Früher war die Politik noch einfach: Jedes Milieu wählte seine Stammpartei. Heute spielt dies kaum mehr eine Rolle. Je nach Wahl sind es vor allem Spezialthemen, die zur Selektion einer bestimmten Partei führen.

Von Marco Maier

Es gab Zeiten, da wählte die Arbeiterschaft traditionell die Sozialdemokraten oder Sozialisten, die Bürgerschaft und die Bauern eher die Konservativen und Liberalen. Die Nationalisten waren seit jeher stets jene, die von allen gesellschaftlichen Schichten gewählt wurden. Heute, wo noch Grüne hinzu kommen, die neuen Rechtsparteien und immer wieder spezialisierte Parteien (wie die "Piraten"), zeigt es sich zunehmend, dass das Wählerverhalten nicht mehr wirklich an die "Stände" gebunden ist. Zudem wächst auch die Zahl der Unzufriedenen, der Protestwähler und der Wechselwähler an.

Besonders auffällig ist diese Entwicklung in Österreich, wo die einstigen Großparteien SPÖ und ÖVP zunehmend in der Bedeutungslosigkeit versinken. In Deutschland hält sich zwar noch die Union weit oben, doch auch dort schmilzt die Stammwählerbasis weg. Gleichzeitig haben sich in beiden Ländern nicht nur schon seit Jahren die Grünen in der Parteienlandschaft etabliert, sondern bedingt durch die Übernahme der DDR auch die Linkspartei in Deutschland, sowie in beiden Ländern die nationalistisch agierenden Parteien FPÖ und AfD.

Auch wenn es derzeit – bedingt durch die anteilsmäßig starke ältere Generation, die noch eher als Stammwähler aktiv sind – noch nicht so große Schwankungen gibt, so dürften diese in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Auch für weitere neue Parteien ist durchaus noch Platz, zumal es immer mehr Unzufriedene gibt, die dem "Parteienkartell", bzw. den "Systemparteien" (durchaus zurecht) nicht mehr trauen, das Land in eine bessere Zukunft zu führen. Das mögen die diversen "Protestparteien" zwar auch nicht tun, doch wie sonst soll der Konservative oder der Sozialdemokrat seine Stammpartei dazu bringen, sich (wieder) für die eigene Wählerclientel einzusetzen?

Auf jeden Fall wird die Zahl der Wechselwähler noch weiter ansteigen und Wahlen immer mehr zu einem "Entertainment-Programm" avancieren, in dem vor allem jene Kräfte gewinnen können, die ihre Wahlprogramme auf populäre Punkte ausrichten. Denn die heutigen Menschen sind längst nicht mehr so ideologisch geprägt wie jene in früheren Zeiten. Das werden auch die Politiker und Parteien zunehmend zu spüren bekommen.

14 KOMMENTARE

  1. Dieses Thema ist sehr viel komplexer und hat nicht nur etwas mit politischen Wahlen und Ausrichtungen zu tun. Unser Konsumverhalten ist ebenfalls ideologisch gesteuert. Ich möchte hier nur mal an Marken wie Apple, McDonalds u.s.w. erinnern. Streng genommen kann man am Konsumverhalten der Leute, ziemlich genau die politische Ausrichtung bestimmen und steuern. Diese Konzerne stehen nämlich nicht nur für ein Produkt, wie viele Leute meinen, sondern für eine marktideologische Ausrichtung. Das ist neben Religion einer meiner Lieblingsthemen. 🙂

  2. Dass die Zahl der Wechselwähler ansteigt, liegt daran …

    …. dass aus den Parteien ein Haufen Opportunisten geworden ist, die gar keine Überzeugung mehr haben außer dem festen Willen, geehrt und gefüttert zu werden.

    Alles dasselbe

    Und die Bonzen, welche noch eine Agenda durchziehen, halten sie vorm Wähler geheim.

    Kein Wunder, dass der Wähler entweder verzweifelt zu Hause bleibt oder sowas wie die Piraten wählt.

     

    • "Dass die Zahl der Wechselwähler ansteigt, liegt daran dass aus den Parteien ein Haufen Opportunisten geworden ist, die gar keine Überzeugung mehr haben außer dem festen Willen, geehrt und gefüttert zu werden."

      Und deswegen müssen wir die AfD wählen, weil die nach der Wahl wenigstens alle exekutieren, die ihrer Ideologie widersprechen. Jedenfalls laut den Leuten auf Contra-magazin.

      • Wie kommst du darauf das die alle exekutieren werden? Die Gefahren liegen ja wohl eher in den radikal/extremistsichen Positionen der Altparteien. PS: Ich wähle grundsätzlich nicht, da das System im Kern menschen- und freiheitsfeindlich ist.

      • Du bist nicht "Querdenker"

        Du bist der Troll, der Querdenker seine Identität geklaut hart.

