Österreich: Reformen per Statistiktricks?

Nach dem "Schmäh" mit den Asylbewerberzahlen fehlt nur noch, dass der neue Bundeskanzler, Christian Kern, auch bei den Arbeitslosenzahlen, dem Wirtschaftswachstum und der Staatsverschuldung "Reformen" mittels Statistiktricks durchführt.

Von Marco Maier

Wie kann man ein Land reformieren, ohne dafür wirklich etwas tun zu müssen? Ganz einfach: Indem man Statistiktricks anwendet. Wie man das umsetzen kann, hat Neo-Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) gezeigt, als es um die Festlegung der Zahlen für die Flüchtlinge ging, die für die "Obergrenze" von 37.500 Personen in diesem Jahr ging.

Hieß es bislang stets, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits 22.000 Asylbewerber einen Antrag stellten, so sprach Kern beim Ministerrat plötzlich von 11.000. Denn Innenminister Sobotka (ÖVP) will die sogenannten "Dublin-Fälle" nicht miteinbeziehen. Das sind jene, die nachweislich über ein sicheres Drittland nach Österreich gelangten und für die zumindest theoretisch dieser Staat verantwortlich ist. Zudem würde ja nicht jedes Asylverfahren positiv verlaufen, so dass man hier ja auch noch die Zahlen herunterrechnen kann.

Da kann man nur noch sagen: Hurra! Wenn man schon in diesem Fall so arbeitet, kann man das ja auch bei anderen Themen genauso machen. Christian Kern kennt sich damit ja wunderbar aus. Immerhin konnte er ja auch ständig steigende Rekordgewinne bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) vorweisen. Dass diese nur deshalb zustande kamen, weil die Republik immer mehr Geld zugeschossen hat, interessiert hinterher niemanden mehr, oder?

Jetzt fehlt nur noch eine Möglichkeit, wie man beispielsweise die hohe Arbeitslosigkeit reduzieren kann. Wir hätten da ja so rund 100.000 Arbeitslose ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Warum zählt man die überhaupt mit? Immerhin könnten die ja – wie Josef Urschitz in einem "Presse"-Kommentar anmerkte – auch theoretisch in ihren Heimatländern arbeitslos sein, oder?

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Dann gibt es noch einen kleinen Geheimtipp in Sachen Wirtschaftswachstum und Staatsschulden: Österreich könnte es den USA nachmachen und auf eine stark hedonische Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) setzen. Grob geschätzt könnte man so (wenn man das rückwirkend bis zum Jahr 2000 macht) ein locker um rund 10-15 Prozent höheres BIP erzielen. Das heißt: Anstatt von 337,3 Milliarden Euro im Jahr 2015 hätten wir dann schon mal bis zu 390 Milliarden Euro vorzuweisen. Bei einem Schuldenberg von 290,7 Milliarden Euro bis Ende 2015 wären das dann nicht mehr 86,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, sondern nur mehr 74,5 Prozent. Klingt doch gut, oder etwa nicht?

Das Problem an der ganzen Sache ist eben nur: Man kann mit den Statistiken herumtricksen wie man will – am Ende zählen dann eben doch nur die harten und nackten Fakten und nicht irgendwelche Zahlenspielereien. Aber so weit zu denken liegt wohl weder Bundeskanzler Kern, noch sonst wem in der Bundesregierung. Immerhin will man ja Erfolge vorzeigen können – auch wenn diese fiktiver Natur sind – um so die Chancen auf eine Wiederwahl zu erhöhen. Die Leidtragenden sind dann aber die Menschen in Österreich, deren Zukunft wegen diesen Leuten verspielt wird.

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3 Kommentare

  1. Einen Tipp von mir: Drogenhandel, Prostitution, Menschenhandel, Vergewaltigungen u.s.w. mit in das BIP einrechnen. Funktioniert hervorragend! 😉

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