Manhattan, New York.

Einer Umfrage zufolge hat rund ein Fünftel der Amerikaner Probleme damit, ihre Miete oder ihre Hypothekenzahlungen zu leisten. Gar doppelt so viele mussten dafür andere Ausgaben reduzieren.

Von Marco Maier

Wie eine aktuelle Ipsos-Umfrage in den USA zeigt, macht sich die angespannte wirtschaftliche Situation des Landes immer deutlicher Bemerkbar. Denn laut dem Ergebnis (Fehlertoleranz 3,5 Prozentpunkte) haben 21 Prozent der Befragten angegeben, während der letzten 12 Monate bereits mindestens einmal ihre Miete oder Hypothekenzahlung nicht gezahlt haben zu können. Ganze 40 Prozent der Befragten mussten bei anderen Ausgaben wie Lebensmittel (57 Prozent), Kleidung (54 Prozent) und anderen Dingen sparen. Hinzu kommt, dass ein Viertel der Befragten angab, wegen der Wohnkosten in den letzten 5 Jahren umgezogen zu sein und gar ein Drittel kann wegen der Wohnkosten nicht näher an der Arbeitsstelle wohnen, so dass längere Arbeitswege anfallen.

Interessant sind auch folgende Umstände: Insgesamt 18 Prozent der Befragten haben seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Job verloren (was sich auch mit der stark gesunkenen Beschäftigungsquote deckt), ganze 6 Prozent müssen sich im selben Job mit einem geringeren Lohn abfinden und 9 Prozent mussten einen schlechter bezahlten Job annehmen. Weitere 4 Prozent gaben an, ihren Immobilienkredit nicht nur zu bezahlen.

Dementsprechend verwundert es nicht, dass 85 Prozent der Befragten angaben sich zu wünschen, dass die Kommunen erschwinglichen Wohnraum zu erhalten und zu schaffen. 81 Prozent fordern die öffentliche Hand dazu auf, mehr zu tun, damit auch für Geringverdiener erschwinglicher Wohnraum gebaut wird. Ganze 77 Prozent der Befragten forden zudem den Bau von Häusern, die sich auch Familien leisten können. Immerhin knapp zwei Drittel der Befragten wäre sogar dazu bereit, eine eigene Steuer dafür zu bezahlen, dass der Bau von Sozialwohnungen in Angriff genommen wird.

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Angesichts dieser Umfrageergebnisse wird klar, dass die starken Ergebnisse für den Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders, der auf europäische Verhältnisse umgelegt als Sozialdemokrat bezeichnet werden kann, durchaus eine Basis haben. Trotzdem erscheint es seltsam, dass gerade die Republikaner – als vehemente Gegner zu großer staatlicher Eingriffe – in weiten Teilen des Landes dominieren. Zumindest noch. Zudem zeigt diese Umfrage auch deutlich auf, wie sehr das Gerede vom Aufschwung in den USA und von einer wirtschaftlichen Erholung wohl rein nur auf Statistiktricks beruht, zumal die Bevölkerung selbst davon kaum etwas mitbekommt.

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5 KOMMENTARE

  1. Kommt nach Deutschland, hier bekommt jeder ein Haus geschenkt so sagte man und falls ihr es noch nicht wußtet Herr Gauck sagte in Indien, daß hier viiiiiieeeeel Platz sei. Das also sollte auch für Euch gelten.

    Come to where the Sauerkraut is.

  2. Überall dort wo der neoliberale Faschismus herrscht haben wir  den gleichen hausgemachten Mist. Die Armut wird zementiert, damit die Reichen ihren Reichtum behalten können. Was wir brauchen ist eine Weltrevolution. Die Gier muss endlich eingeäschert werden.

  3. Das Kardinalproblem der Mietpreise ist das Privateigentum an Grund und Boden. Damit muss man sich mal endlich grundsätzlich befassen.

    Das Eigentum an Grund und Boden, das wegen seiner Knappheit und hohen Preise monopolartig wirkt, wird benutzt, den anderen, die davon abhängig sind, weil sie ja irgendwo ihren Kopf hinlegen müssen, mit so hohen Mieten wie nur möglich auszubeuten.

    Man muss doch einmal daran gehen, die sozial zerstörerischen Verhältnisse an der Wurzel zu verändern. Also das Privateigentum an Grund und Boden muss in eine dem Wohl aller dienende Form verändert werden. Sehr bedenkenswerte Gedanken dazu auf:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/11/08/soziale-auswirkungen-des-eigentums-an-grund-und-boden/

     

    • fast richtig, Falkenauge – würden sie (zumindest im kontext mit der eu und – insbesondere – der brd) den begriff "eigentum" mit "besitz" ersetzen, wäre es perfekt! 

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