Türkei-Syrien: Ankaras Kehrtwende

Die besseren Beziehungen zu Russland und eine Neubewertung der Nachbarschaftspolitik führen in Ankara zu einer Kehrtwende in Sachen Syrien. Die Kurdenfrage und das bessere Verhältnis zu Russland dürften hierbei eine große Rolle spielen.

Von Marco Maier

War es bislang das Ziel der türkischen Führung, Syriens Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen und das mehrheitlich sunnitisch-islamische Land unter eine entsprechende politische Führung zu bringen, so zeigen die jüngsten diplomatischen Bemühungen Ankaras eine sukzessive Kehrtwende in der Syrien-Politik.

Unterstützte Ankara bislang vor allem dschihadistische bzw. radikalislamische Gruppierungen in Syrien, die sich den Sturz von Assad zum Ziel setzten, so lassen Präsident Erdogan und dessen AKP diese nun offenbar fallen – und suchen ein besseres Verhältnis zu Damaskus. Immerhin hatten Erdogan und Assad früher ein doch sehr gutes Verhältnis zueinander, welches erst im Zuge des Syrienkrieges zu einer Feindschaft seitens Erdogans avancierte. Das Festhalten Moskaus an Assad und die zunehmende Unterstützung für die syrische Regierung – neben dem Iran nun auch China und Indien – dürfte auch hier eine Rolle spielen.

Allerdings scheint Erdogan erkannt zu haben, dass er in der Kurdenfrage ohne eine Stärkung Assads schlechte Karten hat. Denn ein eigener Kurdenstaat im Norden Syriens wäre für ihn eine mittlere Katastrophe. Vor allem dann, wenn sich auch im Nordirak die Kurden von Bagdad komplett loslösen. Das wäre dann schon eine größere Katastrophe. Denn dies würde vor allem der separatistischen kurdischen Terrorgruppe PKK massiven Auftrieb verschaffen.

Insofern sind die beiden jüngsten Forderung von Ministerpräsident Binali Yildirim interessant: Erstens dürfe die territoriale Integrität der Türkei nicht infrage gestellt werden, und zweitens müsse Syrien als Staat erhalten werden. Von einem Sturz Assads ist inzwischen kein Wort mehr zu hören. Stattdessen heißt es nun: die Herrschaft einer einzelnen gesellschaftlichen Gruppe (also den Alawiten Assads) müsse ein Ende haben. Das heißt: Wenn es Assad schafft, auch die anderen Ethnien stärker in den politischen Prozess einzubinden, wird es seitens der Türkei wohl keine Probleme mehr geben.

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15 Kommentare

  1. ´Wenn das ja alles so zutreffen sollte, dass nicht nur Russland  sondern auch der Iran,  China, Indien und nunmehr wohl auch Erdogan Assad stützen wollen,ist Us-rael und seine Konsoren blamiert bis auf die Knochen.Da wird der islamische Staat von Killary auch nicht mehr viel bewirken können und Eretz Israel können sie trotz aller Bombardierungen(nunmehr wohl in Lybien) hinter die Haare schmieren. Allerdings birgt die Gegend viel mehr als die Ukraine ein extremes Weltkriegsgefahrpotential.

    1. Über manche Kommentare kann man sich nur wundern. So auch hier. Anonymous schreibt doch tatsächlich folgendes " ´Wenn das ja alles so zutreffen sollte, dass nicht nur Russland  sondern auch der Iran,  China, Indien "

      Der Iran unterstützt Syrien seit Beginn dieses Krieges, nicht nur direkt mittels Kredite, Soldaten, Material und Ausrüstung sondern auch indirekt durch die Hisbollah. China unterstützt Syrien auch schon seit Beginn durch Ausbilder und Material. Dies soll jetzt nur ausgeweitet werden. Wie kommt also Anonymous darauf von "zutreffen sollte" zu faseln.

      1. Was Sie behaupten wird behauptet, waren Sie dort und haben es gesehen? Und selbst wenn es zutreffen sollte, ist die Konditionierung meiner Aussage eine dubitative Verstärkung in der Gesamtpluralität der diversen Länder. Roger??

  2. Ich hoffe, Sie behalten Recht, Herr Maier. Versöhnung und Frieden ist absolut wünschenswert. Was man sich aber noch einmal bewusst machen sollte, ist die Tatsache, daß die türkische Führung großen Anteil an den Schrecknissen, die sich bis und gerade heute in Aleppo zeigen, trägt. Ohne Frage ist es auf der anderen Seite die russische Hilfe, die zusamen mit der syrischen Armee Syrien vielleicht mittelfristig schon eine Befreiung von diesem fremdgesteuertem Terrorismus – hierzulande medial nach wie vor als "Bürgerkrieg" publiziert – erreichen kann.

