Die Umweltorganisation QUERCOS fordert Staat und Zivilgesellschaft auf, mehr für die Prävention der alljährlichen Waldbrände zu tun. Im Juli brannte es öfter, aber dafür weniger Fläche als 2015. Warum beschweren sich die Umweltaktivisten dann? Weil mehr Brände weniger Prävention bedeuten. Für den August rechnet man weiterhin mit hohen Temperaturen, Trockenheit und starke Winde. Wenn nichts geschieht steht das Land bald wieder in Flammen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Das heiße, trockene und windige Wetter, ist die beste Voraussetzung für Waldbrände und so schnell wird sich daran auch nichts ändern. Bis Ende August läuft noch die Phase Charlie und mit dieser hat Portugal eigentlich eine ganze Reihe von Mechanismen, die eine erfolgreiche Brandbekämpfung ermöglichen soll und besser noch, die geschaffen wurden um Brände zu vermeiden. Tatsächlich war der Sommer bislang nicht so schlimm wie in den Jahren zuvor. Im Juli brannte nur halb so viel Fläche (5000 Hektar) wie 2015, aber die Anzahl der Brände nahm leicht zu. Das deutet auf eine verbesserte Brandbekämpfung hin aber im Gegensatz dazu zeigt es auch eine schlechtere Vorbeugung.

Nachdem am letzten Wochenende große Brände in Naturschutzgebieten wüteten, hat die Quercos nochmals mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass die Prävention seit Jahren stark vernachlässigt wird. Seit langem schon sind Landbesitzer verpflichtet, ihre Grundstücke „sauber“ zu halten. Das betrifft nicht nur Müll, sondern auch trockenes Laub, Gras, Äste oder Gestrüpp. Doch viele sind dazu nicht im Stande oder einfach nicht gewillt. Die Kontrollen sind lasch und eigentlich ist es auch mehr eine Form von Aktionismus. Augenwischerei, um von den wahren Problemen der Wälder abzulenken, die in ganz Südeuropa in etwa gleich sind. Brandstiftung, unzureichende Aufforstung, Pflanzung von Eukalyptus und nicht nachhaltige Forstwirtschaft generell sind das Problem. Mit einem Wort gesagt, ist es die GIER, die jedes Jahr tausende Hektar Wald in Asche verwandelt.

Es fehlt also nicht nur an Flugzeugen und Personal, die das Terrain beobachten und so Brände gar nicht erst groß werden lassen, sondern auch an entsprechender Polizeiarbeit. Sicherlich gibt es Brände, die von Pyromanen gelegt werden und die dabei keine Hintergedanken haben. Andere Brände entstehen aus grober Fahrlässigkeit, wie einer Zigarettenkippe, die beliebten Feuerwerksraketen oder einem Grillabend an verbotener Stelle. Doch die meisten sind einfach nur kriminellen Ursprungs, mit dem Hintergrund sich Anbaufläche für den lukrativen Eukalyptus, Kiefern oder Korkeichen zu schaffen, die Versicherung oder EU-Gelder zu kassieren, oder sogar – über Umwege und durch Bestechung – Bauland zu bekommen. Letzteres aber ist recht schwer, da es Gesetze dagegen gibt und auch der Versicherungsbetrug ist nur äußerst schwer durchführbar.

Ein Gesetz aber, dass die ehemalige Agrarministerin der konservativ-bürgerlichen Ex-Regierung und jetzige Vorsitzende der Oppositionspartei CDS, Assunção Cristas, während ihrer Mandatszeit gekippt hat, sorgt dafür das es sich wieder lohnt seinen Wald anzuzünden. Das Anpflanzen von Eukalyptus wurde wieder erlaubt und die stark umweltschädliche Papierindustrie freut sich. Der schnell wachsende Rohstoff scheint ja auch ideal zur Herstellung von Papier zu sein. Aber der aus Australien stammende Baum, dessen Rinde mit dem bekannten Öl gespickt ist, brennt wie Zunder. Mehr noch. Die Samen des Eukalyptus brauchen die Hitze eines Feuers um aufzugehen und während die Rinde und alle anderen Pflanzen ringsum verbrennen, ist der Kern des Eukalyptus geschützt und nach drei Tagen sprießt auch schon frisches Grün in Mitten der Asche.

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Der Baum sorgt also selbst für eine Monokultur und seine tief reichenden Wurzeln gepaart mit seinem großem Wasserverbrauch lässt zusätzlich kaum andere Arten neben sich zu, da er den Grundwasserspiegel absenkt. Ja, die Regierung Costa hat viele Probleme aber auch hier muss etwas getan werden, möchte man nicht in naher Zukunft aus dem „Garten der am Ufer des Meeres gepflanzt wurde“, wie Portugal auch genannt wird, eine Ausdehnung der Sahara machen. Hier sollte die Quercos vielleicht auch mal deutlicher aussprechen worum es geht. Denn unsere Kinder wollen auch noch eine lebenswerte (Um)Welt.

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