Foto: Portugiesischer Fußballfan. Bild: Contra Magazin / Gutschmidt CC BY-SA 3.0

Portugal feiert. Krise hin oder her, der Sommer ist die Zeit der Dorffeste und Stadtheiligen. Das Land füllt sich mit Touristen und Migranten auf „Heimaturlaub“. Viel Geld ins Land gespült. Doch das Land versinkt auch in einem Fahnenmeer, bei den alle zwei Jahre stattfindenden Fußball-Welt und Europameisterschaften. Straßencafés machen in Portugal ein gutes Geschäft, denn es ist Zeit zu leben.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Der Fußball ist in Portugal viel mehr als nur ein Spiel. Es ist eine Lebensweise, die wie keine andere Sache die Emotionen dieses Volkes bewegen. Doch es ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Oft wird genau dieser Kommerz im Sport kritisiert, doch es ist auch nichts anderes wie Musikveranstaltungen, Theater oder irgendein anderes Event. Warum soll man Rockstars oder Schauspieler von Hollywood bis Bollywood besser bezahlen wie Fußballspieler die Stadien füllen und Millionen an den TV Bildschirm fesseln? Eben. Es ist Showbusiness und was manche Spieler mit dem Ball machen verdient unsere Anerkennung. Klar, dass es nicht jedermanns Sache ist, doch muss man respektieren, dass Millionen – ja Milliarden Menschen den Fußball lieben. So ein Spieler, der nicht zu den wenigen Superstars zählt, verdient meistens sogar viel zu wenig. Nach 10 oder 12 Jahren ist die Karriere schon vorbei und die Gesundheit angeschlagen, wenn eine Verletzung den Traum vom Ruhm auf den Spielfeld nicht vorzeitig beendet. Aber diese Ungerechtigkeit haben wir in der Arbeitswelt überall. Den Portugiesen ist das erst einmal egal.

Es ist, sogar mehr als sonst, eine Euphorie im Land, die so ziemlich alle mit einbezieht. Selbst Leute, die mit dem Fußball nichts am Hut haben, die sich sogar über die ganzjährigen und ewig währenden Diskussionen zwischen den Anhängern der großen und kleinen Vereine aufregen – was nachvollziehbar ist – feiern im großem Stil mit. Sie sitzen, in den entsprechenden Nationalfarben gekleidet, in den Cafés und vibrieren gemeinsam mit den Vollblutfans. Doch genau wie bei den Spielen der Portugiesen geht es in den Cafés der Tourismusgebiete bei den Spielen der anderen Mannschaften zu. Ein einziges fraternisieren und abfeiern, dass für die Gastronomie ein wahrer Segen ist. An der Algarve, in Lissabon und Porto, auf Madeira und den Azoren, verdienen sich die Gastwirte eine goldene Nase. Nur bei den Spielen Portugals haben sie etwas Konkurrenz, da diese Spiele im Free-TV übertragen werden und wer nicht zu Hause schaut, der geht zum Public-Viewing auf den Plätzen der Innenstadte.

Und wie sieht es in Frankreich aus? Das Land ist natürlich voller Fans aus aller Herren Länder. Doch einige dieser „Fans“ wissen sich nicht zu benehmen. Von denen aber haben wir genug gehört und dieser Beitrag ist den anderen 99 Prozent der Fußballfans gewidmet, die aus einer der größten Sportveranstaltungen der Welt ein schönes Fest machen. Denn Iren, Schweden, Spanier, Belgier, Österreicher und Schweizer, selbst Türken, Albaner und Kroaten, Ungarn, Rumänen und Italiener, malen die Stadien und Innenstädte in Frankreich in ihren Nationalfarben an. Die Isländer feiern ihr Debüt bei einer Europameisterschaft und zu diesem Anlass kamen sechs Prozent der Bevölkerung nach Frankreich um ihr Team anzufeuern. Neben den Franzosen, die als Gastgeber bisher nicht sonderlich glänzen, mit ihren Streiks und Polizeiaufkommen, Polizeiarbeit und so weiter, haben wir noch die Mannschaft mit der zweitgrößten Fangemeinde vor Ort – Portugal, natürlich.

