Shinzo Abe und Wladimir Putin. Bild: Kreml

Es scheint, als sollte sich in den nächsten Monaten der Brennpunkt der Aufmerksamkeit des Kremls wieder deutlich mehr nach Osten verschieben.

Von Thomas Roth

Heute wird in Sotschi das seit langem geplante und mehrfach verschobene Treffen des Präsidenten Russlands mit dem Ministerpräsidenten Japans stattfinden. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte vor kurzem im Interview für RIA Novosti: "Die Amerikaner flüstern anderen Ländern ins Ohr, sie sollen nicht zu uns fahren" und versuchten den japanischen Premier aktiv dazu zu überreden, die Russland-Reise abzusagen.

Genau vor einem Jahr, kurz vor dem 70. Jahrestag des Sieges, funktionierte die von Lawrow beschriebene Taktik Washingtons gegenüber westlichen Partnern. Damals bevorzugte Tokio, nicht in Clinch mit den USA zu gehen – Abe reiste damals nicht nach Moskau. Ein Jahr später kommt er aber doch. Außer den internationalen Themen und den Kurilen wird die Erörterung der russisch-japanischen Zusammenarbeit erwartet. Offenbar ist damit die Teilnahme des Chefs von "Rosneft", Igor Setschin, sowie eines wesentlichen Teiles des Wirtschaftsblocks der russischen Regierung zu erklären.

Es gibt die gute Hoffnung, dass als Ergebnis der heutigen Veranstaltungen das Thema des Besuches Wladimir Putins in Japan in Gang gesetzt werden wird. Der japanische Ministerpräsident hat jedenfalls diese Hoffnung geäußert, was ziemlich ironisch ist, wenn man berücksichtigt, dass die japanische Seite das vorliegende Thema in den zwei letzten Jahren torpediert hat.

Allerdings haben die Japaner auch einen ernsten Grund, die Vorgänge zu beschleunigen, da in die nächsten Wochen Wladimir Putin zum Staatsbesuch nach China reisen wird. Gestern hat der offizielle Besuch des Vorsitzenden der Staatsduma und der Gruppe der russischen Parlamentarier in China angefangen. Die nächste Intensivierung der russisch-chinesischen Beziehungen ist nicht ausschließen.

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Kaum wird es Japan, in Anbetracht laufenden Entwicklung der Situation in Südostasien, erfreuen. So dass, die japanischen Partner in der allernächsten Zeit wichtige Gründe haben, zu versuchen, nicht in Washingtons Fahrwasser zu segeln, sondern sich nach den nationalen Interessen richten. Aber ob ihnen das gelingen wird bleibt offen.

"Wenn sich Shinzo Abe zu einem Treffen mit Wladimir Putin entschließt, ist das ein ziemlich mutiger Schritt für ihn. Da weder Barack Obama noch Angela Merkel oder andere westliche Staatschefs zu uns kommen, liegt es auf der Hand, dass der japanische Premier in seinen Russland-Besuch ein bestimmtes politisches Kapital investiert", sagte Andrej Kortunow, der Generaldirektor des Russischen Rates für internationale Angelegenheiten. Abe verstehe, dass man angesichts der antirussischen Stimmungen kaum mit einem Durchbruch bei der Territorialfrage rechnen kann. Allerdings zeigt der Besuch des japanischen Premiers, dass er in Sotschi sowohl bei den Beziehungen mit dem Westen als auch mit China zur "russischen Karte" greifen werde, so der Experte.

Nach dem Treffen berichtete Außenminister Lawrow: Die Verhandlungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem Ministerpräsidenten Japans, Shinzo Abe, in Sotschi, die mehr als drei Stunden dauerten, sind beendet. Der Außenminister der Russischen Föderation Sergei Lawrow, der auch an den Verhandlungen teilnahm, hat mitgeteilt, dass die beiden Führer die Problematik des Friedensvertrags zwischen den beiden Ländern, sowie die Situation auf der Koreanischen Halbinsel besprochen haben. Putin hat bestätigt, dass Russland gegen die Unterbringung von Raketenabwehr der USA in Südkorea als Antwort auf die Drohungen seitens Pjöngjangs auftritt. Er hat die vorliegende Reaktion unangemessen genannt.

Außerdem haben Russland und Japan die Durcharbeitung von konkreten Ideen über große Investitionsprojekte vereinbart.
Die Verhandlungen wurden in der Sotschier Residenz "Botscharow Rutschej" des russischen Präsidenten geführt.

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1 KOMMENTAR

  1. Dieser Besuch reiht sich nahtlos in die Kontakte der Vergangenheit. Nachbarn reden halt miteinander. Nix von Bedeutung.

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