Schäm’ dich Schäuble! Portugal braucht kein Rettungsprogramm

Wolfgang Schäuble lässt doch keine Gelegenheit aus, sein Gift im Namen der neoliberalen Finanzoligarchie zu versprühen. Jetzt hat er bei einer Konferenz in Berlin, angeblich um von den Problemen der Deutschen Bank abzulenken, Portugal in Verbindung mit einem zweitem Rettungspaket gebracht. Auch nachdem er auf Nachfrage eines Journalisten seine Aussage relativiert hat, bleibt ein extrem fader Nachgeschmack.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Das Wolfgang Schäuble ein unsympathischer Zeitgenosse ist, dürfte den meisten Menschen inzwischen klar sein. In Südeuropa sollte der Deutsche jedenfalls nicht Urlaub machen. Der als „Schwarze Null“ bekannte deutsche Finanzminister hat öffentlich behauptet, dass Portugal ein zweites Hilfsprogramm braucht, dieses auch bekommt und im Gegenzug „heftige Maßnahmen“ anwenden müsse. Später nahm er diese Aussage teilweise zurück. Doch der Schaden ist schon angerichtet. „Portugal macht einen schweren Fehler, wenn sie sich nicht an das halten äh wozu sie sich verpflichtet haben. Sie werden ein neues Programm beantragen müssen. Das werden sie bekommen, aber die Auflagen werden heftig sein.“ Diese Worte sind ausreichend um die portugiesische Wirtschaft zu destabilisieren. Doch der verbale Brandstifter goss noch etwas mehr verbales Benzin ins Feuer.

„… und es ist nicht im Portugiesischem Interesse. Sie könnten es mit einer vernünftigen Politik fortsetzen… und es ist nicht das Problem, dass die Renten zu gering sind. Sie müssen stärker … äh, Wachstum. Ich werde dafür werben, dann muss man den jungen Leuten eben sagen, dann geht für ein paar Jahre in andere Länder. Nutzt mehr Mobilität. Das weil die Jugendarbeitslosigkeit – die find' ich unerträglich. Aber das Andere – Sozialleistungen können am Ende in Ländern auch nur so hoch sein, wie sie der wirtschaftlichen Leistungskraft in diesen Ländern entspricht. Sie werden keine Bevölkerung finden, die auf Dauer bereit isch Sozialleisch… dauerhaft Sozialleistungen in anderen europäischen Ländern zu finanzieren, wenn dort nicht eigene Anstrengungen sind." Der schwäbische Troll tritt nicht nur die Grammatik mit den Füssen, sondern stellt hier Behauptungen auf und macht „Vorschläge“, die fast jeden Portugiesen zur Weißglut bringen.

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Pfui, Schäuble! Schäm dich, so einen gehässigen Müll abzulassen! Das Worte, besonders die, die von so Einflussreichen Leuten wie dem deutschen Finanzminister zum besten gegeben werden, die Märkte leicht in Brand setzen, ist dem egozentrischem Politiker wohl bekannt. Ein Sprecher des Finanzministeriums relativierte Schäubles Wortwahl und meinte seine Worte wären falsch ausgelegt worden. „Portugal würde einen großen Fehler begehen, wenn sie sich nicht an die Kompromisse halten zu denen sie sich verpflichtet haben. In dem Fall müsste Portugal ein neues Rettungspaket beantragen. Die Portugiesen wollen kein neues Programm und sie brauchen auch keins wenn sie sich an die europäischen Regeln hallten.“

Also mal ehrlich. Das soll also die Worte von Wolfgang S., dem Chef der Panzerknackerbande, relativieren? Herr Anwalt, ihr Klient hat sich der virtuellen Brandstiftung schuldig gemacht und die Anklage hat immer mehr Nebenkläger, die teilweise von unerwarteter Stelle kommen. So haben nicht nur die Vorsitzenden der Kommunisten, Grünen, Sozialliberalen und Sozialisten gegen diese Aussage protestiert, sondern auch die jetzt in der Opposition sitzenden konservativ-bürgerlichen Parteien, PSD und CDS kritisierten Schäubles Fauxpas. Wenn schon seine langjährigen Handlanger in Portugal sauer sind, dann muss es wirklich schlimm sein. Präsident Marcelo Rebelo de Sousa meinte ganz diplomatisch, dass sich der Deutsche im Ton vergriffen hätte und Premierminister Costa bekräftigte sein Unverständnis gegenüber solcher Aussagen. Denn Finanzminister Mario Centeno stellte nochmal klar, dass Portugal nicht ein weiteres Hilfspaket benötigt. Portugals Wirtschaft und Haushaltsführung sind – diesmal wirklich – auf einem guten Weg.

