atomgürtel-Bombe. Oder Miniatom-Gürtelbombe? Ich weiß nicht, wie man das koreckt schreibt.

        1. Nach einer Atombomben-Explosion sieht das nicht aus. Zudem zeigt auch die seismographische Karte, dass sich das Ganze entlang der geologischen Linien ausbreitete. Vor allem: Wenn es so eine Bombe gewesen wäre, dann wäre doch ein Anschlag direkt in Rom viel effektiver gewesen als irgendwo in den Dörfern in den Bergen. Manche Leute spinnen sich eben gleich aus und verbreiten die abstrusesten Stories. Ich habe mir auch einige Videos angesehen, die Schäden sind typisch für Erdbeben.

          1. Hmm… vielleicht etwas falsch verstanden? Siehe hier: http://www.tz.de/welt/erdbeben-italien-warum-mittelmeerregion-gefaehrdet-6690134.html

            Zitat: ” Erdbeben können je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise in der Region unterschiedliche Auswirkungen haben. Meist gilt, dass Beben der Stärke 1-2 nur durch Instrumente nachzuweisen sind. Stärke 3: Nur in der Nähe des Epizentrums zu spüren. Stärke 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden. Stärke 6: Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen. Stärke 7: In weiten Gebieten stürzen Häuser ein, viele Menschen sterben. Stärke 8: Verwüstungen im Umkreis Hunderter Kilometer, sehr viele Opfer. Ein Beben der Stärke 6 setzt rund 1000 Mal so viel Energie frei wie ein Beben der Stärke 4. Die Energie eines Bebens der Stärke 6 entspricht in etwa der Stärke der Atombombe über Hiroshima.

          2. Nee nicht Hiroshima! Von Italien war in den Nachrichten die Rede.

            Mein Bruder hat es ja auch gehört. Und der ist Wachtmeister am Rhein.

          3. Es ist mir nicht so wichtig, ob Sie mir glauben. Aber wenn Sie einen Wachtmeister als unglaubwürdig hinstellen, und das ganze sogar öffentlich … das ist nicht in Ordnung.

            Lassen Sie uns singen, Herr Maier, bevor auch bei uns solche “Erdbeben” auftreten.
            https://www.youtube.com/watch?v=LZDJUTYDiq8

            Der Nachrichtensprecher hat übrigens ein paar Minuten später dementiert, ein falsches Skript hätte ihm vorgelegen. Danach wurde das nicht wieder gemeldet.

      2. Herr Meier, an die Version einer Atomexplosion glaube ich auch nicht, aber eigentlich sollte man ein Erdbeben mal selbst erlebt haben um zu begreifen was das bedeuted. Ich habe 2 Erdbeben in meinem siebzigjährigen Leben erlebt und würde es gerne mal beschreiben, wie man sich als Mensch dabei fühlt, ohne daß ich den Supergau wie in Italien erfahren mußte, denn das muß wirklich die Hölle sein. In meiner beruflichen Anfangszeit wohnte ich an den Ausläufern der schwäb. Alb und nach einem Kundenbesuche war auf der Straße plötzlich ein leichtes Fibrieren unter den Füßen festzustellen und schon sind dutzende von Dachpfannen heruntergefallen. Der Stoß wiederholte sich 2x und immer wieder vielen unterschiedliche Bauteile von den Häusern herab und es gab auch Risse. Dann war alles vorbei. Dies war ein leichtes Erdbeben. In Istanbul erlebte ich mitte der Achtzigerjahre das größte Erdbeben. Wie saßen in einer Besprechung im  4. Stock einer Textilfabrik und plötzlich entstand unter uns ein lauter grollender Ton, vergleichbar mit einem LKW ohne Auspuff und ein leichtes Wanken im Raum. Die Gesprächspartner wußten gleich was es auf sich hat und alles rannte im Treppenhaus nach unten, wobei man nur das Grollen in Abständen vernahm, sonst nichts. Draußen auf dem geteerten großen Firmengelände angekommen, ein unwahrscheinlich starkes zittern des gesamten Bodens mit anschließendem Gefühl, daß einem alles unter den Füssen wegschwimmt, ähnlich wie im Moor auf schwammigem Untergrund und dann plötzlich ein prasseln von allen Seiten und alles flog von den Dächern herunter, Steine, Dachpfannen, Mauerstücke. Die Gebäude blieben zwar stehen, hatten aber z. Teil große Risse und alles schrien in Todesangst, denn niemand wußte wo er sicher wäre, wenn er neben den Häusern wegrennen würde. Das ganze ging ungefähr 5 Min. in Abständen und wer mal erlebt hat, wie ein befestigter Boden unter den Füßen mit Rißbildung wegschwimmt, der verliert dieses Gefühl nie mehr in diesem Leben. Das nur zum Erdbeben kleinerer Stärke, ich wage mir deshalb nciht auszumalen, wie man sich fühlt, wenn das ganze STockwerk zusammenbricht und das Dach darüber einstürzt, das muß wohl die Hölle sein.

