In der Türkei wird derzeit gegen den NATO-Stützpunkt in Incirlik protestiert. Die Demonstranten fordern, dass sowohl die US-Streitkräfte als auch der NATO-Stützpunkt verschwinden sollen. Zudem stellte es sich heraus, dass NATO-Aufklärungsflugzeuge in den Abschuss der russischen Su-24 verwickelt waren.

Von Christian Saarländer

Zahlreiche Demonstranten protestierten in der Türkei gegen die NATO-Basis in Incirklik, in der auch Bundeswehrsoldaten stationiert sind, nachdem Militärs versuchten einen Militärputsch durchzuführen. Ein Video von der iranischen Nachrichtenagentur PressTV zeigt die Vorgänge am Ort des Geschehens.

Der deutsche Publizist und Ex-Vizepräsident der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Willy Wimmer, geht davon aus, dass NATO-Aufklärer vom Typ AWACS am Abschuss der russischen Su-24 beteiligt gewesen sind. Dies sagte Wimmer in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Sputnik.

Loading...

Es ist schon auffallend wie sehr die türkische Regierung unter Präsident Recep Erdoğan in den westlichen Leitmedien kritisiert wird, nachdem dieser einen Militärputsch im Land niederschlagen ließ und nun mit harter Hand gegen Regierungsgegner durchgreift. Zuvor wurde die Türkei immer gerne in Schutz genommen und auch den  Abschuss der Su-24 im vergangenen November wollte man in den westlichen Medien (insbesondere in der „Bild“) dilettantisch als einen Angriff Russlands werten.

Der Militärputsch vor zwei Wochen steht im zeitlichen Zusammenhang mit dem neuen Kurs in der türkischen Außenpolitik. Man wollte einerseits die Eiszeit mit Russland brechen, die seit dem Abschuss des Kampfjets andauerte, anderseits schlug die Türkei einen freundlicheren Kurs mit seinen Nachbarstaaten Iran und Syrien ein. Medienberichten zufolge wurden auch die Pilotenmörder verhaftet. Außerdem wurden über 1.600 Offiziere entlassen und 99 neue Obristen ernannt, berichtet RIA Novosti.

Derweil verdeutlicht sich immer mehr der devote NATO-Kurs der westlichen Leitjournaille, der sich seit mehreren Jahren in Europa abzeichnete. Auf einmal wird die Zerschlagung eines Militärputsches in einem NATO-Staat kritisiert und über Nacht ist auf einmal die Türkei zu einer Diktatur geworden. Die Tatsache, dass die NATO keine Verteidigungsallianz mehr ist, sondern immer mehr zu einem transatlantischen Politbündnis mutierte, sehen wir unter anderem auch in den ehemaligen jugoslawischen Staaten.

Wenn ihnen dieser Artikel gefallen hat, können sie uns mit einer Spende (hier) unterstützen. Es besteht auch die Möglichkeit das neue ePaper oder ein eBook im Shop (hier) käuflich zu erwerben

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

13 thoughts on “Proteste in der Türkei: Die NATO soll nach dem Putschversuch ihre Basis schließen”

      1. Der muss bereits eine Hirnblutung gehabt haben. Er führt Krieg gegen Teile seines eigenen Volkes, kauft  (bzw. sein Sohn) das von IS geplünderte Öl, beliefert die IS mit Waffen und schlägt jetzt einen "freundschaftlicheren Kurs" gegenüber dem geschundenen  Syrien ein. Erdogan wendet sich politisch jetzt auch gegen USA und Nato, er probt den Aufstand. —   Die Welt hat schon viele Psychopathen in Führungspositionen gesehen und kaum einer ist ohne ein Inferno abgegangen. Bleibt zu hoffen, wenigstens das türkische Volk übersteht ihn unbeschadet.

  1. Erdogan hat im letzten Augenblick die Augen geöffnet, weil er bereis selbst auf der Abschussliste gleich Assad gestande ist. Wie schell da einer als Tyrann gelten kann und eliminiert wird, zeigte die analoge Reihe von Hussein bis Gadaffi.

