Zu fünf Jahren und zehn Monaten bzw. fünf Jahren sind der Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet" und dessen Hauptstadtbüroleiter verurteilt worden. Ihr "Verbrechen": Aufzeigen, wie die türkische Regierung Terroristen unterstützt.

Von Marco Maier

Die Urteilsverkündung gegen Can Dündar und Erdem Gül zeigt auf, dass sich die Türkei durchaus mit den USA (Manning, Snowden…) Messen kann, wenn es darum geht, die eigenen Schweinereien zu verharmlosen und die Schuld auf jene abzuladen, die diese publik machen. Vor allem jedoch zeigt dies deutlich auf, was den Journalisten in der Türkei noch alles droht.

Zwar wurden die beiden Journalisten, die eine Reportage über eine geheime Waffenlieferung des türkischen Staates an IS-Kämpfer publizierten, vom Anklagepunkt freigesprochen, sie hätten die Regierung stürzen wollen und Spionage betrieben, doch für die "Veröffentlichung geheimer Dokumente" gab es eben diese fünf Jahre und zehn Monate bzw. fünf Jahre. Zudem werden sie noch in einem gesonderten Gerichtsverfahren wegen der angeblichen "Unterstützung einer Terrororganisation" Rede und Antwort stehen müssen – obwohl es der türkische Staat ist, der doch Terroristen unterstützt.

Die Türkei ist damit (wie viele andere Staaten auch) ein Paradebeispiel dafür, wie man ein repressives Regime aufbaut, in dem die Pressefreiheit sukzessive vernichtet und ein Klima der Angst geschürt wird. Auch die Orwellsche Begriffsumdrehung funktioniert wunderbar. Man muss sich nun die Frage stellen, wann es so weit ist, dass in der Türkei sämtliche Zeitungen die selben Inhalte aus einer staatlichen Redaktion verbreiten und nur der Name und die Titelseite anders sind.

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2 KOMMENTARE

  1. Es gibt nur einen Staat, in dem tatsächlich Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit gilt. Das sind die VSA.

    In allen anderen Staaten hat man sich nach der Decke zu strecken. Wenn das zwei türkische Herren nicht begriffen haben, tun sie mir nicht leid.

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