Der irakische Premierminister Haider al-Abadi. Bild: Flickr / Foreign and Commonwealth Office. CC BY-SA 2.0

Die Bruchlinien zwischen den großen ethnischen Gruppen sind kaum mehr zu kitten. Mit dem Sturm auf das Parlament haben die schiitischen Demonstranten gezeigt, dass die Macht nicht mehr akzeptiert wird. Der Irak steht vor dem endgültigen staatlichen Zerfall.

Von Marco Maier

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der Irak als Staat wie wir ihn heute kennen aufhört zu existieren. Die Differenzen zwischen den großen ethnischen Gruppen (Schiiten, sunnitische Araber, Kurden) wachsen stetig weiter und auch innerhalb der großen schiitischen Bevölkerungsgruppe gibt es politische Differenzen. Die von den USA eingeführte Konkordanzdemokratie, die – wie in Bosnien-Herzegovina – einen Ausgleich zwischen den ethnischen Gruppen bilden soll, funktioniert nicht mehr. Teils auch deswegen, weil hier strikt nach Ethnie und nicht nach Qualifikation vorgegangen wird.

Hier zeigt sich das Problem jener multiethnischer Staaten, die nicht durch zusammenschweißende Elemente (ob nun wirtschaftlicher Art wie in der Schweiz oder eben durch repressive Systeme) funktionieren: Verteilungskämpfe stehen an der Tagesordnung, genauso wie Misstrauen, Misswirtschaft, Korruption und separatistische Tendenzen. Der schon nach dem Sturz Saddam Husseins erkennbare Zerfall des Landes, der durch die US-Einflussnahme zumindest für ein paar Jahre gebremst werden konnte, nimmt nun Fahrt auf.

Sollte der populäre al-Sadr den Machtkampf unter den Schiiten gewinnen, wäre eine stärkere Anlehnung an den großen Nachbarn Iran durchaus möglich. Ex-Premierminister al-Maliki, der nach wie vor großen Einfluss auf die Politik in Bagdad ausübt, sowie der aktuelle Regierungschef, Haider al-Abadi, haben in diesem Gewirr derzeit kaum Möglichkeiten für "korrigierende Eingriffe". Aber schlussendlich würden sich die Schiiten wohl auch nicht dagegen stellen, wenn die Kurden ihren eigenen Staat im Norden des Landes ausrufen. Doch im Kampf gegen den "Islamischen Staat" würde man den sunnitisch-arabischen Teil wohl seinem eigenen Schicksal überlassen – Hauptsache, die Grenzen sind (mit Hilfe der iranischen Brigaden) gesichert.

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3 KOMMENTARE

  1. Das geht auf das Konto der USA!!!! Sie spalten, im Sinne des Diabolos, des Dazwischenwerfers. Daran erkennt man, wer die USA führt!!!!! Die USA ist der Botschafter des Teufels!!

  2. Naja, ist der Diktator weg, fängt es meistens an zu brodeln. Ein Macht-Vakuum ist niemals gut. Bei den USA ist das Problem, dass sie nie für solche Dinge VORHER keinen Plan mitbringen. Sie bomben erstmal alles platt und dann mal gucken. In der Regel werden dann Marionetten installiert, die IHNEN am meisten nützen. Diese Leute sind aber meistens korrupt bis Oberkante Unterkiefer und dem Volk ist das auch bekannt….und schon gehts los mit dem Chaos.

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