Öl oder Tourismus – Portugals Algarve kämpft gegen Ölkonzerne (Teil 2)

Die Bewohner der Algarve und anderer Küstenabschnitte befürchten ein Szenario wie bei der Ölpest an der Südküste der USA, als eine Bohrplattform auf hoher See durch einen Hurrikan vom Bohrloch gerissen wurde. Das wollen die Portugiesen nicht. Auch die Möglichkeit im Hinterland mit Fracking – oder auch mit „normalen“ Bohrungen – Öl und Gas zu fördern, stößt auf keinerlei Gegenliebe.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Fortsetzung des ersten Artikels von gestern.

Der Gesetzentwurf des BE

Die Initiative des linksliberalen Bloco Esquerda, „sieht die sofortige Aussetzung der Verträge, über die Förderung von Kohlenwasserstoffen an der Algarve vor und beinhaltet das Verbot des Extrahierens und der Förderung von Schieferölen oder Gasen in Portugal.“ (Fracking). In ihrem Kommuniqué erklären sie weiter. „In den letzten fünf Jahren wurden an verschiedene private Unternehmen Konzessionen erteilt (…) die fast das gesamte Gebiet der Algarve abdeckt“. Des weiteren wurden diese Verträge ohne dem Wissen der Städte und Gemeinden ausgehandelt, was laut BE zu großem Unmut in den Stadtverwaltungen und der Bevölkerung geführt hat. Daher regt sich große Gegenwehr.

Die Begründung für die Initiative – als müsste man das noch groß begründen – ist die Erhaltung der Gebiete der „Rede Natura 2000“, die einige Naturparks und Naturschutzgebiete umfasst. Dazu zählen, der „Parque Natural Ria Formosa“, „Reserva Natural do Sapal“, „Reserva Natural Castro Marim“, „Reserva Natural Vila Real de Santo António“ und der „Parque Natural do Sudoeste Alentejano“, sowie der „Parque Natural da Costa Vicentina“. In ganz Portugal setzt auch die Wirtschaft seit langem auf sanften Tourismus als Ergänzung zum klassischem „Strand, Meer und Sonne“-Tourismus. Sicher ist aber auch, dass die Strände selbst gefährdet sind. Es gibt keine saubere Bohrung und die geplanten Offshore-Plattformen sind mit dem Tourismus an der Algarve unvereinbar.

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João Vasconcelos, der Abgeordnete des BE für den Distrikt Faro, weist darauf hin, dass Portugal sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben hat und auf eine karbonfreie Wirtschaft setzt. Daher macht es seiner Meinung nach auch keinen Sinn, wenn in der Praxis das genaue Gegenteil gemacht wird. Der Tourismus ist eine der größten Einnahmequellen Portugals und diese Steuergelder, Arbeitsplätze und Sozialbeiträge wären schon bedroht, selbst wenn kein Öl an die Strände gespült wird. Allein die Möglichkeit, der Gedanke, die Vorstellung von Ölverschmierten Vögeln, toten Fischen und stinkenden Ölteppichen an den Stränden der Algarve oder der Atlantikküste, würde große Einbußen im Tourismus und damit in der gesamten Wirtschaft des Landes bedeuten. Die Algarve mag ja ein zweites Standbein brauchen, aber das darf nicht etwas sein, dass dem anderem Standbein schadet. In der Landwirtschaft hat die Region traditionell gute Resultate und in diese Richtung wurde in den letzten Jahren auch viel investiert. Vom Fracking verseuchtes Grundwasser wäre da natürlich Gift – im wahrsten Sinne des Wortes – für die vielen innovativen Projekte in der Landwirtschaft.

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Doch nicht nur die Linksliberalen vom Bloco Esquerda haben den Öl-Multis den Kampf angesagt. Auch die portugiesischen Grünen (PEV), die Lokalbehörden, Städte und Gemeinden, Umweltschutz- und Bürgerinitiativen wie die PALP (Plataforma Algarve Livre de Petroleo) oder auch der Vereinigung der Gemeinden der Algarve AMAL, kämpfen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Verträge, die vorwiegend von der Ex-Regierung unter Passos Coelho mit verschiedenen Öl-Multis geschlossen wurden.

Fazit der Diskussion

Repsol, Galp, Portfuel, Partex, ENI, Oracle Energy, Australis, Kosmos und Panoceanic, mal alleine, mal in Konsortien, sind die Unternehmen, die derzeit in Portugal und vor der portugiesischen Küste nach Öl suchen. Sie alle haben nur ein Ziel: Ohne Rücksicht auf Umwelt oder Befindlichkeiten der Menschen viel Geld zu verdienen. Es muss jedem klar sein, dass keines dieser Unternehmen sich dafür interessiert was das Volk wünscht oder ob ihre Bohrung Arbeitsplätze schafft oder zerstört. Auch das Defizit, die Steuern und die Suppenküchen die von den Hotels und Restaurants der Algarve versorgt werden, sind ihnen egal. Der Gewinn ist alles was sie am Ende interessiert.

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Portugals verbrecherische korrupte und der Troika hörige Regierung der konservativ-bürgerlichen PSD und CDS von Ex-Premierminister Pedro Passos Coelho und seinem Vize Paulo Portas hat Verträge mit den Öl-Multis geschlossen, die im Sinne der Legalität und vor allem der Moral, äußerst fragwürdig sind. Jorge Moreira da Silva war der Minister für Umwelt, Territorialplanung und Energie der alten Regierung und daher verantwortlich für die genannten Konzessionen. Die neue Regierung hat diese Verträge vom Konsultativorgan der Staatsanwaltschaft prüfen lassen. Dazu sagte der neue Premierminister Antonio Costa, dass die Vorgängerregierung kurz vor den Wahlen eine schlechte Entscheidung gefällt habe. So scheint es formale Unregelmäßigkeiten bei der Vorlage des Arbeitsplanes zu geben und auch die Hinterlegung einer Kaution und der Abschluss einer entsprechenden Versicherung wurden – insbesondere von der Portfuel – nicht eingehalten. Eine Annullierung der Verträge wird also derzeit geprüft. Es ist unwahrscheinlich, dass gegen den Willen der Bevölkerung an der Algarve oder anderswo in Portugal Bohrtürme wachsen. Doch jetzt, wo das Volk erwacht ist, darf es nicht wieder einschlafen. Denn wie ein Raubtier warten die Ölmultis nur auf den passenden Augenblick um zuzuschlagen.

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2 Kommentare

  1. Das darf doch nicht wahr sein. Lernen diese Trotteln nie dazu? Eine gierige Bande, der es auch nichts ausmachen würde, wenn das eigene Enkelkind an Umweltschäden erkrankt. Nein, das hab ich selbst gehört. Die leben nur im Jetzt und denken an keine zukünftigen Generationen. Ein Hoch den mutigen Leuten, die solche Verbrechen aufdecken. Hoffentlich kann geblockt werden.

  2. Eine umfassende und objektive Bestandaufnahme. Dennoch: Der aktuellen weltweiten Erdöl- bzw. Gasförderung-Orgie entspricht eine nicht mindere Konsum-Orgie dieser Produkte, in direkter oder indirekter Weise. 

    Zwar wer ist in weiten Teilen der heutigen Welt bereit, auf Lufttransport für alles Erdenkliche zu verzichten, einschliesslich für sich selbst? Dasselbe gilt selbstverständlich für andere Transportmittel. Es ist aber nicht nur die Mobilität: Was deren Verbrauch angeht, ist aktuell ein weit verbreiteter leichtfertigen Umgang mit Energie eindeutig.

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