Es gibt sie noch in den Pflegeheimen, die Menschen welche in der Zwischenkriegszeit geboren wurden und später in den Diensten des damaligen Systems in Konzentrationslagern tätig waren. Egal ob Wachmann oder Buchhalter – es werden alle abgeurteilt, auch wenn keine direkte Schuld nachweisbar ist. Es langt schon allein, dass man zum „falschen“ Zeitpunkt am „falschen“ Ort war.

Von Uwe Ostertag

Ich bin zwar kein Jurist, aber mit gesunden Menschenverstand beobachtet, finde ich das recht merkwürdig. Dieses Vorgehen vermittle nicht gerade einen rechtsstaatlichen Eindruck, eher eine Art Sippenhaftung. Natürlich waren dieser Männer in den Arbeitslagern, hatten eine reguläre Beschäftigung und mussten auch viel Leid mitansehen. Sie mussten mitmachen, andernfalls wären sie selbst längst tot. Die Frage die bleibt: haben sie auch gemordet? Genau diese Frage konnte kein Gericht beantworten. Einen Beweis dafür gab es nicht. Diese Menschen waren eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Eine Verurteilung, nur um Rachegelüste mittels Bauernopfertaktik zu befriedigen, das ist in meinen Augen verwerflich.

Wir vergessen immer wieder: es war eine ganz andere Zeit, es waren andere Verhältnisse. Vor allem in einem diktatorischen System ist man in der Pflicht Mitläufer zu sein – oder man muss eben die Konsequenzen daraus ziehen. Was wäre passiert, wenn er aus ethischen Gründen diese Arbeit verweigert hätte? Man hätte ihn an die Wand gestellt und erschossen oder an die Ostfront geschickt und ihn dort verheizt. In solchen Zeiten muss man schon mit dem Strom schwimmen, um einigermaßen durchs Leben zu kommen. Man hat ja auch Familie und die Hoffnung auf bessere Zeiten. Man ist Befehlsempfänger, ein Opfer des Systems. Ich will nichts verherrlichen, denn es war ein brutales und grausames System, welches nur so mit Morden glänzte. Deshalb klingt es für mich moralisch befremdlich, Hanning die Schuld anzulasten.

Ich war damals bei den DDR-Grenztruppen, hatte meinen Dienst getan. Ich hatte aber das Glück, dass ich nicht auf einen Schießbefehl zurückgreifen musste. Ich stelle mir heute noch die Frage, was wäre wenn…? Wenn ich jemanden bei einem Grenzübertritt erwischen sollte, ob ich dann geschossen hätte? Solche Entscheidungen muss man manchmal in Bruchteilen einer Sekunde treffen. Nervige Verhöre seitens der Staatssicherheit, mitunter Knast, wenn ich meine Pflicht nicht getan hätte. Oder eben doch einen Grenzübertritt mit der Schusswaffe versuchen zu verhindern? Ich denke, ich hätte mich für Letzteres entschieden, oder doch nicht? Aber im Prinzip müsste man auch mich vor den Kadi zerren, weil ich eben bei einer Militäreinheit war, welche nicht nur den Schießbefehl, sondern auch Menschen getötet und verletzt hatte. Nein, auch in der DDR war man gezwungen, Mitläufer des Systems zu sein, wollte man weder berufliche noch gesellschaftliche Konsequenzen tragen.

Im Prinzip genauso wie in der heutigen Zeit, vor allem bei der Asylpolitik. Denn wer nicht mit in die Fußstapfen Merkels tritt, der wird auch von unserer Gesellschaft geächtet. das sieht man doch am Mobbing und an der Hetze gegenüber der AfD und der Pegida. Ich möchte hier eine Frage in den Raum stellen, welche jeder für sich selber beantworten sollte: „Wer von den derzeitigen Mitläufern der Merkelpolitik und von den Beifallklatschern hat ein schlechtes Gewissen, wenn sogenannte "Flüchtlinge" rauben, morden und vergewaltigen?“ 

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19 thoughts on “Reinhold Hanning: Auch nur ein Bauernopfer”

  1. Die kleinen hängt man..die grossen lässt man laufen.

    Es ist viel zu spät um Gerechtigkeit zu sprechen.