  1. Soll nur die Türkei bei Russland bleiben da leben wir sicherer als bei den Welteroberern und Massenmördern. Jaja die Geopolitik ist manchmal ein elendes Ding, besonders wenn man die Türkei nicht in Grund und Boden bomben kann. So ein Mist aber auch.

  2. Der gescheiterte Zioconputsch (zusammen mit US-Deep State und CIA) in der Türkei hat die Karten komplett neu gemischt und dem Hegemon einen massiven Schlag versetzt, zumal zeitgleich deren ISIS-Tafkiriratten in Syrien reihenweise ins Gras beissen – ein Ziel des Putschversuches war es wohl (auch) den russischen Nachschub für Syrien zumindest zu stören indem man einfach den Bosphorus sperrt.

    Die Türkei ist für den Hegemon und NATO verloren, was wir derzeit erleben ist der Versuch dieser Kräfte da noch einigermaßen mit blauen Augen herauszukommen.

    Die Güllensekte (keine -bewegung!) ist CIA pur zumal es wohl auch die CIA-/ Deepstate-Seite war, die damals entsprechenden Druck aufgebaut hat, damit dieser 'Prediger' überhaupt eine (dauerhafte) Greencard für die USA erhielt.

     

     

  3. Auch Despoten machen irgendwann mal Fehler und das Glück könnte sich sehr schnell ins Gegenteil verkehren. Nur wenige in der Geschichte haben über lange Zeit regiert, man muß eben nur warten können, dann regelt sich alles von ganz allein. Und das mit der wichtigen geostrategischen Lage ist auch ein Ammenmärchen, der wahre Grund ist, daß man die Türkei nicht der Einflußspäre der Russen überlassen will. Verteidigen könnte sich die Nato genausogut aus den Anreinerstaaten heraus. Die wollen sich einfach nicht ihr Spielzeug wegnehmen lassen und dafür gehen die über Leichen, wenn es sein muß. Es kotzt einen alles an.

  4. Gut, Moskau kennt in Sachen Geopolitik auch kein Pardon, wenn es um die Erreichung von Zielen geht – doch wie verschlagen und rücksichtslos die Amerikaner agieren (und das in aller Offenheit), ist schon ein Fall für sich.

    Wäre gut gewesen wenn das jeweils mit ein / zwei / drei Beispielen ausgeführt worden wäre denn mir ist kein Fall bekannt das Rußland das Völker- Kriegs- und Menschenrecht bricht um seine Ziele zu erreichen.

    1. Es geht hierbei nicht ums Völker- oder Kriegsrecht. Aber: Die Kurden sind für Moskau auch nur eine “Verfügungsmasse”, wie für die Amerikaner. Schlussendlich geht es immer um geopolitische Ziele – wie auch immer die aussehen. Dort wo die USA globalistisch handeln, geht es Russland mehr um die direkte Nachbarschaft (Georgien, Armenien, Ukraine, Kasachstan usw.).

  5. Um was soll es den sonst gehen als um Geopolitik. Vietnam war damals sicher kein Land in unserer Nähe das uns irgendwie bedroht hat. Fast 4 Millionen Tote haben diese Berserker alleine in diesen Land hinterlassen. Diese Spur zieht sich um die ganze Welt jahrzehnt um jahrzehnt. Dieser Hitler war ein Waisenknabe dagegen. 55 Tausend tote Amerikaner und 60 Tausend Selbstmorde von ehemaligen Soldaten denen klar wurde was sie da angerichtet haben. Und es ging weiter und weiter bis Heute. Alle schweigen über diese endlosen Verbrechen gegen die Menschheit hauptsächlich an der Zivilbevölkerung. Das muss ein Ende haben egal wie.

  6. Die Türken haben hoffentlich gelernt aus dem Putsch und wie die USA mit Freunden umgeht, siehe Gadaffi, Sadam Hussein u.a.. Freundschaft mit den USA dauert immer genau so lange, wie sie nützlich ist, danach ist man in aller Regel tot.

  7. "Das geopolitische Pokerspiel mit den Vereinigten Staaten scheint Recep Tayyip Erdogan derzeit auch noch zu gewinnen."

     

    Weil er die Gfrieser der anderen auslesen kann.

    1. Mein Gott Walter!

      Ihnen kann man aber auch mit allem kommen, oder? Sie inhalieren alles.

      So schnell schwenkt kein Staatschef um. Also muss es zum Drehbuch gehören.
      Die verbleibende Frage lautet lediglich, ob Putin auch zu diesem Drehbuch gehört.
      Und was ist DANN ?

  8. Mitte September wird’s erst richtig interessant. Nordkorea hat angeboten, Equipment und Truppen zu schicken, um das gebeutelte Land “gegen das gefräßige Monster” [USA] zu verteidigen. Damaskus hat zugestimmt (laut veterans today). Kim Jong-un lässt ab. nä. Woche Atomraketen an Syriens Grenzen aufbauen. Wir werden sehen, wie es dann weiter geht.

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