Berichte über die Lage in Russland, China, Lateinamerika oder Afrika sind stets voll von persönlichen Wertungen aus der überheblichen Sicht der Journalisten vor Ort. Mit der Realität haben diese aber recht wenig zu tun.

Von Marco Maier

Wenn deutsche Journalisten aus anderen Ländern berichten, darf inzwischen die kulturimperialistische Moralkeule nicht fehlen. Es geht längst nicht mehr darum, ein wertfreies Bild von der Lage vor Ort zu zeichnen, sondern vielmehr darum, in Herrenmenschenart zu kritisieren, moralisieren und zu belehren. Der westlich-europäische Wertemaßstab ist jener, der hierbei stets zur Anwendung kommt. Ein Maßstab, der bei Inlandsberichten oder zumindest bei jenen aus dem westeuropäischen oder nordamerikanischen Raum angebracht sein mag, nicht jedoch dann, wenn man aus völlig anderen Kulturkreisen berichtet.

Hier auf den Philippinen beispielsweise leben immer noch Millionen Menschen in Armut. So manche Familie muss mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 10.000 Peso (rund 200 Euro) auskommen. Das sind weniger als 7 Euro pro Tag für teils 5 Mäuler und mehr. Dennoch sagen sie selbst: "Es geht uns heute besser als unserer Elterngeneration". Immerhin ist die Kaufkraft auf den Philippinen etwa 1,7-mal so hoch wie in den USA und etwa 1,9-mal so hoch wie in Deutschland. Doch auch wenn diese Menschen weniger Geld zur Verfügung haben als der Durchschnittsdeutsche, so sind sie oftmals deutlich glücklicher als jene im "ach so wohlhabenden" Deutschland.

Selbst der Müllsammler der jeden Tag um die Häuser zieht und verwertbare Reste sammelt, um seine vielleicht 50 bis 100 Peso am Tag zu verdienen, indem er diese an "Junk Shops" verkauft um seinen Reis zu kaufen, kommt durch. Sonst gibt es eben mehr Früchte, die ohnehin das ganze Jahr über an jeder Ecke wachsen. Und auch die Eltern die heute in den 30ern und 40ern sind sagen, dass es ihren Kindern heute deutlich besser geht als sie es damals hatten.

Klar, viele der Häuser und Hütten mögen für den Durchschnittsdeutschen als "Bruchbuden" gelten. Doch eine trockene Unterkunft ist in der Regensaison Gold wert, Heizung braucht man keine und eine Klimaanlage ist bei der richtigen Bauweise auch unnötig. Leben die vielen Deutschen in ihren anonymen "Wohnsilos" tatsächlich um so viel besser? Vor allem: Diese Häuschen und Hütten mögen primitiv erscheinen, doch elektischen Strom und fließendes Wasser hat zumindest in den Städten auch fast jeder. Vor 20-30 Jahren sah das noch völlig anders aus.

Und dann gibt es noch den belehrenden Kulturimperialismus. Wenn Russland mehr Wert auf Jugendschutzgesetze legt, gilt dies als "Homophobie". Doch dass gerade im christlich-orthodoxen Bereich die religiösen Werte noch mehr Bedeutung haben als im säkularen (katholischen und protestantischen) Westen, kommt hierbei niemandem in den Sinn. Auch der Umstand, dass die von Journalisten kritisierten Gesetze bei der Mehrheit der Bevölkerung auf Zustimmung stoßen, interessiert hierbei nicht. Wie soll man es denn den Menschen in Deutschland erklären, dass es tatsächlich noch Politiker gibt, die ihre Gesetzgebung entsprechend dem Mehrheitswillen der Bevölkerung ausrichten?

Und dann gibt es noch China. Wo es nur möglich ist, wird auf den repressiven Charakter der herrschenden Politik hingewiesen. Einfach so in die Städte umziehen (Landflucht), ist nicht so einfach. Auf den ersten Blick mag das Hukou-System repressiv wirken, doch die chinesische Regierung kann auch nicht tatenlos zusehen, wie zig Millionen Menschen vom Land in die Städte strömen, wenn es dort nicht die entsprechende Infrastruktur gibt. Zudem sorgt der Geldfluss der Kinder in den Städten, dass die Eltern auf dem Land ein besseres Haus haben können und nicht mehr hungern müssen, wie es vor Jahrzehnten noch der Fall war.

Klar, die Lebensumstände in manchen Ländern sind aus der Sicht eines Mittel- oder Nordeuropäers teils erschreckend oder zumindest bedauernswert. Doch man sollte hierbei nicht vergessen, dass sich in den meisten dieser Länder die Lebensumstände in den letzten 20-30 Jahren deutlich verbessert haben. Umstände, die man seitens der deutschen Journalisten geflissentlich ignoriert, weil sie nicht ins Bild passen.

So geht der heutige Auslandsjournalismus. Leider. Denn die Menschen bekommen nicht das tatsächliche Bild der Lebensumstände in anderen Ländern vermittelt, sondern lediglich die Wertung der Korrespondenten und Journalisten durch deren eigenen Wertefilter. Die heutige Herrenmenschenmentalität ist eben linksgrün.

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2 COMMENTS

  1. Ein wirklich guter Artikel. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das die Lebensqualität keineswegs von der Höhe des Einkommens alleine abhängt. Ich finde sogar das das ständige Streben nach Besitztum die Lebensqualität massiv einschränken kann bis hin zu physisch/psychischen Erkrankungen wie Depressionen und so weiter. Bevor man also über Menschen in anderen Ländern urteilt, sollte man sie vielleicht mal besuchen, es wäre nicht das erste mal das sich Menschen nach so einem Besuch dazu entscheiden die Komfortzone "GerMoney" für immer zu verlassen.

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