Die Lusitanier sind seit den 60er Jahren in Frankreich und man schätzt, dass 1,4 bis 1,8 Millionen Portugiesen und Portugiesischstämmige das Land zu ihrer zweiten Heimat gemacht haben. Sie säumen die Straßen und mit ihren rot-grünen Fahnen und Schals, Mützen und Dresse, bringen sie Stimmung wo auch immer sie ihrem Lieblingszeitvertreib frönen. Am Grill Schweinebauch, Schnitzel, Paprika, geräucherte Würste und natürlich ihren Fisch – Bacalhau und Sardinen brutzeln lassen. Musik (Geschmackssache und gewöhnungsbedürftig), dazu Bier und Wein – im typischen 5 Liter- Krug – und schon ist das Volksfest des Fußballs im Gange. In diesem Sinne, ab in den Urlaub und keine Angst vor Terroristen – von denen lassen wir uns das Feiern nicht verbieten! 

17 KOMMENTARE

  1. Es macht schon Mut, wenn Du Dich so auf den portugiesischen Fussball-Betrieb äusserst. Und hast zweifelsohne damit Recht, denn (Sport)- Barbarei hin und her, die meisten negativen Zeitgeist-Trends  sind bei uns vergleichsweise als "Ultra Light" einzustufen. Vielleicht nur nicht bei manchem hiesigem Fussballverein-Führung. Das ist aber eine etwas andere Geschichte.

    • Nun ja, ich liebe halt dieses Land und wenn ich mir ansehe was aus Deutschland wurde und andere Länder mit Portugal so vergleiche…. 

      Ja die Präsidenten der Klubs sind halt gierige Politiker. Aber als Kontrast haben wir die Träume der kleinen Ronaldos und die WM und EM-Titel bei den Jugendmannschaften zeigt es.

  2. Fakt ist, das es immer schon randalierende Fußball-Fans gibt. Was aber jetzt in Frankreich ( Marseille ) abgeht, wird von den Medien mal wieder falsch dargestellt.

    Dazu ein Artikel, Sputnik : Kripo-Experte: Problem bei EM sind NICHT die FANS, sondern Maghrebiner. Offizier der französischen Kriminalpolizei spricht Klartext.

    Ich lehne jede Gewalt ab, aber genauso auch die Verlogenheit der Medien und Politiker die nämlich die Engländer und Russen als Sündenböcke der Massenschlägereien in Marseille darstellen wollen.

     

     

    • Also echt. Geht's noch? Mahgrebiner??? Komische Mahgrebiner mit Alkoholfahne die nach schlechem englischem Bier stinkt!! Meine Güte Emma. Glaubst auch jeden Müll wenn er nur gegen den Islam hetzt auch wenn das ganze mit diesem Thema absolut NULL zu tun hat. Schau dir einfach mal die LIVE BILDER an. Engländer provozieren Russen, damit die WM 2018 nicht in Russland stattfindet. 

  3. Tut mir leid dass ich meckern muss, aber wenn man solche Beiträge schreibt, sollte man gewisse Fehler wirklich nicht machen! 

    Es heisst "als" nicht "wie" !

    *Meckermodus off

    Entschuldigung, es war mir ein Bedürfnis 

    • Meckermodus? Nein, ganz und gar nicht. Ausbessern ist nicht nur erlaubt, es ist sogar erwünscht. Viele Jahre im Ausland haben eine gewisse Verwässerung zur Folge.

      Danke Yvo.

      • Ach, Ihr Beide.– Einigt Euch doch einfach auf:

        Grüne Gurken sind  länger "…ALS  WIE…"  Tomaten!

        Braune Schuhe halten wärmer ALS WIE schwarze!

        Über den Berg ist es kürzer ALS WIE durch die Stadt.

        Dann ist jedem Recht getan! Oder??

  4. Der Unterschied zwischen den Gladiatoren im "Alten Rom" und den Gladiatoren – Fußballern der neuzeit besteht nur in dem Millionenverdienstt! Ich oute mich hier als absoluter Hasser dieser neuzeitlichen Gladiatorenspiele. Leider kann ich mich nicht wehren gegen die von mir zwangsweise zu bezahlenden Aufpreise auf die Produkte so vieler Konzerne durch deren Werbung zur Finanzierung und Bezahlung dieser Gladiatoren. Und ganz Deutschland ist im Gladiatoren WM Fieber.??– Einschaltquoten gestern Abend ARD: 4,7 Millionen. Noch wohlmeinend 2 Millionen Zuschauer bei den öffentlichen Saufgelagen vor den Großleinwänden hinzugerechnet sind rund 7 Millionen. Da macht es Mut zu den rund 70 Millionen dazugehörend, denen diese Gladiatoren Spielen am Hinterteil vorbeigehen.

    Was haben diese Gladiatoren, (außer ihren Millionen), und deren Fans im Kopf??  Einen Fußball! — Und was befindet sich in einem Fußball?   LUFT!!!!—-Weitere Schlußfolgerung überlasse ich dem geneigten Leser!

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