Griechenlands China-Deal: Wird der Piräus-Hafen die Seidenstraßen-Endstation?

Für die Einen ist der Verkauf des Hafens von Piräus an die Chinesen nur ein weiterer Ausverkauf der Infrastruktur, für die Anderen ein strategischer Schachzug Athens und Pekings. Die Kooperation Griechenlands mit China dürfte sich bezahlt machen.

Von Marco Maier

Es ist allseits bekannt, dass China an der "Neuen Seidenstraße" arbeitet, die das Reich der Mitte nicht nur mit den west- und zentralasiatischen Ländern, sondern auch mit Europa verbinden soll und Teil der chinesischen Wirtschaftspolitik darstellt. Ein Knotenpunkt hierbei dürfte der Hafen von Piräus darstellen, den die Chinesen im Zuge der Athen von den Kreditgebern aufgezwungenen Privatisierungsmaßnahmen kauften.

Denn mit dem Kauf des Überseehafens besitzen die Chinesen einen handelspolitisch strategisch wertvollen Punkt, der für den Handel mit dem europäischen Kontinent enorm wichtig ist. Griechenland könnte dadurch zu einem wichtigen Mitspieler im chinesisch-europäischen Handel werden, wodurch sich auch die Position Athens im Disput mit Brüssel und Berlin verbessert.

Pekings Investitionen in das Projekt "Neue Seidenstraße", welche langfristig wohl mehrere Milliarden Dollar umfassen werden, beinhalten auch den Aufbau und die Sanierung der Infrastrukturen in der Region. Für viele Länder sind die chinesischen Investitionen eine willkommene Alternative zu jenen der EU, zumal Peking im Gegensatz zu Brüssel keine politischen und wirtschaftspolitischen Forderungen damit verknüpft.

Bezüglich des Hafens von Piräus ergeben sich sowohl für die Griechen selbst, als auch für die Chinesen enorme Vorteile. Denn als einer der zukünftigen Hauptumschlagsplätze für chinesische Güter können von dort aus ganze Eisenbahnladungen voll weiter über den europäischen Kontinent verteilt werden. Aber auch maritime Lieferungen ins Schwarze Meer und den Mittelmeerraum selbst sind hierbei kein Problem.

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Die Chinesen sind ohnehin schon seit einigen Jahren in Piräus aktiv. Bereits im Jahr 2009 erhielt die "China Ocean Shipping Company" (COSCO) Konzessionen für Teile des Hafens und verfünffachte seitdem den Containerumschlag dort. Für die Nordseehäfen, wie jenem in Rotterdam, stellen dies natürlich erhebliche Einbußen dar. Zudem ist dies ein herber Schlag ins Gesicht der Berliner Politeliten, welche die massiven Privatisierungsmaßnahmen vor allem deshalb einforderten, weil sie den deutschen Konzernen ein paar Leckerbissen überreichen wollten – wie beispielsweise die Übernahme einiger Regionalflughäfen durch die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport.

Als Premierminister Tsipras zu Beginn dieser Woche nach Peking reiste, um weitere Kooperationen auszuverhandeln, muss den politischen Führern in Brüssel und Berlin die Galle übergelaufen sein. Denn während sie selbst nur Forderungen aufstellen und Griechenland ins Desaster zu stürzen versuchen, kommen chinesische Investoren nach Griechenland und verteilen fleißig Gelder. Selbst in die Bildung wird investiert, wie das Dreijahresprogramm zur Hightech-Fortbildung griechischer Studenten durch den Huawei-Konzern zeigt.

Die chinesischen Aktivitäten in Griechenland, am Westbalkan und in Osteuropa sorgen für verzweifelte Gegenmaßnahmen Berlins und Brüssels, die schon ihre Felle wegschwimmen sehen. Doch während der chinesische Ministerpräsident en Jiabao bereits 2012 insgesamt 10 Milliarden Dollar für die Region zusagte, kommen die Europäer mit läppischen 400 Millionen Euro an. Sollten auch noch die Russen mit Milliarden für Infrastrukturmaßnahmen und wirtschaftliche Investitionen winken, könnte die EU ziemlich schnell alt aussehen. Eine Eurasische Wirtschaftsunion, wie sie Moskau derzeit anstrebt, wäre dann eine deutlich lohnendere Perspektive für diese Länder, als eine abgehalfterte EU, die an ihrem Zentralisierungs- und Kontrollwahn zerbrechen wird.

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5 Kommentare

  1. Freut mich für die Griechen und für Europa.

    Der griechische Hafen Piräus bleibt sicher nicht die westlichste und einzige Investition in die  geplante Seidenstrasse durch Europa. Diese wird bis nach Lissabon Portugal durchgezogen. So ist der Plan, und bei allem, was beobachtend zu verfolgen ist, halten die Chinesen mit den Russen auch in dieser Hinsicht Wort. – und dies erst noch in bewundernswertem Tempo.

    Während der Westen seine Kräfte in selbst entfachten und unmenschlichen Kriegsschauplätzen vergeudet und über die Menschen unsägliches Leid bringt, bauen Russland und China am wirtschaftlichen Aufbau eines Eurasiens bis in die westlichsten Zipfel von Westeuropa. Und bei diesen Aktivitäten bekommen auch die Menschen ihre Chancen, sich in Form von Ausbildungen und neuen Arbeitsplätzen mit zu entwickeln. Da ist es nicht schwer zu entscheiden, auf welche Seite sich der Einzelne schlagen soll.

    1. Ich freu mich auch für die Griechen und für uns alle, denn die Denkweise der Chinesen begreift der Westen einfach nicht. Bei uns vergessen die Politiker immer, dass sie es hier mit einer Jahrtausende alten Kultur zu tun haben, welche langfristig denkt und auf ein Miteinander setzt und ein Gegeneinander für unnütze Zeitverschwendung hält.

      1. "welche langfristig denkt und auf ein Miteinander setzt und ein Gegeneinander für unnütze Zeitverschwendung hält."

        Au weia, das koennt glatt dem Ergebnis der Nachwehen eines Vollrausches entsprechen.  Glatt daneben.

        Chinaberuehrung aus dem Kinderbuch?

  2. Der wahre Grund für die andauernden Unruhen in der Europäischen Union, einschließlich des letzten Votums der Briten den Block zu verlassen, ist der Bankrott der EU. Wir wissen im Nachhinein, dass der Bankrott der Soviet-Union der wahre Grund für das Zerbrechen des Warschauer Paktes war, mit Polen als erstem Dominostein. Aus dem gleichen Grund können wir vorhersagen, dass England der erste Dominostein beim Einsturz der Europäischen Union ist. 

  3. das nenn ich eine ohrfeige, die so laut klatscht, das es diesen aasgeiern des eugeldgierkorruptionsraffvereins in brüssel die schuhe auszieht.

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