Krim-Streit: Gorbatschow hätte genauso wie Putin gehandelt

In einem Interview mit der Sunday Times rechtfertigt der letzte Präsident der Sowjetunion das Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Wäre er an Putins Stelle gewesen hätte er genauso gehandelt. Er respektiert das Selbstbestimmungsrecht der Völker und demnach auch den Willen der russischen Bevölkerung, die auf der Halbinsel die Mehrheit stellt. Kiew will Gorbatschow nun die Einreise in die EU verbieten.

Von Christian Saarländer

Nach dem Zerfall der Sowjetunion gehörte die russische Halbinsel Krim 22 Jahre lang der Ukraine an. Zuvor gehörte die Krim seit 1783 zu Russland, bevor der damalige sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow die Halbinsel an die damalige ukrainische Sowjetrepublik verschenkte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion kam es immer wieder zu Bewegungen auf der Krim, welche immer wieder eine Rückkehr nach Russland forderten. Dennoch ist das Referendum von 2014 immer noch Zankapfel zwischen dem Westen nebst Ukraine und Russland.

Nun rechtfertigt Michail Gorbatschow in einem Interview mit der britischen Sunday Times das Verhalten von Wladimir Putin, der im März 2014 das lang ersehnte Referendum auf der Krim durchführen ließ. Gorbatschow sagte: „Ich bin immer für ein freies Selbstbestimmungsrecht der Völker gewesen und die Mehrheit der Krim-Bewohner war für eine Wiedervereinigung mit Russland gewesen.“

In seinem Buch „Perestroika“ aus dem Jahre 1987 sprach er sich bereits für das Selbstbestimmungsrecht der Völker aus. Damals noch als Präsident der UdSSR plädierte Gorbatschow dafür, dass man auch die Interessen kleinerer Volksgruppen anerkennen soll sowie das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Zwar dachte man zu dieser Zeit noch nicht an den Zerfall der Sowjetunion, aber dennoch zeigte sich Gorbatschow damals offen für Reformen innerhalb der Sowjetunion sowie in der Außenpolitik, wo man im Gegensatz zum Westen eine offenere Haltung zum Selbstbestimmungsrecht der Völker einnahm.

„Wir sind Realisten. Daher berücksichtigen wir die Tatsache, dass in der Außenpolitik selbst die kleinsten Länder ihre eigenen Interessen verfolgen. Es ist höchste Zeit, dass die Großmächte erkennen, dass sie die Welt nicht länger nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können“, heißt es in seiner Schrift  „Perestroika“ aus dem Jahre 1987. Weiters bedauerte Gorbatschow im Interview den Zusammenbruch der Sowjetunion. Er wollte die Sowjetunion nicht zerstören, sondern reformieren, was auch aus seiner Schrift Perestroika hervorging, was so viel bedeutet wie „Umbau, Umgestaltung, Umstrukturierung.

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Neben der Perestroika war Glasnost (Offenheit, Transparenz, Öffentlichkeit) das zweite Schlagwort von Gorbatschows Politik, die seine Politik seit seinem Amtsantritt im Jahre 1985 prägte. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) wurde völkerrechtlich durch Beschluss des Obersten Sowjets der UdSSR am 26. Dezember 1991 aufgelöst.

Die Ukraine reagiert auf Gorbatschows Statement erbost und möchte ihm nicht nur die Einreise in die Ukraine verbieten, sondern auch gleich die Einreise in die EU. Der Parlamentsabgeordnete Anton Geraschenko, Berater des Innenministers, forderte drastische Maßnahmen.„Auf diplomatischem Wege werden wir die europäischen Partner ersuchen, ihn nicht in Europa zu empfangen“, sagte er dem Radiosender Goworit Moskwa.

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15 Kommentare

  1. Горбачёв sieht sich da etwas zu positiv. An Президент Путин reicht er nicht ran, weder intellektuell noch an Entschlussfreudigkeit.

    Die Reaktion der ukrainischen Politvassallen ist natürlich wieder oberalbern. Was soll Горбачёв  denn in diesem failed state. Der sitzt doch gemütlich in den USA im Trockenen.

  2. gorbatschow hätte dazu nie den mut gehabt. dem gefiel es doch vom westen tag für tag verhätschelt zu werden. der hat doch aus eitelkeit mehr für den westen getan als für sein eigenes land. gorbatschow ist nur ein schwätzer. er kann sich mit putin nicht messen.  

