Kalter Krieg: Als im Jahre 1964 eine sowjetische Mig-19 ein US-Spionageflugzeug abschoss

Derzeit machen immer wieder Vorfälle medial die Runde, wo russische oder US-amerikanische Flugzeuge in fremden Luftraum eindringen. Im Jahre 1964 hatte eine Mig-19 ein US-Spionageflugzeug abgeschossen.

Von Christian Saarländer

Aktuell wurde der US-Militärattaché in Russland wegen eines Spionagefluges einbestellt, nachdem ein amerikanischer Aufklärer über das japanische Meer in den russischen Luftraum eingedrungen ist. Oftmals gehen solche Zwischenfälle glimpflich aus und Abfangjäger eskortieren ein Spionageflugzeug aus dem fremdem Luftraum wieder hinaus.

Angeblich kam es im Kalten Krieg nie zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion. Diese Aussage stimmt jedoch nicht ganz, wenn man einige Zwischenfälle berücksichtigt, wo auch Soldaten durch Feindeinwirkung ums Leben gekommen sind. Ein Solcher Zwischenfall ereignete sich im thüringischen Vogelsberg bei Erfurt, damals ein Teil der DDR. Ein unbewaffnetes Spionageflugzeug der Amerikaner vom Typ T-39 Sabreliner drang nach US-Angaben am 28. Januar 1964 versehentlich in den von der UdSSR kontrollierten Luftraum der DDR ein, was dem sowjetischen Aufklärungsradar nicht entging und Abfangjäger des Typs MiG-19 in die Luft stiegen. Diese schossen daraufhin das US-Spionageflugzeug ab, wobei die drei amerikanischen Offiziere an Bord des Fliegers ums Leben kamen.

Über den aktuellen Spionageflug berichtet die russische Nachrichtenagentur Sputnik. Ein strategisches Aufklärungsflugzeug vom Typ RC-135 drang in den Luftraum der russischen Ostsee-Küste ein, was zur Einberufung des US-Militärattaché an der amerikanischen Botschaft zu Moskau führte.  

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Heute wie damals wird das unprofessionelle Verhalten von amerikanischen Offizieren von russischer beziehungsweise sowjetischer Seite moniert. In der jüngeren Vergangenheit haben sich solche Vorfälle mehrmals wiederholt. Doch nun beharrt das russische Militär darauf, dass die amerikanischen Offiziere sich auch nach den Regeln verhalten, die ihnen die Statuten des internationalen Luftverkehrs auferlegt sind. Der Zwischenfall im Kalten Krieg, der für drei Offiziere tödlich endete war letztendlich auch im unprofessionellen Verhalten amerikanischer Luftwaffenoffiziere zu sehen, wenngleich die Amerikaner versuchen den Fehler stets auf der Gegenseite zu finden. Der Abschuss im Kalten Krieg begann mit einer Irrfahrt von amerikanischen Piloten, die aus bislang ungeklärten Gründen tief in den feindlichen Luftraum eingedrungen sind.

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Nachdem das amerikanische Flugzeug auf wiederholte Funksprüche nicht reagierte, angeblich weil das Funksystem der Amerikaner versagte, eröffneten die sowjetischen Jäger das Feuer. Zeitzeugen erinnerten sich, dass sie das Feuer der Maschinengewehre und der Geschütze vom Boden aus hörten. Das unbewaffnete Flugzeug der Amerikaner war natürlich chancenlos und drei Insaßen, Lieutanent Colonel Gerald K. Hannaford, Captain Donald Grant Millard und Captain John F. Lorraine starben wohl noch in der Luft. Der genaue Zeitpunkt wird auf 15:14 Uhr festgehalten.

Knapp zwei Stunden später wurde die Militäremission der Vereinigten Staaten in Berlin von den Sowjets über den Vorfall informiert und man begann mit der Bergung des Flugzeug-Wracks und der Piloten. Der damalige US-Außenminister Dean Rusk bezeichnete den Abschuss des unbewaffneten Spionageflugzeugs als einen „schockierenden sinnlosen Akt“ und die Gegenseite verwies darauf, dass man nicht auf die Funksignale der reagierte und man zuvor noch einen Warnschuss abgab. Heute wie damals hat sich die amerikanische Luftwaffe unprofessionell verhalten. Alleine schon die Tatsache, wie man versehentlich in einen feindlichen Luftraum eindringen kann und dann nicht mal in der Lage ist, das nach internationalen Statuten vereinbarte Funksignal abzugeben.

Zwei Jahre nach der Kuba-Krise 1962 wurde der Fall im Gegensatz zum Abschuss der russischen Su-24 nicht medial flankiert und man bewahrte eher Stillschweigen über diesen Vorfall, um weitere Eskalationen zu vermeiden. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde von den Bürgern in Vogelsberg ein Denkmal für die toten US-Soldaten errichtet.

Im Vordergrund steht eine Dokumentation des hessischen Rundfunks über den Fliegerberg Wasserkuppe, dem höchsten hessischen Berg, wo deutsche Militärgeschichte geschrieben wurde. Die Luftwaffe der Wehrmacht des Großdeutschen Reiches, hatte auf dem Berg seine Reichsflugschule. Ab der Minute 10:00 erinnert sich der Amerikaner Jim Hartkins an den Abschuss des Spionageflugzeugs. Zum ersten Mal in deutscher Sprache wurde über diesen Vorfall in einer Dokumentation des hessischen Rundfunks gesprochen.

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