Frankreich: Selbstmord-Video einer 19-jährigen Altenpflegerin sorgt für Entsetzen

In Frankreich hat ein junges Mädchen mit Hilfe der Periskope-Applikation ein Selbstmord-Video gedreht und sich daraufhin vor einen Zug geworfen. Das Video hat sich in der Netzgemeinde stark verbreitet. Auf einem Livestream-Video erzählt die 19-jährige Frau ihre Gründe für den Suizid. Hierbei soll es sich nicht um einen Einzelfall handeln. Die französische Staatsanwalt ermittelt.

Von Christian Saarländer

Wie die Nachrichtenagentur Sputnik aus Moskau und die New York Times berichten hat sich ein junges Mädchen nach Ankündigung im Internet das Leben genommen. Die Aufzeichnungen zeigen eine abgespannte ernste junge Frau, die in ihrem möblierten Zimmer sitzt und ihren Selbstmord ankündigt. Die Videos sind nicht mehr auf der ursprünglichen Plattform Periscope.tv verfügbar. „Ich mache dieses Video nicht um jemandes Nerven zu kitzeln, sondern um Menschen reagieren zu lassen und zum Nachdenken anzuregen, das wäre alles“, so die junge Frau auf dem Video. Ein Hilfeschrei in einer ignoranten Gesellschaft?

https://twitter.com/NewsFrontDE/status/730524769993543680

Das Video wurde mehrfach kopiert und auf Videokanälen zugänglich gemacht. Die Nachrichtenplattform Facebook sperrt Nachrichtenlinks, auf denen das Video direkt abrufbar ist. Hier wird aus wohlerwogenen Gründen auch kein direkter Link gezeigt, der einen direkten Abruf des Videos ermöglicht. Der Selbstmord soll sich nach Angaben der New York Times am Dienstag ereignet haben.Zudem wurde das Echtzeit-Video mit Worten wie „Wir freuen uns darauf“ oder „Das ist super“ kommentiert. Ein weiteres Anzeichen für die Pietätlosigkeit, die sich in der französischen Kultur abzeichnet. Besonders deswegen, da solche Kommentare geposted wurden, bevor sich die junge Frau vor den Zug geschmissen hat. Der Kurznachrichtendienst Twitter ermutigt seine Netzgemeinschaft dazu, bei solchen Fällen Zivilcourage zu zeigen und auf potentielle Selbstmörder so einzuwirken, dass sie von ihrem Vorhaben ablassen.

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Wie die New Yorker Zeitung unter anderem berichtet, handelte es sich hierbei nicht um einen Einzellfall. In Ohio soll sich ein 17-jähriges Mädchen im vergangenen Monat auf ähnliche Weise umgebracht haben, nachdem sie vergewaltigt wurde. Französische Ermittler und Forensiker bewerten diese Entwicklung unter Jugendlichen mit größter Sorge. Weiter wurde auch noch nicht bestätigt, ob die junge Frau, die sich vor den Zug geworfen hat mit dem 19-jährigen auf dem Video identisch ist. In Frankreich wird zudem diskutiert, ob man das Verhalten der einzelnen Nutzer im Internet nun intensiver überwachen soll, um solchen Suiziden zuvorzukommen. Sicher wird der Fall noch viele Fragen und Probleme aufwerfen, die dringend zu lösen sind. Vor allem stellt sich die Frage, was Jugendliche dazu bewegt ihren Selbstmord live aufzuzeichnen.

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Die Frau hatte zuvor als Altenpflegerin in einem Seniorenheim gearbeitet. Nähere Angaben über den Hintergrund und ihr Umfeld blieben bislang aus. Der Analytiker Thomas Husson aus Paris, der für das Unternehmen Forrester Research tätig ist, hält solche Ereignisse in einer hochmodernen Gesellschaft für unvermeidlich. „Jetzt leben wir in einer Diktatur der Echtzeit“, sagte It-Forscher der Agentur Sputnik. Über die Motive solche Selbstmord-Aktionen via Livestream zu übertragen, wird bislang noch gerätselt.

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14 Kommentare

  1. Tut mir leid, wenn sich jemand mit 19 selbst das Leben nimmt! Aber da steckt eine Geschichte dahinter. Möglicher Weise konnte sie sich ja sogar verbessern! Ist bitteschön nicht ironisch gemeint!

    1. Sehe ich auch so und tut mir auch leid.

      Viele haben Probleme. Einige kommen nicht zurecht mit ihrem Leben
      ( auch mein eigener Sohn 30Jahre jung/alt )

      Anmerkung: Ich halte diese Meldung für mich unwichtig/uninteressant

      1. ich glaub,das niemand ohne grund selbstmordabsichten hat, man muss da auch den anderen menschen mal genau zuhören. es wird durch die asoziale neoliberale politik dem menschen auch immer mehr erschwert mit dem leben zu recht zu kommen, Stress ohne Ende auf der Arbeit, leistungsdruck, Angst vor Abrutschen in hartz iv, die tatsache, dass nur noch geld zählt etc. , irgendwann kann der mensch halt nicht mehr

  2. klar, naatürlich, erstmal die nutzer besser überwachen, das ist alles was denen einfällt. wir haben doch schon genug überwachung. wie wäre es mal damit die gesellschaft liebenswerter zu gestalten und den menschen nicht nur als arbeitsvieh zu betrachten?

    1. Zustimmung! Es geht mal wieder darum den Bürgern mehr Überwachung schmackhaft zu machen. Da ist der noch so kleinste Vorfall gerade recht um auf die Emotionsdrüse zu drücken, damit kann man den Leuten den größten Müll als notwendig zu verkaufen.

      Das Opfer bleibt mal wieder auf der Strecke, schade um die junge Frau.

       

  3. Schrecklich, das soviele junge Menschen keine andere Lösung mehr sehen,als diese !

    Und warum ? Weil sie Hilfe gebraucht hätten, aber nicht finden können, und es keine gab ?

    1. Weil unserer Gesellschaft so langsam aller ihrer Werte beraubt wird. Vorbereitung auf die identitätslose, wertefreie Einheitsrasse.

  4. @ rent 19:37

    Leider, sehe ich es auch so. Traurig genug, das es viele Menschen gibt, die in der heutigen Zeit begründete "Zukunftsängste" haben .

  5. Traurig, nur worüber rätseln die Überwachungsfanatiker da?

    Ein Echtzeitabschiedsvideo ist im Prinzip auch nichts anderes als ein Abschiedsbrief, nur mit der Gewissheit zu Lebzeiten das er gelesen, bzw. es gesehen wird.

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