Ein hochrangiger Mitarbeiter des portugiesischen Geheimdienstes SIS, Frederico Gil Carvalhão, wurde in Rom verhaftet als er sich mit einem russischen Agenten traf. Er verkaufte Informationen über die NATO, die EU, Portugals politische und wirtschaftliche Situation und über die Pläne des Landes zur Nutzung der erweiterten Kontinentalplattform. Wo aber sind die Berichte über verhaftete US-Spione?

Von Rui Filipe Gutschmidt

Portugals Geheimdienste fokussieren ihre Augen für gewöhnlich auf Islamisten oder Terroristen wie die ETA, die das Land als Rückzugsgebiet nutzen, um dann in Spanien zuzuschlagen. Ihnen war so langweilig, dass sie in der Zeit der Troika-Regierung die Opposition, Journalisten und die Staatsanwaltschaft ausspioniert haben. Auch haben sie eine „elektronische Säuberung“ durchgeführt um den Arbeitsplatz eines Freundes des SIS-Chefs, dem Chef der Ausländerbehörde SEF von Abhörwanzen zu befreien. Wanzen der Kriminalpolizei natürlich, was kein gutes Licht auf diesen Verein wirft. Doch es ist weitaus schlimmer als das.

Niemand hätte sich träumen lassen, dass hier ein Maulwurf sensible Dokumente über die NATO an Moskau verkauft. Es ist auch nicht ganz klar, was den russischen Bären an Portugal und an dem NATO-Material welches den Portugiesen zur Verfügung steht, interessieren könnte. Doch darüber schweigen die Behörden. Dennoch gibt es einige Hinweise auf verschiedene, mögliche Interessen, die den russischen Spionagediensten ein paar Rubel wert sind. Es gab Anstrengungen, beispielsweise, das NATO-Hauptquartier für den Atlantik und Afrika nach Lissabon zu verlegen. Damit sollte Portugal für das Verlassen der Azorenbasis kompensiert werden. Es ging um zivile Arbeitsplätze und finanzielle Kompensationen. Auch Portugals Strategie bei den Verhandlungen zur Anerkennung von Portugals Ansprüchen zur erweiterten Kontinentalplattform interessiert Moskau. Ein riesiges Gebiet im Nordatlantik gehört demnach zu Portugal und damit alle Rohstoffe die im Meeresboden noch verborgen liegen. Wissen ist Macht.

Der Spion Frederico Gil, ein langjähriger Mitarbeiter des portugiesischen Geheimdienstes, war schon länger verdächtigt worden. Er wurde in die Problemanalyse versetzt, da er eine Vorliebe für Osteuropäerinnen hat, was wohl als „potentiell problematisch“ gesehen wurde. Klar, dass so manches Geheimnis über den Schreibtisch von Frederico ging, bevor er versetzt wurde. Doch woher hatte er danach die Dokumente? All die geheimen Unterlagen die er in Rom dabei hatte und die bei ihm zu Hause gefunden wurden. War es nur wegen Sex? War es das Geld? Was bringt jemanden dazu sein Land, seine Regierung zu verraten? Denn wie man auch zur NATO oder zu Russland stehen mag, ist Verrat nie wirklich eine Heldentat. Wenn man einen Schwur geleistet hat, sein Land zu schützen, dann muss man sich daran halten. Wenn ein Russe Geheimnisse an die NATO verkauft ist es genauso niederträchtig wie der Verkauf von Unterlagen der NATO an Russland. Es ist in jedem Fall Verrat, von wem und aus welchen Gründen auch immer dieser begangen wird.

Als Frederico Gil in Rom verhaftet wurde hatte er also NATO Papiere bei sich und der russische Agent hatte ihm 10.000 Euro dafür bezahlt. Aber das Geld spielte wohl eine untergeordnete Rolle. Es war auch nicht der gute Sex. Es war Liebe! Doch nicht die Liebe zu seiner Freundin in Russland, sondern zu Russland selbst. Seine Facebook-Seite zeigt deutlich seine Liebe zu Russland. Es ist die Kultur, die Natur aber auch die ideologische Nähe, die ihn in der Politik der USA, der EU und deren „Werkzeug“, der NATO, eine Aggression gegen Russland sehen lässt. Doch seine Komplizen hatten wohl nur finanzielle Gründe. Noch ist nicht klar wer ihm geholfen hat, nur das er Hilfe hatte steht wohl außer Frage. Die Identität des russischen Agenten wurde nicht bekannt gegeben. Die italienische Zeitung „La Stampa“ berichtet, dass er zwar einen Diplomatenpass bei sich trug, aber nicht im diplomatischem Dienst Russlands gemeldet sei. Er wird mit Frederico Gil Carvalhão nach Portugal ausgeliefert, sobald das entsprechende Verfahren durch ist.

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Bleibt nur noch eine Frage. Bei all den Enthüllungen von Wikileaks über die Tätigkeiten der US-Geheimdienste und dem sogenanntem „diplomatischem Corps“ und nach allem was wir darüber wissen, wie sich NSA, CIA und Co gegenüber ihren Verbündeten und ihren „Freunden“ verhalten, wo bleibt da die Nachricht über den Maulwurf, der Onkel Sam Bericht erstattet und über dessen Bankkonto auf den Cayman Islands? Fehlanzeige! Unsere Regierungen in Europa werden von den US-Amerikanern ausspioniert. Doch noch schlimmer, unsere europäischen Regierungen spionieren sich auch gegenseitig aus und niemanden interessiert es. In Brasilien ist sogar der US-Informant Michel Temer an die Macht gekommen!

Europa aber, sollte sich endlich mal zusammenraufen um sich von den USA loszusagen. Nicht um sich Russland gegenüber zu unterwerfen, sondern um eine neutrale Position in zwischen den Supermächten einzunehmen. Geographisch liegt Europa schon zwischen den USA und Russland. Kommt es zu einem Krieg, dann leiden die Europäer, wie das Beispiel der Ukraine schön zeigt. Dazu darf es nicht kommen und daher brauchen wir eine neue EU, die ihre Unabhängigkeit von den USA erklärt. Der 4. Juli wäre ein gutes Datum dafür.

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3 thoughts on “Russischer Agent und portugiesischer Spion in Rom verhaftet”

  1. das, was der autor hier "verrat" nennt, könnte – zumindest hypothetisch – ein beitrag "zur erhaltung des friedens" (oder zumindest der abwendung einer nukearen vollkatastrophe) auf europäischen territorium sein. 

      1. der ist schon beschlossen, die frage ist nur, wann es genau losgeht. der "verrat" / "beitrag" konnte ihn somit nur abwenden oder – bei einem anderen "fail" – den zeitpunkt, wann es losgeht vorverlegen. 

        alledings nicht den zeitpunkt des anfangs des dritten WK sondern nur den der ende der waffenruhe – wir befinden uns nämlich immernoch im niemals beendeten ersten! . 

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