Glyphosat: Koalitionsstreit wegen Zulassungsverlängerung – EU-Abgeordneter verlangt Auflagen

Schmidt wirf Hendricks vor, sie würde die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat nur aus politisch-taktischen Gründen und nicht wegen wissenschaftlichen Erkenntnissen ablehnen. Eine neuer Koalitionsstreit ist entbrannt. EU-Abgeordneter LIese ist der Meinung, eine Zulassungsverlängerung solle an strenge Auflagen gebunden werden.  

Von Redaktion/dts

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat vor der für heute geplanten EU-Abstimmung über eine verlängerte Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat heftige Kritik an der SPD und seiner für Umwelt zuständigen Kabinettskollegin Barbara Hendricks (SPD) geübt. "Grundsätzlich sehe ich es mit Sorge, dass in einer solchen Frage Politik nach Belieben betrieben wird und nicht auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse", sagte Schmidt der "Rheinischen Post".

Die nationalen und internationalen Wissenschaftler seien nach der Auswertung von mehr als tausend Studien und Beiträgen zu dem Ergebnis gekommen, dass an der Unbedenklichkeit des Wirkstoffs Glyphosat bei fachgerechter Anwendung keine Zweifel bestehen.

"Und nur diese Forschungsergebnisse hätten die Entscheidung über die Zulassungsverlängerung beeinflussen dürfen – und nicht etwa politische Taktik oder Ideologie", sagte Schmidt als Reaktion auf Äußerungen der SPD und der Umweltministerin. Die SPD hatte sich gegen eine Verlängerung zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen und verwies auf mögliche Gesundheitsrisiken. Wegen des internen Koalitionsstreits will sich Deutschland bei der Abstimmung in Brüssel enthalten.

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese hat für den Vorschlag der EU-Kommission für eine Verlängerung von Glyphosat geworben: Die Verlängerung solle jedoch begrenzt und unter strenge Auflagen gestellt werden, sagte der CDU-Abgeordnete dem "Deutschlandfunk". "Es ist ein Stoff, der relativ gut erforscht ist und den man besser kennt als andere Stoffe. Ein sofortiges Verbot von Glyphosat würde möglicherweise dazu führen, dass man andere Stoffe einsetzt, die weniger erforscht sind, aber nicht unbedingt weniger gefährlich", warnte er.

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Liese kritisierte die Ankündigung der Bundesregierung, sich bei der EU-Abstimmung zu enthalten: "Das ist peinlich, weil der größte Mitgliedsstaat, der auch sehr viel Know-how in dieser Frage hat, eigentlich die Lösung bringen müsste und nicht eine Lösung verzögern müsste", sagte der CDU-Politiker. "Ich finde es schade, dass die Europäische Kommission am Anfang eine sehr, sehr großzügige Regelung vorgeschlagen hat mit 15 Jahren Verlängerung und ohne wesentliche Einschränkung.

Das war nicht angemessen und da hätte Deutschland eigentlich mit einem Vorschlag, der eine sehr viel strengere Handhabung und eine sehr viel kürzere Frist vorgesehen hätte, das Thema lösen können." Die derzeit gültige Zulassung für Glyphosat läuft Ende des Monats aus. Vertreter der EU-Staaten wollen am Montag über eine vorläufige Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels abstimmen.

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5 Kommentare

  1.   "Ein sofortiges Verbot von Glyphosat würde möglicherweise dazu führen, dass man andere Stoffe einsetzt, die weniger erforscht sind, aber nicht unbedingt weniger gefährlich", warnte er.

    Na bitte, da geben sie es doch selber zu: Glyphosat ist also gefährlich. Also weg damit.

  2. Wenn es nach o b j e k t i v e n ,glasklaren Gutachten und nicht nach dem eingefädelten Gutachten des Amtes für Risikoforschung  feststeht, dass dieses Teufelszeug zu Krebs, Asthma ,Gendefekten ua führt  und man da noch Zirkus um ein  Totalverbot macht, dokumentiert das , in welcher pervertierten Welt wir leben..

    1. @Inga, es gibt keine öffentlichen Studien von Behörden, die nicht vorher über den Tisch des Herstellers gehen, das ist Monsanto bzw. auch Bayer vertraglich zugesichert. Zudem drehen sich alle Studien nur um Glyphosat. Gl. ist nur ein Wirkstoff von ROUNDUP, weitere Zusätze dieses auch für den Verbraucher erhältlichen Mittels sind z.B. Tallowamine, die nicht minder toxisch sind. Und die Gesamtheit der toxischen Chemikalien in Roundup ergibt ein um ein vielfaches höheres toxisches Potential als der in der Diskussion stehende Wirkstoff Glyphosat (einst als chemischer Kampfstoff entwickelt).

  3. Übrigens für alle Behördensesselwärmer.

    Eine Alternative für Glyphosat ist übrigens Essigsäure. Ganz leicht und preiswert herzustellen, vollkommen unproblematisch im Abbau und es gibt da rein gar keine Patente, die man fürchten müsste.

    Und das könnte auch gleichzeitig den Nachteil für die Konzerne darstellen und somit für die Handlanger (nennen wir sie mal Politiker) als Argument angeführt werden.

    Essigsäure hat bei vielen Anwendungen exakt den gleichen effekt, nur baut es sich leichter und umweltfreundlicher weider ab.

     

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