Die Präsidenten Nasarbajew (Kasachstan) und Putin (Russland). Bild: Pressedienst des russischen Präsidenten / kremlin.ru

Experten zufolge kann sich das Chaos in Syrien schnell in Richtung Zentralasien verbreiten. Als besonders gefährdet gilt Kasachstan, wo die Unruhen durch einen islamistischen Terroranschlag in der Stadt Aktobe am 6. Juni ihren Höhepunkt erreichten. Präsident Nasarbajew spricht vom Versuch einer „bunten Revolution“ durch den Westen.

Von Christian Saarländer

Die wachsenden Unruhen im zentralasiatischen Binnenstaat Kasachstan könnten in wenigen Wochen das ganze Land befallen und sich in der kompletten Region ausbreiten. Der amerikanische Politikwissenschaftler George Friedman geht von dieser Befürchtung aus. Auf Geopolitical Futures knüpft er an die wachsenden Unruhen an, dessen Höhepunkt der Terroranschlag vom 6. Juni ist, wo mehrere Menschen ums Leben kamen.

Internationalen Quellen zufolge ereignete sich der Anschlag auf einer Militärbasis. Unter Berufung  auf verschiedene Medien bekannte sich laut Sputnik die „Befreiungsarmee Kasachstans“ zu den Anschlägen. Insgesamt sollen sechs Militärs und Zivilisten ums Leben gekommen sein. Es gab insgesamt 38 Verletzte und 13 Terroristen wurden bei den Gefechten erschossen. Kasachstans Inlandsgeheimdienst KNB dementierte später die Existenz einer „Befreiungsarmee Kasachstans“, Polizeiangaben zufolge soll es sich bei den Angreifern um Anhänger „nichtraditioneller religiöser Strömungen“ handeln. Später verkündete das nationale Sicherheitskomitee in Astana eine 40-tägige Terrorwarnung.

Loading...

Präsident Nasarbajew geht von einer „bunten Revolution“ aus und mehrere Quellen berichteten bereits zuvor, dass ein Regime-Wechsel in Kasachstan geplant sei. Bereits im Januar soll der Unternehmer Tochtar Tuleschow wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung und wegen Drogenbesitz festgenommen worden sein. Dieser soll im Frühjahr die Proteste gegen eine Novellierung des Bodengesetzbuches finanziell unterstützt haben. Über die Vorgänge in Westkasachstan gibt es verschiedene Versionen und angelsächsische Medien wie beispielsweise der Economist warnen vor „Verschwörungstheorien“.

Das „Filetstück“ im Eurasischen Balkan

Westliche Leitmedien sehen die Ursachen bei der Regierung und führen die Unruhen auf die ökonomische Lage zurück. Für die Vermutungen der Regierung mangle es an Beweisen, wie deutsche Medien unter anderem die Vorgänge im Westen des Landes beschreiben. Allerdings sollen nach Ansicht des Politologen Jewgeni Minschenko die Vorgänge im westlichen Teil Kasachstans an die Anfänge des „arabischen Frühlings“ erinnern. Kreml-Sprecher Dmitry Peskow sieht in den Vorgängen eine „innerstaatliche Angelegenheit“ und betonte, dass Russland keine verschärften Kontrollen an der 7.000 Kilometer langen Grenze zu Russland durchführen werde.

Anhaltspunkte für Bestrebungen einer „fünften Kolonne“ soll es Zeitungsberichten zufolge auch in Kirgistan gegeben haben. Mitte April berichtete die kirgisische Zeitung „Delo Nr“, dass die die ukrainische Fluggesellschaft Antonov Airlines mehr als 150 Tonnen „unbekannte Güter“ in die Hauptstadt Bischkek gebracht hätte. Die Fracht soll demnach als „Diplomatenpost“ von Mitarbeitern der US-Botschaft abgeholt worden sein, berichtet ein Nutzer auf Sputnik.

Geopolitisch betrachtet haben die USA seit dem Zerfall der Sowjetunion das Rohstoffreiche Kasachstan auf der politischen Speisekarte stehen, die den Anspruch der USA als einzige Weltmacht sichern soll. Kasachstan ist von seiner Landesfläche her gemessen der neuntgrößte Staat der Erde und mit 17 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt. Die Republik Kasachstan erklärte sich am 16 Dezember 1991 für unabhängig. Dennoch ist Kasachstan sowohl wirtschaftlich als auch militärisch mit Russland eng verbunden.

Kasachstan ist Mitglied der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), der Eurasischen Wirtschaftsunion und in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Die Republik Kasachstan pflegt insoweit enge wirtschaftliche Beziehungen mit Russland, China und den benachbarten Staaten Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan. Im Rahmen der Organisation des Vertrags über Kollektive Sicherheit (OVKS) ist der Binnenstaat mit Russland, Armenien, Kirgistan, Tadschikistan und Weißrussland in einem Militärbündnis.

Alleine schon die Außenpolitik und die engen Verbindungen machen Kasachstan und seine Nachbarstaaten anfällig für einen US-geführten „Regime-Change“, wie er beispielsweise in der arabischen Welt bereits öfters durchgeführt wurde. Und der US-Globalstratege Zbigniew Brezinski widmete dem Eurasischen Balkan um Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan und weiteren Ländern ein ganzes Kapitel in seinem 1997 erschienenen Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie zur Vorherrschaft“, wo die Geostrategie der USA mit dem Ziel als einzige und letzte Weltmacht nach dem Zerfall der Sowjetunion bestehen zu bleiben beschrieben wird.

