Ägypten: Einheitliches Freitagsgebet gegen Radikalismus

Die ägyptische Führung versucht mit neuen Mitteln gegen die Radikalisierung der Gläubigen in den Moscheen vorzugehen. Unter anderem mit einheitlichen Freitagsgebeten der Imame. Ob es hilft, den Islamismus einzudämmen, muss sich jedoch noch zeigen.

Von Marco Maier

Moscheen in denen radikale Prediger ihren Dienst verrichten gelten als Brutstätten für islamistische Gruppen. In Ägypten, wo die Militärregierung mit radikalen Mitteln gegen Anhänger des Ancien Regimes der Muslimbrüder, aber auch sonstige Oppositionelle vorgeht, sollen nun einheitliche, offiziell vorgegebene Texte für die Freitagsgebete in den Moscheen dafür sorgen, dass die Imame nicht "den Faden verlieren".

Ausgearbeitet werden die neuen Freitagsgebete mit Mitarbeitern des Ministeriums für religiöse Stiftungen, Gelehrten der islamischen Hochschule Al-Ashar, Parlamentsabgeordneten des Religionsausschusses, sowie von Soziologen und Psychologen. Minister Mohammed Gomaa werde am kommenden Freitag selbst den Anfang machen und den ersten dieser Texte in einer Moschee verlesen, wie ein Staatssekretär mitteilte.

Kritik kommt erwartungsgemäß aus den Reihen der Imame selbst. Diese wünschen sich mehr Freiheit bei der Themenwahl, da jede Gemeinde vor anderen Herausforderungen stehe. Doch bei der Militärregierung dürften solche Forderungen auf taube Ohren stoßen. Immerhin befürchtet man in den Regierungskreisen, dass sich trotz der Entlassung von rund 55.000 radikalen Predigern, die keine Zulassung von Al-Ashar hatten, seit der Machtübernahme 2013 immer noch viele Unterstützer der Muslimbrüder in deren Reihen befinden.

Die neue Anordnung Kairos stellt damit eine weitere Verschärfung der schon jetzt bestehenden Eingriffe in die Freitagspredigten dar. Seit rund zwei Jahren gibt die Regierung bereits die Themen in den Predigten vor. Mit der nunmehrigen Vorgabe des Textes erfolgt ein weiterer Eingriff.

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Wie sinnvoll ein solcher Eingriff ist, muss sich jedoch noch herausstellen. Trotz diverser Bedenken hinsichtlich der religiösen Freiheit weiß man in der ägyptischen Führung (die selbst aus Muslimen besteht) durchaus, wie viel Einfluss radikale Imame auf die Gläubigen haben. So wie es früher im Mittelalter die Priester, Bischöfe und Päpste in Europa hatten, als die religiöse und die weltliche Macht vielerorts miteinander eng verknüpft war.

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5 Kommentare

  1. Am Freya´s Tag Allah ein Gebet zu widmen ist schon interessant.

    Am Thursday also Thors´s Tag wäre auch eine Möglichkeit oder aber am

    Wednesday also dem Wotan´s Tag.

    Wie wäre es mit Saturn´s Tag?

  2. Ob es hilft, den Islamismus einzudämmen, muss sich jedoch noch zeigen.

    ————-

    Welchen 'Islamismus'?

    Es gibt keinen 'Islamismus', sondern nur den politischen Islam (Islam ist immer politisch, er strebt nach der Weltherrschaft) und seine Anhänger, welche den Koran wörtlich nehmen (so wie es Mohammed gewollt hat) und die 'Schwertverse' des Korans umsetzen.

    Diejenigen, welche dem Koran und Mohammed auf dem 'Pfad Gottes (Allah's)' nicht folgen, sind die 'Heuchler', die 'Munafiqun', die der 'Gesandte' fast noch mehr gehasst hat als die Ungläubigen: die Juden und die 'Götzenanbeter', die Christen.

    Ihnen hat er sogar eine ganze Sure gewidmet, die Sure 63:

    Die Heuchler (Munafiqun)

    http://derprophet.info/inhalt/heuchler-htm/

    Übrigens, die sog. 'friedvollen Suren' des Korans (welche die Takkia-Spezialisten immer wieder gern zitieren) sind durch die späteren, kämpferischen 'Schwertverse' abrogiert, d.h. aufgehoben bzw. in ihrer Wertigkeit zurückgesetzt. 

    Google ggfls.: Abrogation im Islam

     

     

  3. Ist doch klar dass mit Radikalismus hier die Moslembruderschaft gemeint ist, welche die ägyptische Militärregierung als Gefahr für den eigenen Machterhalt sieht. Von daher ist die Geschichte mit dem einheitlichen Beten natürlich politischer Natur

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