Um Russland und den Iran um ihre außenpolitischen Erfolge zu bringen, fordern neokonservative US-Diplomaten offen zu einer Kurskorrektur in der Syrienpolitik auf. Die USA sollen Assad und die syrische Armee bombardieren.

Von Marco Maier

Wie die beiden US-Zeitungen "Wall Street Journal" und "New York Times" gestern berichteten, haben sich 51 US-Diplomaten über einen "dissent channel", der eigens für von der Cheflinie abweichende Meinungen eingerichtet wurde, für einen Politikwechsel der USA in Sachen Syrien ausgesprochen. Anstatt sich auf Angriffe gegen den "Islamischen Staat" und andere Terrorgruppen zu konzentrieren, sollen die US-Kräfte auch die syrische Armee attackieren und Bashar al-Assad aus dem Amt bomben.

Den Angaben nach sprechen sich die meist der mittleren Ebene angehörenden Außenamtsmitarbeiter – die in den letzten fünf Jahren mit der US-Syrienpolitik befasst waren – für "gezielte Luftangriffe" und ein "vernünftiges Maß" militärischer Gewalt aus. "Die moralischen Gründe, Schritte zur Beendigung des Tötens und Leidens nach fünf Jahren brutalem Krieg in Syrien zu unternehmen, sind offenkundig und unstrittig", zitierte die "New York Times" aus dem Papier. Der Status quo in Syrien werde weiterhin zunehmend schreckliche, wenn nicht katastrophale, humanitäre, diplomatische und terrorismusbezogene Herausforderungen zeitigen, heißt es in dem Text weiter.

Auch wenn nicht zu erwarten ist, dass unter der Präsidentschaft Barack Obamas eine entsprechende Änderung des aktuellen Kurses stattfindet – bald schon sitzt entweder Donald Trump oder Hillary Clinton auf seinem Sessel im Oval Office. Vor allem Letztere hat bezüglich Syrien eine klare Linie, die sich aus ihren engen Beziehungen zur israelischen und saudi-arabischen Elite ergibt: Assad muss weg. Sie forderte als damalige US-Außenministerin bereits im Sommer 2012 die Bewaffnung von "Anti-Assad-Rebellen" ein. Dementsprechend ist es auch verständlich, dass Moskau die Friedensverhandlungen möglichst rasch zu einem guten Punkt bringen will, um so den USA zumindest eine öffentliche Kursänderung zu erschweren.

Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte der deutsche Nahost-Experte Michael Lüders auf die Frage, wie er den Vorstoß der US-Diplomaten bewerten würde: "Ja, der ist erstaunlich und vor allem mit Blick auf die Entwicklung in Syrien nicht ganz nachzuvollziehen, denn eigentlich müsste diesen Diplomaten, die sich mit Syrien befasst haben, klar sein, dass eine Politik der militärischen Intervention, wie sie die USA seit 2001, seit den Terroranschlägen des 11. September vollzogen haben, sei es in Afghanistan, im Irak, in Syrien, in Libyen und im Jemen, in allen genannten Ländern lediglich Staatsverfall gebracht hat, zu Anarchie und Chaos geführt hat. Und das Erstarken von terroristischen Bewegungen wie dem Islamischen Staat ist ursächlich auf diese Interventionspolitik zurückzuführen. Jetzt also mehr von derselben Politik zu fordern, ist zumindest erstaunlich."

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Lüders Ansicht nach besteht im Wunsch der US-Diplomaten, Assad stürzen vor allem darin, "Syrien als den wichtigsten Verbündeten Russlands und Irans in der Region auszuschalten." Er verwies auch auf von WikiLeaks veröffentlichte Depeschen aus dem Jahr 2009, wonach die US-Vertretung in Damaskus daran arbeitete, die Regierung zu schwächen und Assad zu stürzen. Dafür würde man zweierleit tun, "nämlich zum einen die ethnischen Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten zu schüren, um das Regime zu schwächen, idealerweise zu stürzen, und des weiteren Auslandsinvestitionen in Syrien vor allem durch die Golfstaaten und durch die Europäer verhindern und reduzieren". Die CIA-Autoren haben darin ganz deutlich klar gemacht, dass man den Vormarsch radikaler Islamisten im Irak und in Syrien zulassen sollte, um so Assad zu stürzen.

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9 thoughts on “US-Diplomaten fordern Militäreinsatz gegen Assad”

  1. Es geht den USA nur darum Syrien zu kontrollieren um endlich den Iran angreifen zu können. Der Iran ist nach wie vor das Hauptziel der USA. Dazu muss aus strategischen  Gründen zuerst Syrien plattgemacht und das gesamte Umfeld destabilisiert werden.

    Mit diesen Plänen würde Rußland mit in einen Krieg gezogen.Zur Kriegsplanung wird deshalb auch im Ostblock aufgerüstet .

    Wann begreift die Welt endlich,daß die USA das Haupübel  ist welche die gesamte Welt ins Chaos stürzt.

    AMI GO HOME 

  2. Der nächste völkerrechtswidrige Krieg, den diese widerlichen Kriegstreiber beginnen wollen.

    Kein Staat der Welt ist sicher, wenn er sich den us-westlichen Werten verweigern will.

    "Babylon must fall" und zwar das, jenseits des Atlantik und so schnell wie möglich!

     

  3. Da will jemand den nächsten Weltkrieg. Hauptsache immer die Russen herausfordern und Europa zum Schlachtfeld machen.

    Syrien hat bisher einen Pipelone Krieg. US-Konzerne wollen von der arabischen Halbinsel Gas und ôl per Pipeline nach Europa exportieren. Es geht nur um Profite und darum Russland weiter einzukreisen und zu schwächen. 

    Putin ist sicher kein Demokrat, Obama auch nicht, aber ein Weltkrieg noch dazu zu Lasten Mitteleuropas ist um jeden Preis zu vermeiden.

  4. Nur zu, Yankees! Hohlt euch blutige Köpfe, oder glaubt ihr Russland guckt nur zu? Russland wird euch den Arsch aufreissen bis ins Genick! 

  5. Na dann viel Spaß bei diesem Vorhaben. Rußland, bzw. die frühere Sowjetunion war schon immer ein enger Verbündeter von Syrien und dem Assad-Clan. Die Russen werden bei einem US-Angriff gegen die Syrische Armee sofort das Land verlassen und um Vergebung winseln. Das Waffenklirren der Amis gleicht dem Pfeifen im Walde um den russischen Bären im syrischen Walde zu vertreiben, mehr nicht.

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