Der Eiffelturm in Paris.

Das Hauptproblem Frankreichs sind nicht unbedingt die Staatsschulden. Besonders problematisch zeigt sich die Lage im Unternehmenssektor, der sich eigentlich hoffnungslos überschuldet hat. In Italien ist die Entwicklung ähnlich dramatisch, doch noch lange nicht so gefährlich wie in der "Grande Nation".

Von Marco Maier

Frankreich hat ein Schuldenproblem. Nicht nur beim Staatshaushalt, der nach wie vor tiefrote Zahlen aufweist, sondern auch im Unternehmenssektor. Die oft angewendete Relation zum Bruttoinlandsprodukt, die ohnehin nur beschränkt tauglich ist das Ausmaß der Verschuldung eines Staates qualitativ zu bewerten (da hierbei die Staatseinnahmen von größerer Bedeutung sind), greift vor allem bei den Unternehmensschulden schon gar nicht. Gerade deshalb wurde die prekäre Lage der französischen (aber auch italienischen) Unternehmen von vielen Ökonomen nicht erkannt.

Viel aussagekräftiger ist hierbei der Vergleich der Unternehmensschulden zu den operativen Gewinnen der Unternehmen. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hat sich dieses Verhältnis in Frankreich verdoppelt. Bei den Bruttoschulden verzeichnen die französischen Unternehmen inzwischen bereits eine Verschuldung von 1.800 Prozent im Vergleich zu den operativen Gewinnen. Zieht man die Forderungen aus Krediten und Anleihen ab, sind es immerhin noch 1.000 Prozent – also das Zehnfache. In Italien sind es netto immerhin noch 735 Prozent.

Grund für diese Entwicklung ist die lahmende Wirtschaft. Während die Schulden der Unternehmen selbst steigen, sinken die Gewinne. Dies ist eine höchst bedenkliche Entwicklung, zumal die französischen Unternehmen im Schnitt die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens (trotz Niedrigzinsphase!) für den Schuldendienst aufwenden müssen. Im benachbarten Italien liegt der Wert bei 40 Prozent. Dies schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

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Angesichts dieser Tatsachen droht hier eine neue Schuldenblase zu platzen, wenn sich nicht bald eine Trendwende in Sachen Wirtschaftswachstum bemerkbar macht und die operativen Gewinne der Unternehmen nicht wieder ansteigen. Denn ein Anwachsen der Kreditausfälle im Unternehmenssektor ist nur eine Frage der Zeit.

Vor allem jedoch muss man in diesem Zusammenhang auch das enorme finanzielle Engagement der französischen Banken im maroden italienischen Bankensektor erwähnen. Diese Mischung (Italien-Investments und heimische Schuldenblase) ist dermaßen explosiv, dass die nächste Schockwelle an den Finanzmärkten europäischen Ursprungs wohl nicht unbedingt aus Italien kommt, sondern vielmehr eher noch aus Frankreich.

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5 KOMMENTARE

  1. Spätestens wenn die Italiener und die Franzosen finanziell über den Deister gehen, wird Deutschland für die Unfähigkeit der anderen und der eigenen zahlen müssen. Das war bislang nur eine Haftungsgemeinschaft zu Lasten des größten Gläubigers, und wenn die Deutschen in die Knie gehen ist ehedem alles vorbei.

  2. Frankreich hat nicht ohne Grund den Ausnahme-Zustand. Es glaubt doch hoffentlich niemand, dass sie den wegen Terror haben? Der Terror ist nur das Werkzeug, um von genau diesen Dingen abzulenken und sich vorzubereiten auf den eigentlichen Knaller: Den Zusammenbruch des Systems.

  3. Läuft alles nach Plan !  So kommt man mit dem Einsatz von wertlosen Papierscheinen an reales Vermögen .  Oder glaubt hier jemand das ganze hat sich unerkannt und gerade mal so gezwungenermaßen entwickelt . Und alles zum Wohle des arbeitenden Volkes !

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