      1. ebensop soltte nicht vergessen werden, dass Gorbatshov nicht nur der letzte sondern auch der erste präsident der sowjetunion war und absolutes neuland, welches die sozialistische welt noch niemals zuvor gesehen hat betrat! ich möchte mal Rent und alle anderen, die diese ansicht teilen mal dabei sehen, wie sie unausgebildet und ohne equipment ein minenfeld durchqueren werden! 

  3. Gorbatschow dieser BILDERBERGER und Freimaurer – LIEBLING hätte eher ein Stückerl RUSSLAND VERSCHERBELT!

    Er har ja ein Glück das er noch lebt für dass was ER verbrochen hat.Er war ja zu DUMM um einen Vertrag mit der Nato abzuschließen,dass die Nato nicht immer weiter RICHTUNG RUSSLAND VORRÜCKT!!Und DUMM ist hier noch nett formuliert

     

    w

     

    1. ich stimme ihnen zu, wobei man dazu sagen muss, selbst wenn gorbatschow einen vertrag mit der nato abgeschlossen hätte, hätte die nato ihn gebrochen. es gibt keinen vertrag, den die amis nicht gebrochen haben, angefangen bei den indianern.

  4. Nach dem false-flag Maidan war Putin doch alles klar und er hatte die letzte Chance blitzschnell zu handeln. Abgesehen davon muß man historisch sehen, wie ChrustcWie wäre es wenn Russen in Kuba erneut Raketen aufstellten?hov in einer Nebelaktion als Ukrainer die Krim der Ukraine "zugeordnset" hat. USrael war das alles sehr?? demokratisch! Die wollen Krieg und suchen, suchen, suchen. Wie wäre es wenn Russen in Kuba Raketen aufbauten?

  5. Möglicherweise wird, nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der U.S.A., ein Referendum in Alaska stattfinden, die mit fliegenden Fahnen in ihre alte Heimat Rußland, mit einem dann umgedrehten Radar- und Raketenschirm, nach dem Muster Rumänien, wieder zurückfinden werden.

  6. Bisher hat Putin dem schmutzigen amerikanischen Imperialismus paroli geboten. Knickt er auch noch ein, dann gnade uns Gott. Die USA ist doch nur noch ein Zombie mit 20 Billionen Dollar Schulden, der nur noch durch Zerstörung und Bankenfaschismus seine "Bluttranfusionen" aufrecht erhalten kann. Jeder dritte Amerikaner ist bereits vorbestraft-, und das haben wir dank Merkel bald auch hier. So sieht ein Land aus, das anderen Ländern die Demokratie aufoktroyieren will.

  7. ein hoch auf die krimbewohner und -behörden! 

    das referendum wurde nicht "von Putin" sondern von ihnen durchgeführt – die RF hat nur verhindert, dass es – wie schon innerhalb der mindestens 2 jahzehnte davor einige male – niedergeschlagen wurde! 

  8. ich denke es ist mal zweitrangig was Gorbatschow alles getan oder nicht getan hat. Unumstritten ist, das er eine neue Ära in der Weltgeschichte eingeleitet und den kalten Krieg…zumindest für eine gewisse Zeit…beendet hat. Das sich eine neue Staatsform nicht von heute auf morgen realisieren und vor allem stabilisieren lässt liegt ja wohl offen auf der Hand. Heutzutage sähe es wohl schon weit aus besser aus in Russland und Europa wenn sich die USA nicht immer überall einmischen würden. Das ist ganz klarer Fakt.

    Die kleinigkeit die mich an diesem Artikel stört und vor allem zum, nachdenken gebracht hat, ist die Tatsache dass sich die Ukraine heraus nimmt zu bestimmen wer in die EU einreisen darf und wer nicht. Ich weis ja nicht, oder vielleicht habe ich auch etwas nicht mitbekommen. Aber, soweit ich noch weis ist die Ukraine kein Mitglied der EU. Wieso lehnt diese sich dann soweit aus dem Fenster. Meiner Meinung nach kann man dabei nur tief fallen ….siehe Erdogan.

  9. Nun ja, Gorbatschow schon wieder!

    An anderer Stelle habe ich schon mal geschrieben: Gorbatschow ist ein selbstverliebter Blender! 

    Mit Glasnost & Perestroika wollte er nicht die halbe Welt an die Amis verkaufen, sondern die Sowjetunion reformieren? Das war sicher nötig – aber eben nicht auf diese Art!

    Und ein "Staatsmann" der er sein wollte, hätte das gewusst und andere Wege gefunden!

    Mit seiner neuerlichen Wortmeldung will er wohl wieder zu Reputation beim russischen Volk kommen?

    Denn bei den allermeisten Russen ist er vollkommen "unten durch", wie man so sagt!

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