Lawrow und Kerry in Wien: Krisengipfel zu Libyen, Syrien und Berg-Karabach

Österreich und somit Wien ist – wie einst auch unter Bruno Kreisky – wieder ein neutraler, sicherer und ernstzunehmender Partner, wenn es im Kreise der internationalen Diplomatie darum geht, für politische und kriegerische Auseinandersetzungen Lösungen zu finden. 

Von Andre Eric Keller 

Das Hotel Bristol an der Wiener Ringstraße, gleich neben der berühmten Staatsoper, ist am Montag Abend Schauplatz einer umfassenden Krisendiplomatie. Vertreter aus 20 Staaten sollen sich einfinden, um zunächst Gespräche über Libyen zu führen. Italien wird gemeinsam mit den USA eine wichtige Vermittlerrolle einnehmen, zumal diese Staaten quasi die Schutzmacht der neuen "Einheitsregierung" des Landes sind. In der heute stattfindenden Konferenz soll eine größere Unterstützung der Einheitsregierung angestrebt werden. Nach dem Sturz Gaddafis, der im Wesentlichen durch die westliche Staatengemeinschaft herbeigeführt wurde, versank das vormals reichste Land Afrikas in einen blutigen Bürgerkrieg. Diese Umstände versuchte auch "Daesh" für sich auszunutzen um in Libyen Fuß zu fassen.

Die Wiederherstellung der Waffenruhe in Syrien und eine politische Befriedung der kriegerischen Auseinandersetzung steht am Dienstag auf dem Terminkalender beider Außenminister Kerry und Lawrow. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber die Aussicht auf eine Waffenruhe ist eher gering. Uneinig ist man sich seitens der USA und Russlands schon in der Frage, welche Rebellengruppen überhaupt an Diskussionen zugelassen werden sollen. Nebenbei gibt es auch von Russland den Vorwurf an die Türkei, sie unterstütze die Terroristen des IS. Der österreichische Außenminister, Sebastian Kurz, sieht im Syrien-Konflikt auch einen Stellvertreterkrieg, wie Ö24 berichtet. Für Kurz sei es wichtig, dass die "regionalen Supermächte" an einem Tisch zusammenkommen und auch einen funktionierenden Waffenstillstand zusammenbringen. 

Auch ein Punkt des Krisengipfels wird der neu entflammte militärische Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach sein. Hier sollen die USA, Russland und Frankreich mit den beiden Präsidenten Sargsjan und Alijew vermittelnde Gepräche führen. Die heute international nicht anerkannte Republik "Nagorny-Karabach" wird zum Großteil von Armeniern bewohnt, gilt aber völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Anfang der 1990er Jahre spaltete sich Berg-Karabach mit der Hilfe Armeniens von Aserbaidschan ab. 30.000 Tote, 1 Million Vertriebene und 25 Jahre später, brach heuer der sogenannte "eingefrorene" Konflikt wieder aus. 

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3 Kommentare

  1. Ist das nicht seltsam? Bei der Flüchtlingskrise spielen Grenzen keine Rolle, man möchte sie am liebsten abschaffen, wenn es aber um separatistische Bestrebungen geht plötzlich doch. Da nehmen die sogar Bürgerkriege mit unzähligen Opfern und Flüchtlingen in Kauf.

  2. Ich habe doch geahnt, daß es mit der Großmacht vorbei ist. Der Bär liegt wie Gulliver am Boden und ständig werden neue Stricke festgezogen.

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