Tsipras, Juncker, Hollande und Michel beim Euro-Gipfel in Brüssel am 12. Juli 2015. Bild: © Europäische Union, 2015

In seinem Buch "Willkommen im vergifteten Kelch" schreibt Ökonomieprozessor James Galbraith, was er unter dem Auftrag vom damaligen Finanzminister Varoufakis in Griechenland erlebte – und warum Tsipras und die Syriza schlussendlich kapitulierten.

Von Marco Maier

Im Januar 2015 erhielt der US-amerikanische Ökonomieprofessor James Galbraith eine E-Mail seines Ex-Kollegen Janis Varoufakis. Darin stand: "Komm, so schnell du kannst." Nur rund zwei Wochen später landete er in Athen, wurde von Varoufakis mit den Worten "Willkommen im vergifteten Kelch" begrüßt und erhielt vom griechischen Finanzminister einen explosiven Auftrag: Einen alternativen Plan zu erstellen der auf der Frage "Was, wenn Griechenland aus dem Euro austreten würde?" basiert.

Grund dafür war die Regierungsübernahme der Syriza, die jedoch unter enormem Druck stand, weil mehrere Kredite ausliefen und das Land ohne auch nur einen Euro an Reserven dastand. Man hoffte in Athen damals auf eine Kursänderung der Eurozone, weil man sich mit den eigenen Positionen im Recht sah. Immerhin hatten die "Retter" 300 Milliarden Euro locker gemacht und dem Land mit den oktroyierten Austeritätsmaßnahmen einen Wirtschaftszusammenbruch von rund einem Viertel des BIP beschert. Und das Geld? Das floss zu 95 Prozent ohnehin nur in die Kassen der (v.A. französischen und deutschen) Banken, die sich mit den griechischen Anleihen verspekuliert hatten.

Also forderten Tsipras, Varoufakis & Co einen umfassenden Schuldenschnitt und Investitionen, um Griechenland so wieder eine Option für Wachstum zu bieten. Doch stattdessen forderten die EU-Politiker noch mehr Sparprogramme von Athen ein. Kein Wunder also, dass Galbraith im Auftrag von Varoufakis im Geheimen mit einem kleinen Team einen Alternativplan ausarbeitete. Doch dieser hatte es in sich:

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Ganze sechs Wochen lang arbeiteten die Ökonomen am Szenario mit dem Namen "Plan X". Das Resultat: Um einen Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion umsetzen zu können, hätte Griechenland in eine Diktatur umfunktioniert werden müssen. Denn dann hätte Premierminister Tsipras am Abend eine entsprechende Rede gehalten, während dann über Nacht in einem Streich eine Reihe von Aktionen hätten geschehen müssen. Darunter eine sofortige Verstaatlichung aller Privatbanken, alle Konten hätten auf eine neue Währung (die "Neo-Drachme") umgeschrieben werden müssen. An den Grenzen hätte es dann strikte Kapitalkontrollen gegeben, während alle Geldautomaten ausgeschaltet werden. Um Plünderungen vorzubeugen, wäre die Armee mobilisiert worden, dazu wäre ein Zwangsdienst von allen Polizisten, Lehrern und anderen Beamten als Helfern gekommen. In weiterer Folge hätte Griechenland fast alles rationieren müssen: Nahrungsmittel, Benzin, Energie, Medizin und dergleichen. Dann würde alles mit improvisierten Schuldscheinen bezahlt und mittels einer Kette aus Notstandsgesetzen durch das Parlament abgesegnet. Und zu guter letzt wäre die einseitig erklärte komplette Streichung der Staatsschulden zu erklären gewesen.

Angesichts dieser notwendigen Maßnahmen wird deutlich, warum Tsipras schlussendlich doch noch einknickte und in vielen Bereichen auf die Forderungen der Troika bzw. Quadriga einging. Inzwischen ist Griechenland faktisch nur noch eine Kolonie der restlichen Eurozone, bzw. deren Regierungen. Alleine schon die derzeit schon sichtbaren Auswirkungen dieser Kapitulation wie reihenweise Konkurse, Massenstreiks, rigorose Privatisierungsmaßnahmen, Hungertote, unzählige Unbehandelte die sich keinen Arzt leisten können und dergleichen lässt die Frage offen, ob es für die Griechen nicht besser gewesen wäre, den "Plan X" durchzuziehen. Die ersten paar Monate wären vielleicht schlimm gewesen, doch dann wäre zumindest schrittweise wieder Normalität eingekehrt und Griechenland hätte zumindest die Chance auf eine wirtschaftliche und finanzielle Erholung.

Das Buch, welches kürzlich in englischer Sprache erschien, gibt es unter anderem hier zu kaufen. Der Autor schrieb unter anderem auch das Buch "Wachstum neu denken – Was die Wirtschafts aus den Krisen lernen muss".

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5 KOMMENTARE

  1. Tsipras kapitulierte keineswegs, vielmehr ist ihm über us-raelische Vermittlungsquellen alles in den Hintern geschoben worden. Siehe den Meinubgsumschwung Schäuble/Merkel.

  2. – Um einen Austritt Griechenland aus der 'EU' umsetzen zu können, hätte Griechenland

       in eine Diktatur umfunktioniert werden müssen – ????

    Ein großer Irrtum !

    Scheitert das EUROsions-System – scheitert die 'EU' Diktatur!

     

  3. Es wären kurze Maßnahmen nötig gewesen die zu einer Diktatur passen, auf dauer wäre es aber wohl weniger Diktatur gewesen als nun real vorhanden.

    • Nun ja da haben wir Deutschen es besser.Wir haben eine Parteien Diktatur.

      Bei allen wichtigen Entscheidungen haben wir nichts mitzubestimmen,es wird über den

      Köpfen der Bürger entschieden. Wahlen werden nur abgehalten um den Leuten das Gefühl zu geben mitbestimmen zu können.eispiel gibts genug

      Euroeinführung

      Bundeswehreinsätze

      Fräcking

      Einwanderungvon Illegalen

      Integrationsgesetz

      usw.usw.

      Wahlen könnt ihr euch in der BRD Staatssimulation schenken.

      Es gibt noch nicht einmal ein gültiges Wahlgesetz seit 1956

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