Damit Saudi-Arabien von jener Liste gestrichen wird, auf der Länder stehen, die für den Tod von Kindern in Konfliktzonen verantwortlich sind, greift Riad zu Erpressungsmaßnahmen. Und es wirkt.

Von Marco Maier

Mittels sogenannter "soft power" und direkter Erpressung reagieren die Saudis darauf, dass sie auf der UN-Liste gelandet sind, welche jene Staaten anprangert die für den Tod von Kindern in Konfliktzonen verantwortlich sind. Vor allem geht es hierbei um die gezielten Angriffe der Saudi-Koalition auf zivile Infrastrukturen im Jemen, bei denen auch Krankenhäuser und Schulen gezielt unter Beschuss genommen werden.

Mittels des eigenen Medienimperiums, zu dem al-Arabija gehört und auch in der arabischen Welt einflussreiche Zeitungen wie al-Awsat oder al-Hayat, sorgt das saudische Königshaus für eine entsprechende Stimmung in der arabischsprachigen Öffentlichkeit. Aber auch die engmaschigen Netzwerke der Saudis in den USA (wozu auch die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zählt) gehören zur saudi-arabischen Öffentlichkeitsarbeit.

Das US-Magazin "Foreign Policy" berichtete davon, dass saudi-arabische Diplomaten – inklusive Außenminister al-Jubeir – der UN-Führung deutlich machten, dass das Land alle Hebel in Bewegung setzen werde, falls die Vereinten Nationen Saudi-Arabien nicht von der rufschädigenden Liste streichen würde.

Darunter fallen die Streichung von Finanzmitteln für UN-Organisationen zur humanitären Hilfe, wodurch diese wohl um ein paar Hundert Millionen Dollar umfallen würden. Aber auch der Einfluss Riads auf andere arabische Regierungen und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) würde geltend gemacht, um so die Beziehungen zu den Vereinten Nationen abzubrechen. Hinzu sollen saudische Kleriker damit gedroht haben, eine Fatwa gegen die UN zu erlassen und die Organisation als "anti-muslimisch" zu brandmarken.

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Doch die Meldung des US-Magazins ließ in Riad wohl die Alarmglocken läuten. Immerhin wollte man ja den Druck auf die Politik ausüben und das Ganze nicht medial in der Öffentlichkeit diskutiert sehen. Nun versucht die UN-Vertretung Saudi-Arabiens, sich in Schadensbegrenzung zu üben.

Allerdings hat der Druck Riads gewirkt. Ban Ki-moon strich Saudi-Arabien von der Liste mit dem Titel "Kinder und bewaffnete Konflikte". Im offiziellen Wortlaut heißt es: Der UN-Generalsekretär "akzeptierte einen Vorschlag von Saudi-Arabien, dass die UN und die von Saudi-Arabien geführte Koalition im Jemen sich die Fälle und Zahlen, die im Text genannt werden, gemeinsam neu anschauen". Oder wie man den typischen Politikersprech in deutliche Worte bringt: Ban Ki-moon hat sich nach ausgibiger Rektalakrobatik dazu entschlossen, Saudi-Arabien von der Liste zu streichen und sicherte den UN damit weiter die Geldmittel des wahhabitischen Königreichs.

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5 thoughts on “Gegen die UN: Saudi-Arabien setzt auf Erpressung”

  1. Moral und Ethik? Nicht da wo Geld und Profit regiert. Die UN hat ausgedient, besser gesagt wird langsam zu einem ernsten Problem für den Weltfrieden.

  2. Wenn es auch nicht ganz ins Konzept hier passt . Die Saudis bekommen Angst ! Aussage eines Bekannten der bei den Saudis arbeitet . Ein Teil der alten Saudiherrschaft fühlt sich von den Amis überfordert und hintergangen . Der Jemenkrieg von den Amis angezettelt und der Verlauf des Syrien Kriegs , Intrigen der Amis wurden den Saudis zugeschoben , hat den Saudis schwer geschadet . Wahrscheinlich versuchen die Saudis jetzt über die UN international etwas Land zu gewinnen .

  3. Saudi-Arabien hatte 2015 sogar den Vorsitz im UN-Menschenrechtsrat. Ich dachte erst, dass ist ein Aprilscherz, war es aber nicht. Die ganze amerikanisch dominierte UN ist unglaubwürdig und korrupt, wie man sieht.

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