Exportwirtschaft droht schwächstes Jahr seit Wiedervereinigung

Deutschlands Exportwirtschaft rechnet für dieses Jahr überwiegend mit einer stagnierenden oder schlechteren Entwicklung der globalen Konjunktur. Der Fokus auf den Export hat eben auch seine Schattenseiten.

Von Redaktion/dts

Für die deutschen Exportfirmen droht 2016 eines der schwächsten Jahre seit der Wiedervereinigung zu werden. Knapp drei Viertel (71 Prozent) der deutschen Unternehmen rechnen für das laufenden Jahr mit einer stagnierenden oder sogar schlechteren Entwicklung der Konjunktur weltweit, dies geht aus einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammern unter 3400 global tätigen deutschen Unternehmen hervor, die der "Welt" vorliegt. Der Wirtschaftsverband hat deshalb seine Prognose für das deutsche Exportwachstum 2016 auf nur noch zwei Prozent nach unten korrigiert.

"Das wäre eines der schwächsten Exportzuwächse seit der Wiedervereinigung", sagte Volker Treier, Chefvolkswirt der Deutschen Industrie- und Handelskammern (DIHK). Im Herbst 2015 hatte der Verband noch mit einem Plus von 3,5 Prozent gerechnet. Für die Weltwirtschaft erwartet der DIHK nur noch ein Wachstum von drei Prozent im Jahr 2016 und eine nur leichte Verbesserung im Jahr 2017. "Die Weltwirtschaft steht weiterhin auf wackeligen Füßen. Kein Auslandsmarkt bietet sich derzeit als wahrer Wachstumstreiber an", sagte Treier. Insbesondere die Rezessionen in Russland (wo zusätzlich noch Sanktionen bestehen) und Brasilien sowie das aus dem Tritt geratene Zugpferd China drücken auf die Stimmung.

Die unsichere Nachfrageentwicklung ist für die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) das größte Geschäftsrisiko. Die zweitgrößte Sorge sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, etwa die Unklarheit über den Reformkurs in Europa oder den drohenden EU-Austritt Großbritanniens. Im Herbst waren politische Risiken mit 53 Prozent noch das größte Geschäftsrisiko für die Unternehmen gewesen. "Es scheint bis zu einem gewissen Maß eine Gewöhnung an die außenwirtschaftlich und auch politisch turbulenten Zeiten einzutreten", heißt es in der DIHK-Analyse.

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In Zeiten schwächeren Wachstums setzen die Staaten offenbar wieder verstärkt auf Abschottung. Mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen beobachtet eine Zunahme von Handelshemmnissen bei ihren internationalen Geschäften. 21 Prozent finden, einheimische Betriebe würden an ihren Standorten gegenüber ausländischen bevorzugt. Trotz des wirtschaftlich schwierigen Umfelds bewertet knapp jedes zweite deutsche Unternehmen im Ausland seine Lage als gut und nicht einmal jedes zehnte als schlecht. Auch erwarten gegenüber dem Herbst 2015 wieder mehr deutsche Unternehmen im Ausland, dass sich die konjunkturelle Lage an ihren Standorten erholt. Lediglich neun Prozent aller Firmen erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäfte.

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Es zeigt sich wieder einmal, dass der Fokus auf den Export auch seine Schattenseiten hat, zumal man so auch den Launen der Weltwirtschaft ausgeliefert ist. Auch wird gerade wegen der Exportindustrie stets darauf gedrängt, die Tariflöhne nicht zu stark ansteigen zu lassen, was sich auch negativ auf die Reallohnentwicklung in Deutschland auswirkt.

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5 Kommentare

    1. Kein Wunder..wenn man sich ins eigene Bein schiesst..siehe Russland-Sanktionen.

      Immerhin vergammelt zuhaus die Infrastruktur…auch keine schlechte Leistung.

      Aber vielleicht erleben unsere Wirtschafts-Politiker einen kleinen persönlichen Aufschwung…zb.indem ihre hergezauberten Migranten bei ihnen zuhause den Butler machen.

  1. Dann werden die Zahlen nächstes Jahr wieder aufwärts gehen, wenn die vielen Fachkräfte aus dem Ausland richtig aktiv werden. Das ist doch mal eine beruhigende Nachricht und ohne die Weitsicht der Regierungskoalition wären wir hoffnungslos verloren.

  2. Mit Renten- und Lohnkürzungen kann man keinen kräftigen Binnenmarkt schaffen. Wenn man nur auf den Export setzt kann das urplötzlich in die Hose geh'n. Da nutzt es auch nicht viel, wenn sich ab und an ein Kadaver meldet und alles beschönigt, was  in der Politik falsch gemacht wurde. Der Kadavergehorsam der Politik gegenüber der Wirtschaft bricht uns bald das Genick. Wir haben ja keine eigenständigen Politiker mehr-, das sind ja nur noch Hündchen, die von den Lobbyisten gefüttert werden, damit sie nicht bellen.

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