Der Vormarsch der syrischen Armee im Norden des Landes und der baldige Fall Aleppos, Dank der Unterstützung durch Russland und der Hisbollah, bringt Erdogans Pläne in Gefahr. Die kurdischen Kräfte haben mit Asas bereits eine wichtige Schlüsselstadt eingekreist.

Von Thomas Roth

Das St. Petersburger Mariinski-Orchester hatte vor einer Woche in der historischen Wüstenstadt Palmyra, die syrische Regierungstruppen gemeinsam mit russischen Fliegerkräften im März von der Terrormiliz Daesh befreit hatten, ein klassisches Konzert gegeben. Der britische Außenminister Philip Hammond erklärte im Anschluss, das Konzert sei „ein geschmackloser Versuch, vom andauernden Leiden von Millionen von Syrern abzulenken“. Ich würde sagen: Klar, dass den das nervt. Aber es muss ihm auch nicht gefallen, es geht auch so voran. Das war die vorletzte Etappe – die letzte folgt sogleich.

In der Fülle von Nachrichten geht heute fast unter, dass die Syrische Arabische Armee sehr erfolgreich um Aleppo kämpft und das Ende des Krieges nahe ist. Die kolossalen und begeisternden Siege der syrischen Regierungsarmee verbreiten Panik unter den Behörden der Türkei und Saudi-Arabiens. Weltweit wurde der syrische Konflikt von einer ganzen Reihe von Ländern ausgenutzt, um ihre militärischen Aktiva zu zeigen. Aber was sich noch viel schlechter auswirkt ist, dass einige Länder begonnen haben, Bombardierungen, sogar ohne Erlaubnis der UNO oder der syrischen Regierung, durchzuführen. Warum setzen diese Länder eigentlich fort, sich in die inneren Angelegenheiten des fremden Landes einzumischen?

Beispielsweise Asas, oder auch Azaz geschrieben. Das ist eine Stadt ungefähr 50 km nördlich von Aleppo mit ca. 70.000 Einwohnern, sie liegt 7 km vor der türkisch-syrischen Grenze, in der Nähe des Grenzübergangs Bab al-Salameh. Der geringste Gedanke an den Verlust dieser Stadt ruft bei Erdogan einen Tobsuchtsanfall hervor. Es handelt sich darum, dass es in diesem Ort von Kämpfern nur so wimmelt, die von der türkischen Seite, von den Vereinigten Staaten, von Großbritannien, von Saudi-Arabien und von Israel aktiv unterstützt werden. Gerade aus diesem Grund, wie es schon früher bekannt wurde, hat die Türkei eine Kolonne mit Panzertechnik in diese Stadt geschickt. Gegenwärtig ist die Stadt von kurdischen Kräften eingekreist. Es gibt hier zwei mögliche Varianten der Entwicklung der Ereignisse:
1. Variante: Die kurdischen Kämpfer können im Norden Syriens die restlichen Teile kurdischer Erde während des Kampfes auch noch einsammeln und so ein einheitliches Gebiet im ganzen Norden des Landes organisieren.
2. Variante: Es werden alle Reiserouten und Versorgungswege der Terroristen abgeschnitten.

Das hat einen ganz ernsthaften Einfluss auf die Dörfer und die Städte, von denen aus Syrien terrorisiert wird, respektive von den Kämpfern, die sie okkupiert haben. Und der türkische Präsident ist aller Wahrscheinlichkeit nach selbst schon von dieser Situation und der Unordnung verwirrt. Für seine "Haus- und Hofterroristen" ist das eine gefährliche Sache. Die Kurden darf man dabei nicht unterschätzen, da sie die Kontrolle über diese Territorien wirklich herstellen und durchsetzen können. Und in so einer Situation, könnten sie die Terroristen sogar von den südlichen Gebieten der Türkei aus angreifen.

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Die Situation für die Dschihadisten der Gruppierungen Daesh, der al-Nusra Front, Dschaisch al-Fatah und anderer extremistischer Organisationen – ist es genauso kompliziert. Die Träume des selbst ausgerufenen Kalifats sterben – wie auch seine Kämpfer, die von den Vereinigten Staaten und von Großbritannien unterstützt werden – unter dem Druck der syrischen und russischen Luftflotten. Aber das Wichtigste ist, dass die letzte verbliebene Versorgungsroute der Terroristen nach Aleppo schon abgeschnitten ist. So hat Baschar al-Assad mit der Unterstützung Wladimir Putins den äußeren Ring der Blockade Aleppos geschlossen. Der Kessel beginnt, zusammengezogen zu werden. Dabei fügt die Armee von Assad den Terroristen die größten Verluste seit Kampfbeginn zu.