    Sieht nicht gut aus wenn man ein Wrack ins Gefängnis steckt.

    Aber vielleicht will ja ein System das sich selber im Tiefflug befindet nur ablenken von der Realität.

    Das ist weniger ein moralisches Urteil denn ein Urteil aus dem Geschichtsbuch.

    Und das von Leuten die nie einen Krieg kennengelernt haben.

    PS:

    Vor wenigen Jahren habe ich durch Nachforschungen herausgefunden das mein lange verstorbener Opa mütterlicherseits auch Wache in einem KZ war.Er war durch einen Militärarzt dorthin befohlen,weil laut Attest nicht Wehrdiensttauglich.

  2. Es sind immer die „Befehlsempfänger“ die ihre Schuld auf Andere ( wegen der Umstände) abwälzen wollen. Damals, wie Heute.
    Jeder ist für seine Handlungen selbst verantwortlich, auch wenn das Unannehmlichkeiten zur Folge hat. Ohne unmoralische Befehlsempfänger gäbe es keine Kriege.

  3. Wie armselig sind die Menschen, die sich hinter Gesetzen und Vorschriften verbergen und die Menschlichkeit, die sie von anderen einfordern, dabei selbst vermissen lassen

    1. Es staende dem Bundespraesidenten gut an, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen, sobald das Urteil der Richtrrin Gnadenlos rechtskraeftig ist.

  4. Mutiger Artikel. Wenn ich mir ansehe, wer alles – mit Rang, Verantwortung und Wissen – davon gekommen ist nach Kriegsende, da kann einem schlecht werden, wenn man diese Verurteilung sieht.

  5.  

    Über die Sinnhaftigkeit der Verjährung

    Zur Sinnhaftigkeit der Verjährung sei folgendes gesagt: Zwanzig Jahre nach dem Verbrechen ist eine neue Generation herangewachsen, welche bekanntlich immer und überall ihren Eltern gerne jegliche Kompetenz abspricht. Und diese Generation weiß natürlich alles besser, macht zunächst einmal fast alles anders und bewertet die Vergangenheit völlig neu. Auch begangenes Unrecht wird von ihr in einen ganz anderen Zusammenhang gerückt. Insofern hat die Verjährung durchaus biologische Gründe und eine menschliche Berechtigung! Genau wie alle zwölf Monate der Winterschnee das Herbstlaub unter sich begräbt, genauso bedeckt alle zwanzig Jahre dieVerjährung menschliche Unzulänglichkeiten. Denn in der Natur verfügt eigentlich keine Generation über die gewaltige Wirtschaftskraft, welche nötig ist, um einen zurückliegenden Streit zu konservieren. Spätestens nach zwanzig Jahren ist Versöhnung angesagt. (Das heißt aber nicht, daß der Geschädigte erlittenes Unrecht auch vergessen muß, und daß er für immer einseitig benachteiligt bleibt. Versöhnen heißt ja eigentlich, die Kinder und Enkel der ehemals zerstrittenen Eltern derart miteinander zu verheiraten, daß dadurch alle Parteien dauerhaft befriedet werden.) Interessant ist in diesem Zusammenhang das Verhalten von Aktionären nach einem Börsenkrach. Zunächst wird wieder zwanzig Jahre lang nur noch ganz vorsichtig gehandelt. Aber dann kommt sie, die neue Generation. Und die weiß natürlich alles viel besser, hat ganz neue Erkenntnisse und steuert zielgerichtet den nächsten Börsenkrach an!

    Sobald sich die Machtverhältnisse in der BRDDR ändern, wird der Zentralrat die Verjährungsfrist auf zwei Jahre verkürzen, diese an den Zeitraum einer Schwangerschaft koppeln oder sie auf die Lebensdauer einer Stubenfliege beschränken!

    ES KOMMT NOCH VIEL SCHLIMMER ALS VON MIR VORAUSGESAGT:

    Verging sich einst Kurt Fröbe, als schwarzer Mann, an unschuldigen Kindern, die er mittels Schokoladen – „Igeln“ in den finsteren Tann lockte, um mit ihnen wertvolle pädagogische und frühkindliche Experimente zu unternehmen, immer im beiderseitigen Einverständnis, ganz klar, so hinterließ sein Ableben eine klaffende Lücke in den Reihen der Schreckgespenster, die uns Nachts die Alpträume bescheren. Ein Mangel, den zu beheben, sich der Bundespräsident der Deutschen auf sein Fähnchen geschrieben hat.