    Aber wie sprechen R. Erdogan und V. Putin eigentlich wirklich miteinander? Ich denke nicht, daß Putin all dies per Blanko verziehen hat: man denke an die jahrelangen Zerstörungen und Tötungen des IS in Syrien, an die antirussischen Maßnahmen, an viele Tote und Verletzte während der Kurdenkrieges, die augenblickliche Misere in Aleppo … alles auch in der Verantwortung der Türkei. Hat sich Erdogan also wirklich gewandelt und lässt das alles nun? Das wäre schön, und gleichzeitig ist es schwer vorstellbar. Nun, wir werden sehen.

    Ich empfehle hierzu einen gut recherchierten weiterführenden Artikel aus dem Voltaire-Netzwerk http://www.voltairenet.org/article192997.html

  3. Der Osten der Türkei ist nur von Russland geleast. Schauen sie nach unter Verträge von Kars.
    Putin muss diesen Vertrag nicht verlängern und die östliche Türkei, also 60% des jetzigen Staatsgebietes, einfach an Armenien übergeben.

  4. Kriege waren schon immer – Nach dem Krieg wird es dunkel Volk spricht Deutsch "neuen Deutschen" sollte für einen Krieg gegen Russland 1941 verwendet werden – zionistischen Plan – – keine Deutschen für den Holocaust und die Feinde der Araber für Rohstoffe in den Krieg mit Russland

  5. Nun mal langsam mit einigen Wortmeldungen hier. Das die Türkei umschwenken War ja wohl mehr als zu erwarten. Man hat sich mit Israel versöhnt, jetzt mit dem großen Nachbarn RF und morgen ist Erdowan in Teheran. Hier schließt sich erst mal der Kreis.

    Weitergehende Ambitionen werden Richtung SCO sein, Beobachterstatus hat man ja schon beantragt gehabt, aber durch Abschuss auf Eis gelegt.

    Natürlich hat die Türkei auch ihre eigenen Ziele, aber….ohne die RF, Iran und auch im Endeffekt mit Syrien ist nix und damit hat die weitere Entwicklung doch sehr interessante Potenzen.

    Hier auch schon richtig bemerkt hat China keinen kleinen Einfluss nicht nur imn Syrien sondern auch schon im längeren in der Türkei.

    Nicht umsonst spielt hier die Seidenstraße eine wichtige Rolle, die die Türken auch schon angemeldet haben.

    Also es bewegt sich etwas und zwar gegen Blödamis……

    1. Ihr Wort in des Schöpfers Ohr, Rolf –  so wünschenswert das unbedingt ist, so eindeutig ist es auch noch nicht publizierbar. Ich persönlich halte die – wenigen – Meldungen einer echten Annäherung TUR-RF so für noch nicht tragfähig. Auch wenn Sie, Rolf, inhaltlich durchaus recht haben: Die Misere in Aleppo und Syrien allgemein trägt klar noch Erdogans Handschrift! Es waren seine grauen Wölfe, die die beiden russischen Piloten abgeschossen haben, die gleichen mit dem typischen Fingerzeichen, die unter den teils ahnungslosen "Putschisten" wüteten.

      Ich glaube kaum, das RF dies so einfach übersehen will, auch die Russen wollen verständlicherweise erst einmal glaubhafte Ergebnisse seitens der Türkei sehen.

      Noch etwas Seriöses und Hochinformatives zum Hintergrund der Türkei:

      http://www.voltairenet.org/article192997.html

      Grüße

  6. Nun mal langsam mit einigen Wortmeldungen hier. Das die Türkei umschwenken War ja wohl mehr als zu erwarten. Man hat sich mit Israel versöhnt, jetzt mit dem großen Nachbarn RF und morgen ist Erdowan in Teheran. Hier schließt sich erst mal der Kreis.

    Weitergehende Ambitionen werden Richtung SCO sein, Beobachterstatus hat man ja schon beantragt gehabt, aber durch Abschuss auf Eis gelegt.

    Natürlich hat die Türkei auch ihre eigenen Ziele, aber….ohne die RF, Iran und auch im Endeffekt mit Syrien ist nix und damit hat die weitere Entwicklung doch sehr interessante Potenzen.

    Hier auch schon richtig bemerkt hat China keinen kleinen Einfluss nicht nur imn Syrien sondern auch schon im längeren in der Türkei.

    Nicht umsonst spielt hier die Seidenstraße eine wichtige Rolle, die die Türken auch schon angemeldet haben.

    Also es bewegt sich etwas und zwar gegen Blödamis……

  7. ASSAD hat in seinem Kabinett Sunniten, Christen und Alawitten. Diese ethnische Gruppen haben auch Teil an politischen Prozessen. Aber schauen sie mal in die Türkei. Dort leben ca. 20 Mio. Aleviten. Wieviele sind im Kabinett? Keiner. Im politischen Prozess haben die Alevitten keinen Zugang. Also Herr Kasperle Ministerpräsident Binali wer muss mehr für die anderen tun??

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