    Russland hatte Erdogan davor rechtzeitig gewarnt. Was bei  einem solcheen Putscfh die Folgen sind, zeigt die Zerstörung  an Syrien.

    Für diesen Putsch sind ebenfalls amerikanische Dollars geflossen, wie auch in der Ukraine.

  2. Mal sehen, wie lange er noch das Sagen hat. Diese Nahtstelle zwischen Ost und West ist einfach gefährlich und wer da noch einen auf strammen Max macht könnte mittelfristig zu den Verlierern zählen es sei denn er kann es mit beiden Blöcken aufnehmen, was eher unwahrscheinlich ist.

    1. Diese sogenannten demonstrationen sind in jedem Fall vom grossen Führer selbst inszeniert und in gang gesetzt.

      Dieser'' verhinderte Hitler'' spielt ein gefährliches Spiel.

      Wenn Europa den Handel einstellen würde..würden in der Türkei die Eselskarren als Transportmittel zunehmen.

      Doch Europa scheint weich&schwach dieser Tage..so könnte der Schatten vom Bosporus Europa in naher Zukunft sehr unangenehm berühren.

      Diktatoren nutzen die Schwäche anderer erbarmungslos aus.

      Deutschland aka Merkel..dürfte der erste fallende Dominostein sein.

      Der Daumen der Zukunft zeigt nach unten für Europa.

      Die Auftritte in Köln diesen Sonntag könnten erste Aufschlüsse liefern.

  3. Dem Erdogan muss wohl die Erleuchtung gekommen sein, dass er Osmane ist und die Türkei nicht zu Europa, sondern zu Asien gehört. Und das die Amis die asiatischen Staaten Irak, Syrien, Jemen, Afghanistan und Teile Pakistans fleißig mit ihren Bomben zerstören lassen.

    Der Kemalismus hat sich wohl nicht ganz bewährt und ist in die Jahre gekommen. Deshalb jetzt Back to the Roots, dem Orientalismus. – Mal sehen, was der westliche Faschismus darauf für Antwort hat.

     
     

  4. Nur der erste Schritt? Wenden sich die Türken Schriett für Schritt vom feigen Westen und seiner Kriegshetze ab?

    Nach dem misslungenen Putsch gegen Erdogan, bei dem die türkische Öffentlichkeit, und nicht nur die, davon ausgeht, dass sie von den USA und westlichen Schleimbeutelregierungen der USA inszeniert wurde, um Erdogan zu ermorden, hat sich die Türkei im Syrien-Konflikt auf die Seite Russlands geschlagen. Putin soll Erdogan unmittelbar vor dem Putsch gewarnt haben. Die folgenden Entlassungen der türkischen Regierung in Bereichen der Armee und im Sicherheitsapparat sorgen nun entsprechend für Nervosität bei den US-Geheimdiensten: Offenbar verlieren die CIA und die anderen westlichen Schnüffeldienste wichtige Informanten, weil der türkische Präsident Erdogan diese Personen verdächtigt, am Putschversuch gegen ihn beteiligt gewesen zu sein. Erdogan selbst hat sich überraschend mit Russland und Israel ausgesöhnt.

    Die Regierung in Ankara hat den Grenzübergang Bab al-Hawa nach dem Putschversuch am 15. Juli schließen lassen, die von Mitgliedern der Freien Syrischen Armee (FSA) genutzt wurde, um von der Türkei aus nach Syrien einzureisen. Die bis dahin unterstützten Söldner haben nun so gut wie keine Chance mehr gegen Präsident Assad vorzugehen.

    Die UN unterstützt die Initiative Russlands und hat ihre Mitwirkung angeboten.

    US-Präsident Obama bleibt nichts anderes mehr übrig, als gute Miene zu dem „Spiel“ zu machen und zähneknirschend mit Präsident Putin in Syrien zu kooperieren. Dumm gelaufen für den amerikanischen Kriegshäuptling!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.