    Wo einst der Gedanke an das ewige Fegefeuer arme Sünderlein zum Zittern brachte, tut es nun die Drohung, „hierfür ewig einzustehen“ und gemeint ist der Holocaust. Das macht uns alle froh und zuversichtlich, wenn es auch bleibende Schäden an deutschen Gehirnen hinterläßt, wie folgender Film eindeutig belegt. Ob die Mißbraucher der Mißbrauchten jemals zur Strecke gebracht werden, durch einen mutigen Kommissar, der die Folgen nicht scheut, das können wir wohl ausschliessen.

    In Anlehnung an die Initiative des Bundespräsidenten will die Justizministerin einen Gesetzentwurf vorlegen, nachdem die Nachfahren von Kinderschändern, Mördern, Vergewaltigern, Räubern, Dieben und Falschparkern auf ewig für die Taten ihrer Vorfahren einzustehen haben, in welcher Form das geschehen soll, ob sie angespuckt werden dürfen oder geschlagen, ob sie lediglich eine Verbrechensabgabe zahlen, an die sich vergrößernde Verwandschaft der Opfer, darüber entscheidet in der nächsten Woche der Weiße Ring. Migranten wären von diesem Gesetz natürlich ausgeschlossen, betonte die Justizministerin, egal, wie weit die Migration zurückliege. Formulare für Ahnennachweise, um das zu belegen, könnten schon bald bei den Verbraucherzentralen abgeholt werden oder stünden als Download auf den Seiten des Ministeriums bereit.

     

  6. Der Artikel gibt einem jedem Gelegenheit, sich mit dem Begriff "Schuld" zu befassen. – Wenn wir heute, in unserer vermeintlich freien und demokratischen Gesellschaft "Schuld" definieren, so steht über allem das Gesetz. Es ahndet rechtliche Schuld, nicht moralische Schuld. Schuldfähigkeit wiederum setzt Willensfreiheit voraus, demnach macht ein vorsätzlicher Verstoß gegen gesetzliche Normen schuldig (auch wenn wir, mit Blick auf die vielen noch nicht integrierten Neubürger, wiederholt erleben müssen, das, wo kein Kläger auch kein Richter ist). – Die im Artikel angesprochenen Zeiten totalitärer Regime hierzulande( NS, DDR ), in denen die Bürger nicht unter Bedingungen lebten, die immer ein Handeln aus freiem Willen ermöglichten, hat vielfach Schuldige im Sinne ethisch-moralischer Wertvorstellungen hinterlassen. Es galt seinerzeit, nicht gegen das Gesetz zu verstoßen. Gesetze, die oftmals nicht den ethischen und moralischen Wertvorstellungen bzw. Normen einer christlichen Gesellschaft entsprachen. Zuwiderlaufendes Handeln hätte die eigene Existenz aufs Spiel setzen können. – Ich bin nicht so vermessen, vermeintlich Schuldige aus diesen Zeiten zu verurteilen, denn, wie heißt es so schön in unserem meistgelesenen "Nachschlagewerk" Bibel, "Wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein".

  7. Die Frage ist und bleibt, was istin wenigen Jahren, werden dann die Kinder dieser Leute zur Verantwortung gezogen, weil die letzten Überlebenden gestorben sind; im Sippenhaftungsprinzip, um deren neurotische Rachegefühle zu befriedigen? 

    1. Gute Frage…

      Das wären dann allerdings moralische Urteile..keine Rechtlichen.

      Würde ein Gericht solcherlei Urteile fällen..würde es sich selbst als ad adsurdum..also inkompetent überführen.

      Wir erinnern uns(leider) an Hexenprozesse..Teufelsaustreibungen..etc..

      Was die Vernunft verhindert…schaft der Wahn.

