Das AKW Almaraz. Foto: Youtube

Portugiesen und Spanier haben an diesem Samstag gemeinsam in Cáceres für die Schließung des obsoleten Kernkraftwerks von Almaraz protestiert. Die gemeinsame Iberische Demo brachte nur 2.500 Demonstranten zusammen wobei 600 aus Portugal kamen. Obwohl bei einem Unfall das radioaktiv verseuchte Kühlwasser Tejo abwärts bis nach Lissabon alles verstrahlen würde, ist das Thema in den Köpfen der Menschen nicht genügend präsent.

Von Rui Filipe Gutschmidt

„Es war ein großer Erfolg. Seit 1987 haben nicht so viele Menschen an einer Demo gegen die Atomkraft teilgenommen.“ So äußerte sich Samuel Infante, der Medienprofi der Umweltorganisation Quercos gegenüber der Nachrichtenagentur Lusa. Diese kaum nachvollziehbare Euphorie erklärt sich durch die erfolgreiche Ablehnung der Atomkraft in Portugal. Die Portugiesen hatten nur selten mit Versuchen zu tun, ein AKW in ihrem schönen Land zu bauen. Die allgemeine Ablehnung ist der Hauptgrund hierfür und da das Land große Flüsse, viel Wind und noch mehr Sonne hat, lohnte sich auch keine Investition in diese gefährliche Technologie.

Die Demonstranten erhoffen sich einen Richtungswechsel von der spanischen Regierung. Insgeheim hoffen die Teilnehmer aber auf eine neue Regierung, nach den in kürze stattfindenden Wahlen. Spaniens Premierminister Mariano Rajoy und sein konservativ-bürgerlicher Partido Popular (PP) hält jedenfalls an der Atomkraft fest. Die Laufzeit der zwei Reaktoren von Almaraz hätte 2010 auslaufen müssen. Unter massivem Protest wurde die Laufzeit bis 2020 verlängert. Es ist eine überalterte Anlage die auf Grund ihrer großen Störanfälligkeit eine tickende Zeitbombe ist.

Catarina Martins vom linksliberalen Bloco Esquerda (BE) mahnte: „Almaraz liegt 100 Kilometer von der portugiesischen Grenzstadt Castelo Branco entfernt am Rio Tejo (span. Tajo). Bei einem Unfall bekommt Portugals Bevölkerung die Konsequenzen am stärksten zu spüren.“ Des Weiteren bekräftigte die energische Frontfrau des BE die Notwendigkeit, einer stärkeren Intervention der portugiesischen Regierung, die sich bislang von den Bekräftigungen Madrids, das AKW sei sicher, beschwichtigen ließ. Der Demonstrationszug hatte einige Mitglieder von linken Parteien aus beiden Ländern zusammengefüht, was man fast als eine Art Wahlkampf bezeichnen könnte. Doch ob Wählerfang oder nicht, es geht um eine akute Situation die nicht zu Propagandazwecken erfunden wurde.

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So ist der Abgeordnete der Tier und Umweltschutzpartei PAN (Personen, Tiere und Natur), André Silva, auch nach Cáceres gefahren, um noch einmal klar zu stellen, dass die Regierung Costa sich von Mariano Rajoy und den Spaniern nicht länger vertrösten lassen darf. Doch es war der spanische Umweltaktivist Chema Mazon vom Forum Extremeño Anti-Nuclear, der mit Zahlen und Fakten die Sorgen der Bürger untermauert hat: „Reaktoren, wie die in Almaraz, sind für eine Laufzeit von 15 bis 20 Jahre ausgelegt. Almaraz aber hat schon 35 Jahre auf dem Buckel, in denen es fast 2500 Störfälle gab. Dabei war einer der letzten Zwischenfälle besonders schlimm.“ So ähnlich wie in Tschernobyl, versagte das Kühlsystem und versetzte das Personal in Panik. Bei dieser Gelegenheit wurde das radioaktiv verseuchte Wasser in den Tejo geleitet und die Öffentlichkeit erst informiert, als die toten Fische, die kurz vor Lissabon aus dem Tejo gefischt wurden, bereits als Whistleblower einen Hinweis auf den Störfall boten.

Die Demo mag ja in den portugiesischen Medien präsent gewesen sein und die Abgeordneten des BE und des PAN sind dafür bekannt nicht locker zu lassen (Tierschutzrecht, Öl-Konzessionen Algarve und so weiter), aber das Gleiche gilt wohl nicht für Spanien. Dennoch könnte Spaniens Wahlkampf und – je nach Wahlergebnis – auch eine neue Regierung, das Ziel der Umweltaktivisten deutlich näher bringen. Der Kernkraftlobby Einhalt zu gebieten ist zwingend erforderlich. Auf die Spanier kommt es an, denn von den Korrupten, den Lobbyisten gegenüber unterwürfigen Eurokraten, kann man nichts erwarten. Noch nicht einmal die offenkundige Verletzung europäischen Rechts zu ahnden, die bei der Gefährdung für Umwelt und öffentliche Gesundheit eines Nachbarlandes besteht. In diesem Sinne, liebes „Forum Extremeño Anti-Nuclear“, dran bleiben!

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7 KOMMENTARE

  1. Ein durchaus positiver Ansatz. Wann werden hier die Menschen darüber hinaus auch gegen Otto- und Diesel-Triebwerke und sonst auch gegen Düsentriebwerke auf die Strasse gehen? Die hochschädlichen Partikeln deren Abgase sind sonst genauso unsichtbar wie die atomaren Partikeln, jedoch auf Dauer nichtsdestoweniger gefährlich.

  2. Ich glaube es  gibt schon lange Möglichkeiten Energie ohne Kohle, Gas und Öl herzustellen. Das will ader die Öl und Autoindustrie nicht. Da wären ja die Kriege ums Öl und die Sanktionen gegen Russland nutzlos.

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