Aleppo ist eine drei Hauptstädte Syriens und die größte unter ihnen (vor dem Krieg wohnten hier fast 2,4 Mio Menschen). Assad hat jetzt endlich den Verlauf der Ereignisse vollständig umgekehrt, seit er die Schlüsselversorgungsrouten der Terroristen unterbrochen hat. Die Schlacht um Aleppo ist eine Art Schlüssel in diesem blutigen Krieg. Wenn es den Kämpfern Assads gelingen sollte, Aleppo zu erobern, dann wird der Krieg tatsächlich beendet sein. Wenn auch noch in den östlichen Wüstenterritorien Terroristen verbleiben, so ist das aber nichts im Vergleich mit dem Besitz der Städte Damaskus, Homs oder Aleppo. Besonders werden nach der Befreiung von Aleppo, die verbleibenden Terroristen keinerlei Bedrohung der Regierung mehr darstellen. Der Feind wird entmutigt sein und die syrischen Truppen werden die verbleibenden Gebiete peu à peu säubern. In diesen drei Städte lebt nun mal tatsächlich der größte Teil der Bevölkerung der Syrischen Arabischen Republik.

Jede militärische Operation, bei der den Terroristen ein Dorf abgerungen wurde, eine Autobahn, ein Flugplatz, eine Höhe – hat die syrischen Truppen bis nach Aleppo gebracht. Mit der Unterstützung seitens der libanesischen Bewegung "Hisbollah" und den Flugschlägen der Russischen Föderation, wurde die syrische Armee immer stärker. Die völlig demoralisierte und unterversorgte Truppe vom Herbst 2015 hat sich dank russischer Hilfe in wenigen Monaten zur schlagkräftigsten Truppe des Nahen Ostens entwickelt. Wie die militärische Quelle (aus der operativen Abteilung der syrischen Armee) informiert, hat die Zusammenarbeit Assads und Putins eine kolossale und positive Wirkung. Tausende Terroristen wurden vernichtet und der Kampf des syrischen Volkes um die Freiheit war erfolgreich. Er zeigte  sich als viel zu "wirksam" für Erdogan, der etwas völlig anderes wollte.

Alles das hat zum Bankrott der Pläne des türkischen Präsidenten geführt. Und doch hält Erdogan an den Plänen für die alternative Gasleitung von Katar und Saudi-Arabien weiter durch Syrien nach Europa fest. Dieses Projekt würde Russland nicht gefallen. Deshalb ist es trotz aller spaltenden Momente das den Westen (insbesondere die USA und die Türkei) verbindende Projekt. Als sich Saudi-Arabien entschied, zu erklären, dass es im Begriff ist, Truppen nach Syrien zu schicken, geschah das aus den gleichen Gründen. Unter dem Deckmantel des Kampfes mit den Terroristen von Daesh natürlich. Also hat die abgeschossene russische Su-24 nicht nur die Auflösung der Beziehungen zwischen zwei Staaten verursacht. Jetzt stehen in Syrien S-400, die eine Wiederholungen einer ähnlichen Situation nicht zulassen werden.

Zurück nach Asas, zur Schlüsselstadt Asas. Es ist nötig, diesen Ort als das letzte Bollwerk der Hoffnungen Erdogans zu verstehen. Und es wird auch keine Panzertechnik Ankaras den Ort retten, da sich die syrische Luftwaffe nur in dieses Gebiet zu begeben bräuchte, damit von den Panzern Erdogans nicht einmal eine Spur übrig bleibt. Außerdem – wegen der S-400, den Panzir usw. – ist diesen türkischen Truppen die Unterstützung aus der Luft entzogen, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie vernichtet werden. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum ist es denn bis jetzt nicht geschehen? Die militärische Quelle hat erklärt, dass man im Moment vorsichtig mit Ankara sein muss, da Erdogan zur Zeit in die Enge getrieben ist. Er ist in Syrien zu völlig verzweifelten Taten fähig, um die russische oder syrische Seite zu zwingen, die Türken anzugreifen. Und er hofft immer noch auf das nordatlantische Bündnis und seine Einbeziehung in diesen blutigen Konflikt. Man geht davon aus, dass so ein Amokläufer wie der Sultan unberechenbar bleibt und versucht deshalb, ihm möglichst viele Angriffspunkte zu nehmen.

