Gröhe will sorgfältigen Umgang mit Antibiotika fördern

Der oftmals unsachgemäße Umgang mit Antibiotika stößt bei Gesundheitsminister Gröhe auf Unmut. Ein neues Gesetz soll hier "den zielgenauen Einsatz mit Antibiotika fördern" und die Überversorgung "einzudämmen".

Von Redaktion/dts

Die Bundesregierung will die leichtfertige Verschreibung von Antibiotika in Deutschland eindämmen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, er wolle "den zielgenauen Einsatz mit Antibiotika fördern" und zu diesem Zweck die Regelungen zur Erstattung von diagnostischen Verfahren verbessern. Der Minister hat dies bereits in einem neuen Gesetz zur Arzneimittelversorgung berücksichtigt, das gerade innerhalb der Bundesregierung abgestimmt wird und demnächst vom Kabinett beschlossen werden soll.

"Ärztinnen und Ärzten sollen so in die Lage versetzt werden, schnell und qualitätsgesichert in der Praxis festzustellen, welche Behandlung für den Patienten die richtige ist", sagte Gröhe. Der sorgfältige Umgang mit Antibiotika ist heute nicht die Regel, das hat eine Auswertung der Abrechnungsdaten von rund sieben Millionen BKK-Versicherten aus 13 Bundesländern gezeigt. Über die Auswertung hatten die Funke-Zeitungen berichtet.

Demnach bekamen 1,7 Millionen Menschen, ein Viertel aller BKK-Versicherten, binnen eineinhalb Jahren Antibiotika verschrieben. 1,3 Millionen Rezepte fußten allerdings auf Erkrankungen, gegen die Antibiotika in aller Regel nichts ausrichten können. "Es wird falsch verordnet – so falsch, dass die Gesundheit von Patienten gefährdet wird", kritisierte Dirk-Janssen, Vizevorstandschef der BKK Nordwest. Der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, sprach von "besorgniserregenden Befunden". "Wenn sich das so bestätigt, gibt es Handlungsbedarf", sagte Lauterbach den Funke-Zeitungen. Die Verordnungsflut müsse gestoppt werden. "Es geht darum, die Antibiotikaüberversorgung einzudämmen."

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7 Kommentare

  1. Zu spät. falsche Richtung, kene Ahnung.

    Ärzte sind es am allerwenigsten, die  für die Entstehung von superresistenten Bakterien verantwortlich sind.

    Bei uns sind es die Viehzüchter, die noch immer, weitgehend unkontrolliert, tonnenweise Antibiotika ins Futter kippen – in anderen Ländern ist es die freie Zugänglichkeit.

    Ich habe z.B. viele vorderorientalische Fernfahrer kennengelernt, die Antibiotika fraßen wie Bonbons, als Vorbeugung, damit sie auch vor den schmierigsten Nutten keine Angst haben müssen.

    Das sind die reinsten Brutreaktoren zur Zucht von Resistenzen.

    Inzwischen sterben allein in deutschen Krankenhäusern Jahr für Jahr mindestens 15.000 Patienten (fünf Jahre alte Statistik) an Infektionen mit Superkeimen.

    Die Politik aber schweigt, weil DIESE Kranken ein Super-Geschäftsfeld für die Pharmazie sind, denn sie werden vor ihrem Ableben – verständlicherweise, weil die Krankenhausärzte  um deren Leben kämpfen – mit allem teuren Zeug vollgestopft, was die Apotheke nur hergibt.

    GÄBE es ein Antibiotikum, welches mit den Superresistenzen fertig wird (Es gibt keines), müsste seine mißbräuchliche Verwendung mit drakonischen Strafen geahndet werden.

    Es besteht aber keine Aussicht, dass unsere Poltik die Mittel oder den Willen aufbringt, den gegenwärtigen Krankenhaus-Holocaust zu beenden.

    1. "Gäbe es ein Antibiotikum…"  Es gibt sie, nicht nur eines. Das Problem mit den sog. multiresistenten Keimen ist kein weltweites auch kein europaweites Problem. Hier bei uns ( in der BRD) hat es sich manifestieren können, da außer politisch geräuschvollen Reden nichts wesentliches geschieht. Käufliche Experten haben das problem jahrelang verharmlost, stattdessen mit neuen Anitbiotikakombinationen weiteren und steigenden Umsatz geriert.  —  Es gibt kleine Kliniken (zumeist Privatkl.), die schon seit den 90er Jahren bei der Krankenhaushygiene die chemischen Mittel weglassen, stattdessen z.B. Wasserstoffperoxid einsetzen, das auch in der Lebensmittelindustrie Anwendung findet. Patienten werden mit alternativen antibiotischen Mitteln behandelt, von denen die Öffentlichkeit wenig bis nichts erfährt (sonst steht die Pharmalobby auf der Matte).

  2. In der Vergangenheit haben wir oft von multiresistenten Keimen gehört, vom fahrlässigen Umgang mit Antibiotika. Die Lippenbekenntnisse und evtl. neuen Verordnungen und Gesetze werden an der bestehenden (fatalen) Situation jedoch wenig bis nichts ändern. "Ärzte sollen in die Lage versetzt werden, schnell und "qualitätsgesichert" festzustellen, welche Behandlung für den Patienten die richtige ist".  —  Leere Worte aus dem Munde eines Berufspolitikers, dem es an Kompetenz mangelt. Die Prioritäten im Praxisalltag werden weiterhin die "schnelle Versorgung " und die (mangels Diagnosemöglichkeiten) falsch verordneten Antibiotika sein. Einem Patienten mit einer Infektionskrankheit wird doch im Regelfall Antibiotika verordnet, bevor eine Diagnose feststeht , denn bei der Vielzahl an möglichen bakteriellen- und  Virusinfektionen ist die Diagnose bei Erstbesuch kaum möglich. Bereits eine kurzfristige Einnahme von Antibiotika verändert die Zusammensetzung des Mikrobioms und läßt Resistenzen entstehen. Bei Bakterien folgen Generationen im Minuten(Stunden)takt, die Evulotion läuft sehr rasch ab. Die Keime passen sich sehr schnell an veränderte Umweltbedingungen an, hinzu kommt noch, das sie Gene von anderen Bakterien aufnehmen. Bei diesem Gentransfer werden Resistenzen weitergegeben. Die längere Einnahme läßt zudem ein Ungleichgewicht von nützlichen hin zu pathogenen Keimen entstehen, das zu kompensieren der Körper lange (Monate) benötigt. Die größte Gefahr sehe ich bei langfristiger Einnahme in einem Entstehen von Mikrorissen in der Darmschleimhaut, die es Bakterien möglich machen, in den Blutkreislauf zu gelangen.  —  Es gibt zahlreiche natürliche Mittel, die wesentlich wirksamer sind und, weil selektiv wirkend, jedem chemischen Mittel vorzuziehen sind. Herr Grohe, da sollten Sie (gegen den widerstand der Pharmalobby) ansetzen, wenn Sie etwas gegen "Antibiotika-Mißbrauch" tun wollen.

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