Portugals ehemaliger Botschafter, unter anderem bei den Vereinten Nationen und Universitätsprofessor, Francisco Seixas da Costa, schrieb einen äußerst interessanten Meinungsartikel über die NATO im Jornal de Noticias. Der Mann trifft den Nagel auf dem Kopf und daher möchte ich den Lesern von Contra Magazin den Inhalt seines Beitrags nicht vorenthalten. Denn was für Portugal zutrifft gilt durchaus auch für andere europäische Mitgliedstaaten.

Von Rui Filipe Gutschmidt

„Die NATO hat angekündigt, dass sie das militärische Kontingent in Osteuropa, an den Grenzen Russlands verstärken wird.“ So beginnt der Dozent von der Universität Lissabon seinen Artikel. Es ist seine Auffassung, dass die Politiker, Militärs und die Gesellschaft allgemein, nicht gerne über Portugals Rolle in der NATO reden und es eine Art Tabu ist, die NATO als Instrument der US-Politik zu bezeichnen, oder gar zu kritisieren. Sicherlich ist ein kleines Land wie Portugal darauf angewiesen in einem Bündnis mit anderen, starken Nationen seine Sicherheit zu gewährleisten. Doch darf das nicht dazu führen, dass man völlig unkritisch zum Handlanger der US-Interessen wird. Denn alle wissen noch, wie der damalige Premierminister, der konservative (PSD) Durão Barroso, auf dem US-Stützpunkt „das Lajes“ auf den Azoren, das Gipfeltreffen organisierte, auf dem Bush Jr., Tony Blair, José Maria Azenar und Durão Barroso den Angriff auf den Irak beschlossen.

Der Autor des Artikels denkt dennoch, „mit größter Aufrichtigkeit“, dass das Projekt NATO weiterhin gerechtfertigt ist und dass Portugal ein strategisches Interesse daran hat weiter in der NATO zu bleiben. „Die Allianz hat ihre Natur mit dem Ende des Kalten Krieges verändert, aber es gibt immer noch Risikoszenarien, die die NATO noch rechtfertigt.“ So wäre Russland zwar kein Feind, wäre aber auch kein voll demokratisches Land, würde keine Garantien bieten, dass sie sich „in einem strengen Rahmen an das Völkerrecht halten.“ Seiner Meinung nach, könnte nur die NATO gegenüber Russland das Respektieren der "roten Linien" gewährleisten. Doch was zunächst klingt wie ein Loblied auf die NATO, nimmt im weiterem Text ganz andere Formen an.

„Was ich bisher schrieb hört sich an, als wäre die NATO und ihre Arbeit eine gute Sache.“ Doch seiner Auffassung nach stört hierbei die Tatsache, dass die Organisation sichtbar "entführt" wurde und in den letzten Jahren, ja sogar Jahrzehnten, für eine Agenda der radikalen politischen und militärischen Missionierung seitens der USA genutzt wird. Dabei nutzen die US-Amerikanischen Interessensgruppen die Paranoia einiger Länder, um die Erweiterung der NATO bis an die Grenzen Russlands zu verlegen. Donald Rumsfeld sprach von einem "neuen Europa" im Kontrast zum „alten Europa“ und rühmte sich auch noch den Rest des Kontinents für die NATO zu gewinnen. So sagt da Costa weiter: „Was in der Ukraine geschieht, unter Mittäterschaft einer Europäischen Union, welche die Dummheit begeht, sich in diese klar provokative Politik hineinziehen zu lassen und es somit zulässt, dass das geopolitische Gleichgewicht, welches schon bewiesen hatte ein Eckpfeiler der allgemeinen Sicherheit zu sein, gestört wird, zeigt das mit der Geschichte zu spielen einen sehr hohen Preis hat.“

Das kleine Portugal ist natürlich von der NATO abhängig und jeder Versuch das Bündnis zu verlassen, hätte katastrophale Folgen. Besonders jetzt, wo ein Linksbündnis regiert, schauen alle Transatlantiker ganz genau darauf wie sich Lissabon im Bezug auf die NATO verhält. Trouble-Maker werden abgestraft, sei es finanziell oder durch Unterstützung der NATO-freundlichen Kräfte im Land. Daher muss sich die Regierung in Lissabon zurückhalten und erst einmal schlucken – Frösche, Kröten oder was auch immer, denn: „Mit der NATO spielt man nicht!“ So meint da Costa, dass er das soweit auch akzeptieren kann oder es zumindest versteht. Doch hofft er auch dass Lissabon, im Zuge einer NATO die einen gefährlichen Weg eingeschlagen hat und eine paranoide Sicht von Moskau hat, trotzdem den Mut aufbringt, laut und deutlich auszusprechen, was jeder mit gesundem Menschenverstand denkt: „Mit dem FRIEDEN spielt man nicht!“

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So hat Francisco Seixas da Costa den Nagel auf den Kopf getroffen. Die NATO ist zum Machtinstrument einer größtenteils in den USA beheimateten Finanz und Industrielobby, einer Oligarchie und ihrem Neofeudalismus geworden (mehr denn je), die es gemeinsam zu bekämpfen gilt. Wenn Europa ein Militärbündnis braucht, weil die einzelnen Staaten sichtbar zu klein und damit zu schwach sind, dann heißt das noch lange nicht, dass man die Drecksarbeit der USA erledigen muss und sich von diesen Wahnsinnigen in den dritten Weltkrieg hineinziehen lässt. Nein, mit dem Frieden spielt man wirklich nicht!