Ein weiteres Problem, bei dem die Türkei eine üble Rolle spielt, sind die Verhandlungen von Genf. Laut Darstellung des stellvertretenden Außenministers Russlands, Gennadi Gatilow, ist die Haltung des syrischen oppositionellen Hohen Verhandlungsrates (HNC), der seine Teilnahme an den Friedens-Gesprächen in Genf ausgesetzt hat, durch die Türkei in seiner Entscheidungsfindung beeinflusst worden. "Aus einigen uns vorliegenden indirekten Angaben geht hervor, dass die Türkei diese Haltung gewissermaßen bewirkt hat. Es ist sehr schade, dass ausländische Akteure, darunter solch wichtige regionale Akteure wie die Türkei, nach wie vor eine nicht konstruktive Rolle in diesem Prozess spielen."

Im Endeffekt ist jetzt die ganze Aufmerksamkeit auf die Städte Asas und Aleppo konzentriert. Es bleibt nur die Frage – was wird Erdogan unternehmen? Wird er weiter die verbrecherischen Handlungen auf dem Territorium des fremden Landes versuchen oder wird er seine Truppen, um Verluste zu vermeiden, vom Gefechtsfeld zurückziehen?

Wenn man heute nach Syrien schaut – und das tun die EU-Beamten auch – dann kann man sehen, dass die Gründe für Fluchtbewegungen aus dem Land deutlich weniger geworden sind. Es scheint absehbar, dass bis zum Hochsommer/Frühherbst dieses Jahres die großen Kampfhandlungen in Syrien beendet sein werden. Dann wird noch der eine oder andere Kampfherd beräumt, man wird sich weiter aussöhnen und mit dem Wiederaufbau beginnen. Dazu werden viele Arbeitskräfte gebraucht, also wird eine Rückreisewelle einsetzen. Und schlagartig wird Erdogan – wenn er bis dahin überhaupt noch an der Macht ist – politisch uninteressant. Der Untergang begann mit Asas.

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8 thoughts on “Der Triumph der Armee Assads bei Aleppo”

  1. Sodann  wird auch dieser Big Deal des Erdfogan mit dem Verkauf von Flüchtlingen an die EU vorbei sein und die Merkel wird bald von der Bildfläche verschwinden.

  2. Wieder mal ein sehr informativer Artikel der die Situation und die Zusammenhänge sehr gut beschreiben. Freue mich auf ein Ende des Krieges und hoffe es wird schnell sein.Nur der Irre von Ankara gehört noch in die geschlossene.

  3. Der Autor hat sich hier zu weit aus dem Fenster gelehnt. Besonders die Lage um Palmyra ist besonders kritisch.

    Man soll den Tag nie vor dem Abend loben, und gewertet wird immer erst am Zieleinlauf. Der ist aber noch lange nicht in Sicht.

    Die Russen haben die unangenehme Eigenschaft auf dem Wege zum Sieg zu früh  schlampig zu werden, bevor das Endergebnis gesichert ist. – Das kann sich als fataler Fehler erweisen.  
     

  4. Sorry, aber der Artikel ist total einseitig. Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist. Natürlich und zum Glück hat Assad Boden gutgemacht. Aber ich würde doch eher von einem militärischen Patt sprechen, nachdem Assad kurz und abermals vor einer Niederlage stand. Aleppo ist noch immer nicht erobert. Bereits vor 2-3 Monaten wurde vermeldet, dass die Stadt kurz vor dem Fall stünde. Nun haben wir bereits Mai. Diese Woche wurde vermeldet, dass der IS die Versorgungswege nach Palmyra abgeschnitten hätte. In der ostsyrischen Stadt Deir Essor hat heute der IS im bislang von der Regierung gehalten Stadtteil das Krankenhaus erobert und Geiseln genommen. Einfach aufpassen, der IS und die Islamisten sind noch nicht erledigt! 

  5. Wöchentlich hunderrte Södner aus vornehmlich islamen Ländern müssen für die Kriegstreiber in Ankara und Riad den Staub Syriens kosten, Russland kriegt hier die Möglichkeit praxisnah seine Waffen zu erproben. Die Flüchtlingswelle flaut ab und Erdogan kommt um sein lukratives Einkommen.
     Es ist mühsam jede Orttschaft von diesen Primitiven Söldnern zu säubern, wo Erdogan wieder eine Tausendschaft über die Grenze schicken muss, aber es geht voran . Daran können solch kleine Überfälle auf nebensächliche Orte nix mehr ändern. Russland hat die Armee Assads wieder auf Vordermann gebracht. WSas vor einem Jahr noch aussichtslos erschien, ist Realität geworden.  Der Islam ist bereits geschlagen.

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