Eine Studie über die reale Einkommensentwicklung weltweit zeigt auf, wie sehr die globale obere Mittelschicht zu den Verlierern avancierte. Der Großteil von ihnen zählt zur Mittelschicht Europas und Nordamerikas.

Von Marco Maier

Bereits vor mehr als zwei Jahren hatte Branko Milanovic, der Chefökonom der Forschungsabteilung der Weltbank eine Studie veröffentlicht, in der die Auswirkungen der globalen wirtschaftlichen Vernetzung auf die weltweiten Realeinkommen zwischen 1988 und 2008 erläutert wurden.

Deutlich erkennbar ist hierbei, dass beispielsweise die Ärmsten auf dieser Welt nach wie vor keine positiven Auswirkungen in Sachen Realeinkommen verzeichnen können. Das sind immerhin rund 350 Millionen Menschen. Die Perzentile von 10 bis 70 Prozent, also vor allem die Menschen der aufstrebenden Entwicklungsländer und der Schwellenländer, konnten hingegen ein reales Einkommenswachstum von etwa 40 bis 80 Prozent vorweisen.

Doch dann kommt der große "Knick". Denn jene Menschen, die im weltweiten Einkommensvergleich bei 75 bis 95 Prozent liegen, mussten sich mit Einkommensverlusten von bis zu -5 Prozent, oder einem lediglich schwachen Einkommensplus von bis zu 20 Prozent zufrieden geben. Die nachfolgenden 4 Prozent (Die Top-96-99 Prozent) hatten immerhin noch knappe 30 Prozent Plus, während das reichste eine Prozent ein Einkommensplus von 60 Prozent für sich beanspruchen konnte.

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Globales Einkommen WTO

Angesichts dieser Entwicklung kann man zumindest im Durchschnitt sagen: Die großen Verlierer der zunehmenden Globalisierung sind einerseits die Ärmsten der Armen auf dieser Welt, andererseits jedoch auch die untere Mittelklasse der Industriestaaten. Diese haben nämlich kaum oder gar nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung profitiert. Nimmt man dazu noch die jüngsten Entwicklungen seit 2008 hinzu (die vor allem die Mittelschicht in Europa und den USA traf), darf man davon ausgehen, dass diese Entwicklung die in der obigen Grafik sichtbar ist, nocheinmal zu einer massiven Verschlechterung der Lage dieser Menschen mit sich brachte.

Im Hinblick darauf braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn sich diese Wohlstandsverlierer sukzessive jenen politischen Parteien und Personen zuwenden, die diese Entwicklung kritisieren und auch die ganzen negativen Auswirkungen von Freihandelsverträgen (z.B. Ceta, TPP oder TTIP) aufzeigen. Denn die Wohlstandsversprechen der Politiker und Interessensvertreter konnten bislang schon nicht erfüllt werden – zumindest bezüglich jenen Menschen in den entwickelten Staaten, die zur Mittelschicht gezählt werden können.

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3 KOMMENTARE

  1. Den Absturz des Mittelstandes sah ich schon vor ca. 10 Jahren als selbstständiger Handwerker. Hatte alles einzeln verkauft weil man schon damals für den Verkauf eines ganzen Betriebes nur noch einen Appel und nen Ei bekam, wie Andere es versuchten. Die Globalisierung, die Grenzöffnung und die Abschaffung des Meisterzwangs eröffneten den Zustand des Untergangs des Handwerks und andere Dienstleister folgten. Internationale "Geldwäscher" dringen immer weiter vor und verdrängen seriöse deutsche Unternehmer. Kenne noch einige aus verschiedenen Branchen aus der damaligen Zeit und jetzt in meiner Gegend ist das Gleiche zu beobachten. Je mehr die Großen Internationalen Konzerne und die Finanzmafia  vordringt um so mehr verliert jeglicher Mittelstand durch Aufkauf oder Vernichtung. Das beste Beispiel war die Vereinigung Deutschlands, das war das erste Übungsfeld wie so was gemacht wird, ohne militärische Auseinandersetzung. 
    Auch die Schicht der Intelligenz ist davon betroffen. Man versucht die mit Lohndrückerei und Zeitverträgen auch im öffentlichen Dienst klein zu halten. Die fallen dann irgendwann mal aus der Mittelschicht raus.

     

  2. …kontinuierliche Vermögensumverteilung nennt sich das! Immer schön von fleißig nach reich.

    Bei den Ärmsten ist nix zu holen, darum kommt die Untersuchung zum logischen Schluss, dass alles ist (und auch bleibt), wie es war. Gesichertes Elend!

    Die Mittelschicht verfügt über Substanz, welche sukzessive + systematisch enteignet wird. Wehrhafte Mittelschichtler konnten mit viel Fleiß die Enteignung teilweise kompensieren – also ausgleichen bzw. abfedern. Die Untersuchung bestätigt dies insoweit, dass sowohl Wohlfahrtszugewinn als auch Wohlfahrtsverluste in der Mittelschicht unterdurchschnittlich ausfielen.

    Und die Oberschicht dürfte sich (ohne viel Fleiß, aber mit Geschick) über gewaltige Vermögenszugewinne freuen. Woher kommen diese Zugewinne? Hm?

    …des Einen Freud, ist des Anderen Leid!

    Das Kind hätten Sie ruhig beim Namen nennen dürfen, Herr Maier.

     

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