 

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12 thoughts on “Mit der NATO spielt man nicht – Mit dem Frieden schon gar nicht!”

  1. Der Wahnsinn besteht darin, dass die USA noch nie einen Weltkrieg auf ihrem Territorium hatten und sich offensichtlich-aus wirtschaftlichen Gründen- maßlos überschätzen.Wenn man sich die Kriege in den letzten Jahrzehnten anschaut, bekommt man von diser anderen etwas vorgaukelnden  "Friedensmacht" langsam aber sicher immer intensivere Abstandsgefühle. Auch gewisse Vorurteile  gegenüber  die Hochgeborenen kamen nicht vom Himmel gefallen.

    1. So ist es. Auch ich war als einer im Westen geborener von unseren Befreiern überzeugt bis hin zur sogenannten Verteidigungsstrategie der Nato, die uns allen als existenzielle Institution verkauft wurde. Erst nach der Wende wurde mir klar, was für ein schändliches Spiel betrieben wurde und das die eigentlichen Agressionspotentiale auf westlicher Seite unter der Führung der Amis liegen. Wenn man sich alle geschlossenen Verträge zwischen den Alliierten und der Sowjetunion durchliest kann man nur zu dem Schluß kommen, daß sich Russland mehrheitlich vertragsgemäß bis zum heutigen Tage verhalten hat, was man von der Nato und den einzelnen Mitgliedsstaaten nicht behaupten kann. Selbst die neueste Anschuldigung, Rußland würde sich entgegen der UN unberechtigt in Syrien aufhalten ist eine Farce, denn Assad ist ein legitim gewählter Präsident und wenn er um Hilfe bittet, so ist das die ureigenste Angelegenheit zwischen Syrien und Rußland und hat weder die UN noch die Amis und ihre Vasallen zu interessieren. Da wird wie immer vom Westen wieder ein Konstrukt aufgebaut um das eigene illegale Eingreifen zu legitimieren, nur die aufgeklärten Bürger kaufen denen nichts mehr ab und das ist das größte Problem. Im Prinzip handeln sie nicht nur innenpolitisch gegen ihre Völker, sie haben auch Außenpolitisch die Mehrheit gegen sich und das wird auf Dauer nicht gut gehen.

  2. Die NATO hat keine Existenzberechtigung mehr…..sie ist, wie im Artikel geschrieben zum reinen Machtmittel der US-Interessen verkommen. 

     

  3. OT? Apaches vom Leipziger NATO-Flughafen gestartet:

    https://www.youtube.com/watch?v=UnFzZBJK4iw

    Laut 2+4 Vertrag ist die Stationierung von US/NATO-Truppen auf ostdeutschem Gebiet untersagt. Haben die Ami-Faschos nun den Vertrag aufgekündigt oder wie soll ich das verstehen? Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Nachricht letzter Woche, dass sämtliche zivile Anhängsel der Besatzer aus Ramstein ausgeflogen wurden…

  4. Weiss nicht wie alt Herr Francisco Seixas da Costa ist. Ich meinerseits bin auch portugiesischer Staatsbürger, Jahrgang 1948, und als die NATO April 1949 in Washington gegründet wurde, war ich noch ein kleines Baby. Mitbegründer der Organisation war der portugiesische Diktatur-Staat unter der Führung des António de Oliveira Salazar. Die Rückendeckung, die das Salazar-Regime seitens der Organisation fortan genossen hat, ist allerdings für dessen Verewigung (bis 1974) von Bedeutung gewesen. Hoffe, dass sich Herrn da Costa dieses Umstandes bewusst ist.

    1. Ja, er ist ebenfalls Jahrgang 1948…

      Hier seine Biographie…

      https://pt.wikipedia.org/wiki/Francisco_Seixas_da_Costa

      … Nun ist es für einen Vollblutkapitalisten schon ein grosser Schritt so kritisch zu sein. Genau darin liegt ja die Besonderheit dieses Artikels. Es ist nicht was drin steht, denn das ist noch sehr zurückhaltend, Es geht darum WER diese Worte spricht. Vielleicht kommt das nicht so gut rüber. Ich bitte dies zu entschuldigen.

      1. Vielen Dank, habe ja die Grundidee Deines Artikels eindeutig verstanden. Wenn Herr Costa schreibt, dass die Organisation "entführt" worden ist, da hat er doch Recht. Dabei ist es auch wichtig zu wissen, dass Portugal samt Hoffnung auf ein demokratisches Dasein seitens von vielen hier sozusagen von der Organisation 1949 "entführt" worden sind. Das Thema ist ja zu wichtig, dass man darüber nicht Klartext redet. Es muss auch gesagt werden, dass das auch nicht zu den typischen Tugenden hier zu Lande zählt.

         

  5. Auf einem groessen Kriegs Graeber DENK Mal steht: Wir kaempften mit allen Waffen im Krieg.  Kaempfe Du mit allen Mitteln fuer den Frieden.

     

    Besser haette man die Aufforderung an jeder Einzelnen von uns allen nicht sagen koennen.

    1. Vor allem ist der Krieg in den Augen jener gerechtfertigt, die durch ihn ihre Ziele mit dem Aufbau von Feindbildern erreichen wollen und wenn dabei die Krim nicht ausreicht, dann versucht man es mit einem Cyber War. Wie primitiv!

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