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Nun fehlt noch ein paar Aussagen genauer zu betrachten. Die Renten in Portugal sind teilweise auf einem Niveau von 200 Euro und wenn die Linksregierung sich bemüht diese Niedrigrenten aufzuwerten, dann fließt jeder Euro davon zurück in die Binnenwirtschaft. Wichtiger als das aber ist der humane Faktor. Wer ein Leben lang hart gearbeitet hat, oftmals für einen Chef, der die Rentenbeiträge in die eigene Tasche steckte, hat mehr verdient als im Alter noch Medikamente erbetteln zu müssen und sich nur von Billigessen mehr schlecht als recht zu ernähren. Aber Menschlichkeit kann auch nur von Menschen erwartet werden, was auf Schäuble wohl kaum zutrifft. Was Wirtschaftswachstum und Sozialleistungen betrifft, sollte sich Schäuble mal die Wirtschaftsdaten ansehen, bevor er so einen Stuss von sich gibt.

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Aber die „schönste“ Aussage war ja über die Jugendarbeitslosigkeit. Die sollen also im Ausland in Glück suchen. Aha, also der portugiesische Staat bezahlt die Ausbildung – mit Ausnahme der Troikajahre machte der Staat dahingehend auch einen guten Job – und dann sollen sie mit ihrem Fachwissen für – unter anderem – deutsche Unternehmer Gewinne erwirtschaften. Dabei arbeiten europäische Facharbeiter in Deutschland nicht unbedingt für weniger Lohn wie ihre deutschen Kollegen. Aber Deutschland vernachlässigt das eigene Bildungssystem ja schon lange. Ich weiß, Herr Schäuble, wie sehr sie sich eine „Versorgungsregion“ in Südeuropa und eine Verteidigungszone im Norden und Osten wünschen. Aber so sehr sie auch ihr Gift versprühen mögen, Portugal gibt derzeit ein Beispiel für Demokratie und eine bürgerfreundliche Politik. Schäubles Albtraum ist unser Traum hier im Südwesten Europas. Den lassen sich die Portugiesen nicht nehmen. Pfui Schäuble!

https://www.youtube.com/watch?v=MLffeDVwBhE

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6 Kommentare

  1. Portugal benötigt wie alle europäischen Länder nur eine Sache. Nämlich die Befreiung aus dem Moloch namens EU, die keiner will und durch und durch undemokratisch und diktatorisch agiert, trotz ihrer aufgesetzten pseudodemokratischen Maske, die Juncker neulich abgenommen hat!

  2. Schon traurig, dass sich die Sachen in EU-Europa so entwickelt haben, dass solch eine überhebliche Behandlung eines Mitgliedsstaats seitens von einem "Roboter" möglich ist.

  3. Es gibt Badische und Unsymbadische: Schäuble, im Jahr 1942 im badischen Freiburg geborene und von Anfang an danebengeratene Politker ist auf diese Kategorien bezogen der ABSOLUT UNSYMPATHISCHE. Aber er paßt in dieses unsere Land, welches nicht zuletzt medial bedingt politische Protagonisten wie Merkel und Schäuble hochkommen läßt.  Es ist unglaublich, was der sich schon alles geleistet hat. Genausowenig hält man es für möglich, was dieses Land sich leistet: Einen Politiker, den man aus den verschiedensten Gründen, ja selbst seiner Phänomenologie halber schon im letzten Jahrtausend ins Altenteil hätte abservieren müssen.

  4. Unglaublich, irgenwelcher land in eu muss immer schulden machen sonst funktuniert die eu nicht, zuerst war griechenland jetzt portugal, nur die deutschen sollen keine schulden machen das ist schäubles gedanke

  5. Schäuble ist ein "unsympathischer Zeitgenosse"?

     

    Also da muß ich heftigst widersprechen. Schäuble ist nichts anderes als ein kranker bemitleidenswerter  krimineller Soziopath. Typen wie er gehören weggesperrt.

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