    2. Der Schuldkult hat viele Gesichter. Bin kein Jurist, doch der Maulkorbparagraph 130 fällt mir hierzu ein. Die nationale Identität "Deutsch" ist in diesem Zusammenhang geächtet. Die 68er spielen hierbei eine federführende Rolle. Halte es für eher wahrscheinlich, dass gerade der Schuldkult gezielt von den Siegermächten gefördert wurde.

      Die Aufrechterhaltung dieses Schuldkultes ist mMn scheinbr sehr wichtig. Versuchen sie mal in anderen Online-Medien diesen als falsch und schädlich hinzustellen, als überholtund ursächlich für die derzeitige Misere. Sie werden zensiert werden, jedenfalls widerfuhr mir dies mehrmals.

       

      Weil dieser Schuldkult so wichtig ist, wird er garantiert auf die Nachfahren übertragen werden. Wahrscheinlich in Form eines Schutzgesetzes alles Nichtdeutschen vor dem "Deutschen". Je schwammiger, desto besser, dann ist die Angst garantiert mit an Bord.

       

      Erst wenn sich niemand mehr als Deutsch definiert, wird das Problem gelöst sein – möglicherweise.
       

  8. Auch wenn sonst häufig sinnvoller, bei diesem Urteil bedauere ich unserer römisches Rechtssystem und würde das angelsächsische System vorziehen.

    Er ist verurteilt worden obwohl er sich konform des Rechts, der Ideologie und der Erziehung seiner Zeit verhalten hat. Ein Blick über den Tellerrand war bei der damaligen Medienlandschaft praktisch nicht möglich. Ohne römisches Recht wäre dieses Urteil ein Meilenstein.

    Wir kämen nur erstmal weder mit unserer Gerichtskapazität noch mit unseren Gefängnissen hin. Nach der Definition des Urteils reicht es am betreffenden Standort eingesetzt worden zu sein. Verjähung gibt es auch nicht, das hieße alleine über 250.000 Mordanklagen gegen US Soldaten die einmal in Rammstein oder Stuttgart stationiert waren.

  9. Mein Alter Herr war Soldat der Totenkopfdivisision. Bei meiner BDR-Musterung erkklärte ich lakonisch: "Einem Staat, der meinen Vater ablehnt, dem diene ich nicht!"

  10. Solche Urteile sollen doch nur den Schuldkult in der dt. Gesellschaft am Leben erhalten, und dafür ist dieser Herr, wie der Autor schon schrieb, ein gefundenes Bauernopfer.

    Empfehle allen, die sich für das Thema interessieren, das Buch von Gerard Menuhin.

    Das Buch ist mittlerweile auch als dt. Übersetzung im Netz zu finden: "Wahrheit sagen, Teufel jagen".

  11. Der Autor gibt hier offen zu, dass er Mitglied der Mauerschützen Mördertruppe war. Er hat es freiwillig gemacht um ein gemütliches und priviligiertes Dasein zu haben. Die Nazimörder haben vergleichbare Vitas.

    Mord verjährt nicht – nur sind die Richter alle Staatsbeamte. Da liegt dann schon der Knüppel beim Hund, denn eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Und wenn man jetzt mal wieder eine von diesen  Missgeburten verurteilt, geschieht das nur zum Zweck zu zeigen, dass man ja etwas tut. – Die Kleinen fäng man, weil man die Großen hat laufen lassen.

    Als kleiner Mitläufer in so einem Beamtenstaat sollte man sich immer klar sein, dass man später immer die kleinen Lichter ausbläst. – Also lieber einen anständigen Beruf wählen.
     

  12. Es ist nicht zu übersehen, daß für diese Prozesse  jegliche zivilisatorischen Grundsätze der Rechtsprechung (z.B.Verjährung, subjektive Schuld etc.) ausser Kraft gesetzt werden. Die Betreiber dieser speziellen Rechtssprechung sind aber jene die solche Entwicklungen betreiben und politisch umsetzen die zu politischen Verhältnissen führen für die dieser Mann als quasi Kollektivschuldiger (weil er noch lebt) nach 70 Jahren! verurteilt wird. Es handelt sich um politische Justiz.  Das passt auch zu den Schlägertrupps auf den Straßen gegen Andersdenkende. Die politischen Anfänge setzen jene die vorgeben gegen sie aufzutreten.

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