Nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen ist klar: Rodrigo Duterte ist der neue Präsident der Philippinen. Einen kleinen Wahlkrimi gibt es beim Rennen um die Vizepräsidentschaft. Dort ist noch nicht klar, ob die Kandidatin des Establishments, Leni Robredo, oder Ex-Diktator-Sohn Bongbong Marcos gewinnt.

Von Marco Maier

Die Auszählung der Stimmen dauert noch an und bis das offizielle Ergebnis verkündet wird, dürften noch Wochen vergehen. Doch schon jetzt ist klar: Der umstrittene Bürgermeister von Davao City, Rodrigo Duterte, hat das Rennen um den Posten als Präsident der Philippinen gewonnen. Nach Auszählung von knapp über 90 Prozent der mehr als 55,7 Millionen Stimmen hat er nicht nur fast 37 Prozent (15,2 Millionen Stimmen) der Wähler hinter sich, sondern auch einen Respektabstand zu den Konkurrenten Mar Roxas (Wunschkandidat des noch amtierenden Präsidenten mit 9,2 Millionen Stimmen) und Grace Poe (8,5 Millionen Stimmen).

In seiner Heimatstadt Davao City selbst, der Hauptstadt von Mindanao, konnte er (Auszählungsgrad 99 Prozent) fast 609.000 Stimmen (oder 96,6 Prozent) für sich gewinnen, während seine direkten Konkurrenten Poe (9.000) und Roxas (7.500) keine Chance hatten. Dies jedoch weniger infolge von Bestechung oder angedrohten Repressionen, sondern vielmehr aus Überzeugung, dass er im ganzen Land Reformen durchbringen kann wie schon (trotz eingeschränkter Mittel) in seiner Stadt.

Wahlkrimi um den Vizepräsidenten

Im Rennen um das Amt des Vizepräsidenten, welcher ebenfalls per Direktwahl bestimmt wird und nicht wie im Falle der USA vom Präsidenten ernannt, zeichnet sich ein Wahlkrimi ab. Lag bei einem Auszählungsgrad von rund 75 Prozent noch der Sohn des Ex-Diktators Ferdinand Marcos, Bongbong Marcos, mit rund einer Million Stimmen Vorsprung in Führung, so startete Leni Robredo – Running Mate von Präsidentschaftskandidat Mar Roxas – plötzlich eine Aufholjagd, so dass sie derzeit mit 13,32 Millionen Stimmen knapp vor ihrem direkten Konkurrenten (13,16 Millionen Stimmen) liegt und rein auf Provinzebene durchaus noch einen Vorsprung von bis zu 700.000 Stimmen herausholen kann. Allerdings kommen dann noch die Stimmen der Auslandsfilipinos hinzu, deren Exit-Polls eine starke Mehrheit für Cayetano und Marcos versprechen. Hier wird es auf jeden Fall noch äußerst knapp.

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Die plötzliche Aufholjagd Robredos macht jedoch Wahlbeobachter stutzig, zumal solche gravierenden Änderungen nach der Auszählung von rund drei Vierteln der Stimmen normalerweise nicht vorkommen, zumal diese schon einen guten repräsentativen Schnitt ergeben. Hier ist schon die Rede davon, dass das Establishment, welches Duterte eigentlich verhindern wollte, nun versuchen würde Robredo als Vizepräsidentin zu installieren, um so ein Amtsenthebungsverfahren gegen Duterte einleiten zu können und die bisherige Kongressabgeordnete Robredo so zur Präsidentin (und Marionette des Establishments) zu machen. Andererseits kündigte Robredo bereits vor einigen Tagen an, ihr Amt nicht antreten zu wollen, falls Duterte Präsident wird. In diesem Fall würde der Sprecher des Senats (und im Falle dessen Ablehnung der Sprecher des Repräsentantenhauses) zum Zuge kommen.

Hinzu kommt der Stimmenkauf (vote buying), der auf den Philippinen als Normalität gilt. Vor allem in den ärmeren Gegenden gibt es ein paar Peso und die Bitte, doch für bestimmte Kandidaten zu stimmen. Besonders exzessiv haben dies Augenzeugenberichten zufolge vor allem die Wahlhelfer von Mar Roxas und Leni Robredo (Liberal Party) gemacht. Exemplarisch dafür dürfte die Stadt Lutayan in Sultan Kudarat stehen: Während in der ganzen muslimisch dominierten Provinz Rodrigo Duterte überwältigende Erfolge von jeweils 50-80 Prozent der Stimmen feiern kann, ist das Ergebnis in Lutayan völlig umgekehrt – dort führen Roxas und Robredo haushoch. Und das, obwohl Duterte vor allem bei den Muslimen in Mindanao einen sehr guten Stand hat.

Bei den 12 der 24 neu gewählten Senatoren ist zu erwarten, dass sich der Großteil wohl auf die Seite Dutertes schlagen wird – selbst einige der fünf Abgeordneten von Roxas' Liberal Party. Auch der weltweit bekannte Boxer Manny Pacquiao, der zur Wahl des bislang amtierenden Vizepräsidenten Jojo Binay aufrief, gilt als Wechselkandidat. Denn der aus General Santos City stammende neue Senator weiß, dass seine regionale Partei PCM vorwiegend für Duterte ist und dass diese von seinem Föderalisierungsprogramm durchaus profitieren würde.

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4 thoughts on “Philippinen: Duterte ist Präsident – Wahlkrimi um Vizepräsidenten”

  1. Lieber Marco Maier; gib uns bitte ein paar Quellen zu den Philippinen, damit wir selber auch ein wenig recherchieren können.

    Soll keinesfalls heißen ich würde dir nicht glauben aber würde mich persönlich gerne ein wenig mehr in das Thema einlesen.

    Da fällt mir das Thema Rousseff ein und wie es in unseren Medien dargestellt wird. Recherchiert man es ein wenig, kommt dabei gleich eine 180° Wendung raus, zu dem wie es uns präsentiert wird.

    1. @randy andy

      Meine Hauptquelle für die Gegend:

      http://atimes.com/tag/philippines/

      Es gibt mehr und andere Quellen. Google "tag news", und das nicht mit deutschem Google, hilft weiter. Und dort einfach mal von Link zu Link hangeln, weil die ja Alle ihre Quellen angeben. Artikel wie hier sehe ich ohnehin nur als Anregung.

      Man hört auch gar nichts mehr von den wenige Tage vor der Wahl entlassenen Technikern der Firma, die die Wahlmaschinen betreut. Und wenn es solche Maschinen gibt: Warum die endlos lange Stimmauszählung?

      So. Und jetzt google ich den LänderIQ der Philippinen.

      1. Nur das wir vor Ort sind, also hier leben und mitbekommen was hier passiert, also was wollen sie mit einer Quelle? Wozu Wahlmaschinen überhaupt, wir brauchten sie in Österreich nicht und das Ergebnis stand um 18 Uhr nahezu fest. Natürlich Briefwähler nicht berücksichtigt. Hier ticken die Uhren aber sowieso anders, man muss froh sein wenn das endgültige Ergebnis in ein paar Wochen feststeht, denn andere Dinge die man weitaus schneller brauchen würde – zb ein Kennzeichen für ein KFZ- auf die wartet man 2 – 3 Monate, oder bekommt erst keines , dafür eine Erlaubnis in Papierform, dass man sich ein Temporäres Kennzeichen selber basteln kann….hahaha  

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