Istanbul vom Bosporus aus gesehen. Bild: Flickr / Moyan Brenn CC BY 2.0

Gläubige Türkinnen sollten mehr Kinder bekommen und auf Verhütung verzichten, so Präsident Erdogan. Grund dafür ist aber nicht nur die Religion, sondern auch die demographische Verschiebung im Land. Denn die Kurden könnten bald schon die Bevölkerungsmehrheit stellen.

Von Marco Maier

In einer Rede in Istanbul, welche live im türkischen TV übertragen wurde, sagte Präsident Erdogan: "Wir wollen viel mehr Nachkommen haben. Andere reden über Verhütung. Keine muslimische Familie sollte so etwas tun." Als Begründung dafür gab er an, dass niemand "Gottes Werk beeinflussen" könne. Er richte seine Aufforderung in erster Linie an die Frauen.

Schon in der Vergangenheit versuchte Erdogan moralisch auf die türkischen Frauen Einfluss zu nehmen und ihnen vorzuschreiben, wie viele Kinder (nämlich mindestens drei Stück) sie bekommen sollten. Damals setzte er die Verhütung mit Verrat gleich. Doch Erdogans Moralpredigten resultieren nicht nur aus seinen religiösen, islamisch-konservativen, Motiven. Auch die Demographie spielt eine Rolle.

Denn während in der ethnisch von den Türken selbst dominierten Westtürkei die Geburtenrate seit Jahren zurückgeht, steigt sie im kurdisch dominierten Südosten stark an. Hinzu kommt, dass beispielsweise die Geburtenrate in der Westtürkei bei lediglich 1,5 Kindern je Frau liegt, es dort jedoch auch kinderreiche Familien gibt – und die sind ethnisch überwiegend der kurdischen Minderheit zuzurechnen, wie Demographen in einer Untersuchung feststellten. Das heißt: Bei den ethnischen Türken liegt die Geburtenrate tatsächlich noch niedriger.

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Ein Blick in den äußersten Osten und Südosten des Landes zeigt jedoch ein anderes Bild. In dieser Region, die vorwiegend von Kurden bewohnt wird, liegt die Geburtenrate im Schnitt bei 3,5 Kindern pro Frau. Weil es allerdings keine verlässlichen Zahlen aus den Volkszählungen gibt, kann man den Anteil der Kurden nur Schätzen, doch derzeit dürften bis zu 25 Prozent der türkischen Bevölkerung dieser Volksgruppe angehören.

Erdogans Ruf nach mehr türkischen Kindern und das muslimische Mäntelchen, welches diesen Ruf umhüllt, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Wirklichkeit auch ein demographischer Kampf ist, den die türkische Führung derzeit mit den Kurden führt. Denn wohl spätestens im Jahr 2050 könnten die Kurden die Bevölkerungsmehrheit in der Türkei stellen. Für die türkischen Nationalisten – auch jene mit islamisch-konservativem Profil – ist dies natürlich ein Horrorszenario.

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10 KOMMENTARE

  1. Tja, das verhagelt dem Sultan gehörig die gute Laune, trotz seiner ganzen Untaten und Verbrechen im Namen, der Wiederherstellung osmanischer Größe, werden die Türken das Schicksal der Deutschen teilen und zur Minderheit im eigenen Land werden! So schnell zerplatzen Großmachtträume, traurig, traurig.

    Kann mir ein schadenfrohes Grinsen leider nicht verkneifen!

    • Warum soll es den "Ethnischen" Türken besser gehen als deutschen, italienern, russen usw. Die Frauen sind doch keine Gebährmaschinen. Das die Kurden ein anderes Frauenbild haben sehen wir ja oft in Deutschland. Ehenmorde von Jessiden(Kurden) und anderen Kurden. Da diese Steinzeitdeppen oft den türkischen Pass haben melden die Medien nur "ein türke hat es getan"  Die Frau hat bei den Jessiden oder anderen Kurden leider nichts zu lachen. 

  2. Von Kanonenfutter und Karnickeln.

    In Deutschland hiess es frueher der erste Sohn für die Kirche, damit diese die deutsche Kolonie des heiligen roemischen Reiches weiter ausbauen kann. Der zweite Sohn fuer den Krieg um irgendwelchen Weltmachtstreben von Handelsvereinen nachzukommen und der Dritte fuer den landwirtschaftlichen Betrieb.

    Das Prinzip wurde mit dem ersten Weltkrieg gebrochen und der zweite Weltkrieg liess die Population komplett zusammenbrechen aus den damals ca 140 Mio sind bis heute noch ca 48 uebriggeblieben.

    Bei den Tuerken wurde es nach dem Krieg aus damals 17 Mio bis heute ca 80 Mio. Und dabei wird das Grossmachtstreben eine Rolle spielen.

    magret Albright sagte, dass 10 Deutsche genug seien und da werden wir uns bald auch hinbewegen, ob nun als familienloser Arbeitssklave unter der Dauerschuldknute oder im naechsten initierten Krieg mit Europa als Schlacht Feld.

    • Frau Albright gehört ja auch einer religiösen Gemeinschaft an, denen die Deutschen übel mitgespielt haben. Das sie keine Deutsche mag kann ich nachvollziehen.

  3. Wer den Islam über alles stellt..braucht sich nicht wundern über derlei dämliche Äusserungen.

    Vielleicht sollten bei Politikern bestimmte Intelligenztests vorgeschrieben werden..zum Schutz der Bevölkerung.

  4. Wenn der Türkei die Türken ausgehen, Westeuropa hat Millioenn davon zu bieten. Allein die BRD mindestens 4 Millionen (Lüge des Systems seit Jahrzehnten, real eher 6 bis 8 Millionen), die wir nicht brauchen und nicht wollen und nie gewollt haben, sie wissen schon, einfach mal an den gedeckten dt. Tisch selber einladen und dann niemals mehr gehen. Wir liefern sehr gerne frei Haus, alle. Nur das da keine Kurden dabei sind, dies können wir nicht garantieren, die muß der Sultan schon selber aussortieren und in den Irak / Syrien deportieren.

    • Die Hälfte von den 6-8 Mio. sind Kurden, von der anderen hälfte sind 50% arabischer Abstammung. Von den 2 Mio die über sind, sind etliche dabei deren Vorfahren aus dem Kaukasus dem Balkan und wer weis woher sind. Mit "Ethnischen" Türken sieht es eher mau aus. Die müssten dann aus Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisien und Nordwest-China kommen.

  5. Hat der Sultan nicht vor garnicht langer Zeit gesagt, daß die Türkei eine Atombombe hat, gemeint war die Gebärfreudigkeit der türkischen Frauen.

    Sicher waren nur die Türken in der BRiD gemeint.

    So gesehen hat er recht.

     

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