5000 isändische Kronen und die Umrisse der Insel in der Nationalflagge.

Während die Schweizer noch Anhänger des Vollgeldes für einen Volksentscheid zusammentrommeln, stellte man in Island bereits eine Kommission zusammen, welche an einer Vollgeldreform im Inselstaat arbeitet.

Von Marco Maier

Ein Abgeordneter der regierenden Fortschrittspartei hat einen Bericht mit dem Titel "Ein besseres Geldsystem für Island" verfasst. Für den isländischen Regierungschef, Davíð Gunnlaugsson, ist dieser ein wichtiger Beitrag für die bevorstehenden Gespräche, mit denen die Inselrepublik ihre Geldpolitik reformieren möchte. Dies stellt quasi eine Revolution des Geldsystems dar, zumal kein anderer Staat der Welt das Vollgeldsystem praktiziert, sondern vielmehr die Giralgeldschöpfung durch die Geschäftsbanken als gegeben akzeptiert wird.

Dabei handelt es sich jedoch faktisch in jedem Land um einen Bruch geltender Gesetze, zumal eigentlich nur die Notenbanken zur Ausgabe von Geld (gesetzlichen Zahlungsmitteln) ermächtigt sind. Das heißt: Rein vom legalen Standpunkt aus sind ausschließlich Banknoten und Münzen echtes Geld, welches (mehr oder weniger uneingeschränkt) angenommen werden muss, während das Giralgeld der Banken faktisch nur so lange einen Wert besitzt, wie es auch in Banknoten und Münzen gewechselt werden kann. Im Falle eines "Bankruns" kann dies jedoch dazu führen, dass die Menschen insgesamt bis zu 95 Prozent ihrer Bankguthaben verlieren – denn normalerweise sind (je nach Land) höchstens fünf bis zehn Prozent des gesamten Geldvermögens in Form von Banknoten und Münzen vorhanden. In Schweden oder Dänemark, wo kaum noch Bargeld verwendet wird, dürfte der Satz sogar bei unter 2 Prozent liegen.

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Besonders problematisch am Giralgeldsystem ist der Umstand, dass die Zentralbanken somit jegliche Kontrolle über das Geldwesen verlieren und nur noch beschränkt (z.B. Leitzins oder Mindestreservesatz) Einfluss nehmen können. Zudem sorgt dieses Geldsystem für verstärkte Verwerfungen auf den Kapitalmärkten, da sich die Geldmenge beinahe unkontrolliert ausweiten kann. Es zeigt sich auch in der jüngeren Geschichte, dass sich seit dem Ende des Bretton-Woods-System und der Goldbindung der Währungen das Wirtschaftswachstum und das Kreditwachstum deutlich von einander abgekoppelt. Es werden – vor allem angesichts der aufgeblähten Kapitalmärkte – immer größere Kreditsummen benötigt um entsprechende Wachstumsraten in der Realwirtschaft zu erzielen. Das Resultat: Seit damals wurden laut Internationalem Währungsfonds (IWF) in 114 Ländern ingesamt 147 Bankenkrisen gezählt.

Auch Island zählt zu jenen Ländern, die erst in der jüngsten Vergangenheit einen totalen Bankenkollaps erleben mussten. Doch während in anderen Ländern (bis auf die Schweiz – Dank der direkten Demokratie) nicht über entsprechende Konsequenzen nachgedacht wird, will man auf der Insel entsprechende Reformen durchführen. Denn die Isländer haben erkannt, dass man es auch mit tausend Seiten an Regulatorien nicht schafft, diese "Monster" zu zähmen und deshalb an die Wurzeln heran muss. Das Vollgeldsystem, welches übrigens jahrtausendelang angewendet wurde, ist hierfür wohl eine praktikable Sache. Wenn das neuzeitliche "Experiment" klappt, könnte dies weltweit zu einem Umdenken führen.

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3 KOMMENTARE

  1. Oh, oh Island. Irgendwo arbeitet jetzt gerade bestimmt schon ein Hochgeborener an einer Anleitung zur Ausrottung eures Volkes mit dem Arbeitstitel „Iceland Must Perish“.

  2. Wow, die trauen sich was. Da werden jetzt wohl einige Köpfe rauchen. Ich bin schon gespannt wann und mit welchem Trick diese Entwicklung gestoppt wird. Insgesamt sehr zu Nachahmung empfohlen!

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