        Sieht man schon am Niveau Deiner Beiträge

  3. Wenn man sich etwas für seine Umgebung interessiert, wird man bald feststellen, dass wir in einer Diktatur namens EU sind. Da greifen ungewählte Kommissare durch alle politischen Ebenen durch und bestimmen womit ich meine Wohnung beleuchten darf. Was auf Speisekarten stehen muss und zu welchem Preis der Transitverkehr unbeschränkt durchstinken muss. Da dadurch die Luftqualität im Inntal die von derselben EU festgelegten Grenzwerte übersteigt, sind Strafzahlungen zu leisten. Wer angesichts dieses Zustandes demokratische Wahlen besucht, sollte vielleicht mal ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

    Das gilt, wenig überraschend für drei Viertel der österreichischen Bevölkerung, denn so hoch war die Wahlbeteiligung bei der Bundespräsidentenwahl. (Um eine Marionette zu bestätigen!!)

    • Die Bevölkerung bekommt die Theatervorstellung "Parlamentarische Demokratie" von unseren Politdarstellern dargebracht, bis der "Arzt kommt". Nun fehlt nur noch der gute alte Spruch -"Wenn Wahlen etwas (am System) ändern würden, …..  . Im Übrigen glaube ich nicht, das eine durchgehende ideologische Ausrichtung beim Wahlvolk vorhanden ist. In Übereinkunft mit dem übermächtigen Eigennutzgedanken, wird genau bei dem Verein (Partei) das Kreuz gemacht, dem zugetraut wird, die Wahrung des (eigenen) Wohlstands zu gewährleisten.

    • Das Politestablishment kann sich nichts Besseres wünschen als  daß das Volk die Demokratie selbst abschafft in dem es nicht zur Wahl geht. Wenn Frau Merkel als einzige zur Wahl ginge hätte die CDU einen Stimmenanteil von 100%. Bei einer Wahlbeteiligung von 100% bei der 99% der Wähler andere Parteien wählten, würde sich dieser Stimmenanteil  auf 1% verringern. Das sich dadurch nichts ändert ist eine unhaltbare Behauptung! Es verlören sofort nach der Wahl 99% der CDU Abgeordneten ihre Pfründe. Und wenn dieser Umstand die Politik nicht zu ändern in der Lage wäre, sind die Politiker nicht das was wir von ihnen halten. Nicht zur Wahl gehen weil man es den Politikern einmal so richtig zeigen will, ist so ähnlich als würde man von nun an immer zu Fuß gehen weil man vom Schaffner beleidigt worden ist. Daher ist eine hohe Wahlbeteiligung mit hohem Wechselwähleranteil für das Volk das aller günstigste und für die Politiker die aller schlechteste Variante.

      • @lümrod

        Die Demokratie ist ja schon abgeschafft, dadurch dass die Diktatur EU von ganz oben bis ganz unten durchgreift. Jede Wählerstimme dient nur noch der Bestätigung, dass noch gleich viele Posten und Pfründe unter den Politikern aufgeteilt werden können.

        Bei einer Wahlbeteiligung von unter 50% sind auch weniger als die Hälfte der Polizisten, des Heeres, der Staatsanwälte für dieses System. Vielleicht informieren Sie sich mal, wieso die „demokratischen Volksrepubliken“ des ehemaligen Ostblocks verschwunden sind.

        • Die Demokratie ist noch nicht im entscheidenden Ausmaß abgeschafft. Die EU Bonzen sind immer noch darauf angewiesen, daß die nationalen Politiker den Durchgriff zulassen! Eine Abwahl kann die Verhältnisse sehr schnell verändern!

      • aber ja doch – das DRrR bestand nur innerhalb einer dekade!

        mal unabhängig davon, wer es ins leben gerufen hat aber selbst ein über-imperium, wie die sowjetunion ging nach 70 jahren unter! die BRD muss wohl allen ernstes davon ausgehen, dass sie bin in alle ewigkeit fortbestehen wird – krank!   

  4. Die Analyse, so ihr Inhalt denn zutrifft, überrascht mich nicht. Wir leben schon lange nicht mehr in einem Zeitalter des Idealismus mit Visionen von einer idealen Gesellschaft oder von einem gerechten Ausgleich der Interessen. Wie alle Bereiche der menschlichen Existenz ist auch die Politik ökonomisiert und warum soll man es den Polit-Profis überlassen, sich zu bereichern, wenn auch der einzelne Wähler die Möglichkeit hat zu prüfen, was ihm persönlich die Wahl einer bestimmten Partei bringt? Wie in der bunten Warenwelt so stehen auch die Parteien im Wettbewerb der Heilsversprechen. Die Kosten übernehmen entweder künftige Generationen oder mittels FIAT-Geld die Zentralbank.

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