Die vielen Rohstoffe, Pipelines und natürlich die 7000 Kilometer lange Grenze zu Russland machen Kasachstan zu einem „Filetstück“ im Eurasischen Balkan. Der ethnische Hexenkessel in der Region eignet sich militärpolitisch betrachtet perfekt für einen hybriden Krieg, der Elemente der asymmetrischen Kriegsführung mit sich bringt. Insoweit sind die Befürchtungen von Präsident Nasarbajew nicht ganz unbegründet. Ein Schelm, wer bei diesem Foto böses denkt.

Bitte unterstützen sie uns!

Wir konnten im Laufe der Zeit viele Leser dauerhaft für uns begeistern. Wenn Sie liebe Leser, uns dauerhaft unterstützen wollen, dann tun sie das am besten mit einer Spende oder mit einem Dauerauftrag mit dem Kennwort "Contra Magazin" auf folgendes Konto: IBAN: DE28 7001 1110 6052 6699 69, BIC: DEKTDE7GXXX, Inhaber: Andreas Keltscha oder per Paypal und Kreditkarte. Wir bedanken uns herzlich!

Loading...

8 KOMMENTARE

  1. Diese US Herrenmenschen und ihre gekauften Lakaien sind der Abschaum der menschlichen Gattung und eher tierähnlich als menschlich. 

    • @ Lallajunge

      menschlichen Gattung und eher tierähnlich als menschlich.

      Falsch Lallajunge !!

      Die Tierwelt ist zum Glück noch intakt, wofür viele Fakten sprechen… !!

      Das, was völlig kaputt ist, ist das ,,menschliche System " !!!

      Nun ja, Tiere verhalten sich Grundsätzlich anders, sie sind schlau,

      komform und anpassungsfähig !!!

      Im Gegensatz zu den Politikern, die gerade Deutschland wohlwollend, schnellstmöglich in den Abgrund treten ……es sind diese,

      die weder Stolz, Charme, Bewustsein, Vaterlandsliebe, sowie

      Pflichtbewustsein dem deutschem Volke gegenüber entwickeln… !!!

      Eine Aussaat, die ihres gleichen sucht !!!

  2. Auf der einen Seite versuchen die Amerikaner krampfhaft den europäischen Markt mit dem TTIP an sich zu binden. weil sie jahrelange Vorarbeit geleistet haben wird ihnen das gelingen – obwohl es an sich widersinig ist. Der eurasische Subkontinent erlaubt eher die Einrichtung der neuen Seidenstrasse. Und damit sind wir wieder bei den Männern von jenseits des Atlantiks. Binden des Marktes über TTIP und ständige Angriffe von Süden her auf die Seidenstrasse. Den Inder (ich glaube nicht, dass er ein wirklicher Freund mit Weitblick ist) versuchen sie zu kaufen. AfPak wird nicht in Ruhe gelassen. (Z.B. weren sie niemals! aus Afganistan abziehen). Und in den ehemaligen Sowjetrepubliken wird die Suppe immer am Kochen gehalten. Zum Glück, ich wiederhole zum Glück, wird Kasachstan (schaut mal auf die Karte, wie groß und zentral gelegen und damit wichtig das Land ist) von einem alten Recken geführt. Ich denke, dass solange die Kraft von Nasarbajew reicht, er das Land sichern kann. Und in der Ukraine kommen wir hoffentlich in diesem Jahr auch noch ein Stück weiter. Mit Odessa und der ukrainischen Bahn ist das Land unverzichtbar für die Seidenstreasse. Nicht umsonst mischt China in der Landwirtschaft der Ukraine intensiv mit. Im Grunde genommen führen die Amerikaner einen Abwehrkampf auf allen Territorien. Anders muß man wohl den Einsatz der Flugzeugträger im Mittelmeer auch nicht deuten. Dazu kommt das Brechen des Widerstandes in Südamerika und der Versuch den Dollar weiter zu retten. Leicht hat man es nicht als Hegemon, der in die Jahre gekommen ist.

    • Nasarbajew als der alte Recke, der nicht nur Kasachstan sicher in die Zukunft führt. China mit der Seidenstrasse als Weißer Ritter, der Eurasien rettet. Für solchen Optimismus muß man schon sehr blond und sehr blauäugig sein. Stimmt es übrigens, daß die große Brücke zur Krim nicht finanziert werden kann?

      • Fred

        Hätten die Oststaaten soviele Schulden wie die USA dann hätte man natürlich Finanzierungsprobleme.

        Es wird bald vorbei sein mit dem Dollar.

  3. … und ich vergaß es fast. Herr Meier, das haben Sie gut geschrieben. Aber warum nennen Sie sich denn jetzt Saarländer? Das Verhalten Ihres Partners macht wohl einsam?…. 

    • Oh welch Überraschung, der Herr Dipl.Ing. Roth kann sich auch benehmen. Wenn er mir eine Mail schreibt verhält er sich wie ein Rüpel. Apropos einsam: Fühlen sie sich ohne Contra jetzt einsam?  ….Saarländer und Maier…..zwei verschieden Personen!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here