Rostislaw Ischtschenko analysiert die beiden Präsidentschaftskandidaten Clinton und Trump aus der russischen Perspektive.

Von Rostislaw Ischtschenko, Übersetzung: Thomas Roth

Ein großer Teil der russischen Experten, der Beobachter und sogar der gewöhnlichen Bürger, die die Wahlkampagne der USA mit Interesse verfolgen, vergleichbar mit den Olympischen Spielen oder der Fußballweltmeisterschaft, favorisiert nach dem bisherigen Verlauf des Präsidentenrennens Donald Trump. Und das ist nicht verwunderlich.

Erstens weil Hillary Clinton eine Dame ist, die viel zu unangenehm in jeder Beziehung ist.
Zweitens weil ihre negative (bis zur offenen Abneigung gehende) Beziehung zu Russland und seinem Präsidenten in breiten Kreisen sehr gut bekannt ist.
Drittens weil Donald Trump der skandalöse Bursche ist, der mit der traditionellen amerikanischen Elite kämpft. Und wer mag schon in dieser Welt die traditionelle amerikanische Elite? Im Allgemeinen geben die Russen ihm deshalb den Preis der Zuschauersympathien.

Man muss ebenfalls anerkennen, dass Donald Trump für Amerika der bessere Präsident werden könnte. Wenigstens ist der Republikaner eine Chance, während die Demokratin nur die garantierte aber beschleunigte Fortsetzung des jetzigen Welkens der amerikanischen Hegemonie ist. Aber die Russen, die mit Trump sympathisieren, hoffen auch, dass er der bessere amerikanische Präsident für Russland wird. Und das könnte dann wohl doch problematisch werden. Ich habe bisher solche Hoffnungen immer unbegründet genannt und hätte wohl – wenn es uns erlaubt wäre, bei den amerikanischen Wahlen zu stimmen – ganz überlegt meine Stimme der Exaußenministerin und Ehefrau des 42. Präsidenten der USA gegeben.

Bild: ria.ru
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Und das aus den folgenden Gründen: Historisch betrachtet war die Politik der Republikaner immer flexibler und weniger dogmatisch. Sogar Reagan, der die UdSSR "Imperium des Bösen" nannte, hatte ganz schnell begriffen, welche Vorteile Washington aus der Gorbatschowschen Version der Entspannung gewinnen konnte und entschloss sich dann, zum besten Freund der Sowjetunion zu werden. Sein Nachfolger, der Republikaner George Bush sr., agitierte sogar aktiv gegen die Unordnung in der UdSSR. Er reiste in seiner Zeit extra nach Kiew, um die ukrainischen nach Souveränität strebenden Eliten davon zu überzeugen, dass sie in der Sowjetunion süßer und weicher schlafen können.

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Der vierzigste und der einundvierzigste Präsident der USA waren auch keine Altruisten. Sie dachten einfach weniger gradlinig als die Demokraten und wussten, dass der direkte Weg zum Ziel nicht unbedingt der kürzeste sein muss. Im Rahmen der Theorie des indirekten Ansatzes strebten sie danach, die UdSSR mit ihren Umarmungen zu erdrosseln und sie hätten es auch fast geschafft. Wobei der Zerfall der Sowjetunion ihnen nicht wirklich wichtig war. Sie wollten sie nur möglichst weit entkräften und auf die Position des jüngeren Partners verbannen, der im Endeffekt sogar wirksamer als die EU für die amerikanische Hegemonie die Kastanien aus dem Feuer holen konnte.

Es war eine schöne saubere Operation, die mit ganz kleinem Aufwand zu einem reinen Sieg der USA führen sollte. Sogar der Zerfall der UdSSR verkomplizierte sie nur aber widerlegte sie nicht – man musste dann eben einfach Russland zu Brei zerdrücken. Aber dann kamen die Demokraten dazu – vertreten durch die Familie Clinton – und haben alles verändert. Sie haben sich stets als enorm wichtig gezeigt und sich ständig in Pose geworfen, aber in der Realität sind sie nicht über strategisch bedeutungslose Territorien (wie insbesondere Jugoslawien) hinausgekommen. Und gleichzeitig entwickelte sich auf dem postsowjetischen Raum etwas wirklich bemerkenswertes, die Politik der Eindämmung (Containment) Russlands.

Moskau hat aufgemerkt und die öffentliche Meinung, die ursprünglich loyal gegenüber den USA war hat sich diametral geändert. Die Chance wurde vertan und die USA haben das erschöpfende Rennen um die Erhaltung der eigenen Hegemonie beginnen müssen, dass in der Gegenwart
– seine Kampfordnungen ausgebreitet,
– tatsächlich alle freien Ressourcen gefressen
– und Russland tatsächlich nebenbei ermöglicht hat, sich zu konzentrieren, zu konsolidieren und in die Gegenoffensive überzugehen.

Die demokratische Verwaltung Obamas zeigte, dass sie die Notwendigkeit wesentlicher Reformen begriffen hatte und der Friedensnobelpreisträger versuchte wirklich, mit der verfluchten Vergangenheit zu brechen, die militärischen Aktivitäten weltweit zu reduzieren, die Konfrontation mit Russland und China aufzulösen und sich auf die inneren Problemen der USA zu konzentrieren.

Er hat es allerdings infolge einiger wichtiger Gründe nicht geschafft:
Erstens hat er sich persönlich als nicht bereit für das Präsidentenamt gezeigt. Obama hielt eine Brandrede nach der anderen und realisierte davon nichts.
Zweitens fand er sich zwar schlecht mit der Außenpolitik zurecht, versuchte aber wenigstens, sich auf die innenpolitischen Reformen zu konzentrieren. Die Außenpolitik gab er in die Hände derselben Menschen, die die Konzeption der globalen Herrschaft schon bei Clinton realisiert hatten und dabei die überlebenswichtigen strategischen Interessen der USA vernachlässigten.
Drittens, zur Zeit der Präsidentenschaft Obamas war die USA weit voran gekommen in der Realisierung der Konzeption der bewaffneten Unterdrückung aller potentiellen außenpolitischen Opponenten. Sie bekannten sich schon lange zu der Taktik "alles zu ergreifen und nichts zu verlieren", die ohne einen einheitlichen eisernen leitenden Willen, der eine alternative komplexe Konzeption realisieren könnte, weder die Militärs, noch die Politik und die Diplomaten in die Lage versetzte, aus dem lasterhaften Kreis der Entscheidungen ausbrechen zu können, was bei den vorhergehenden Entscheidungen notwendig gewesen wäre.

Daraufhin hat sich Obama als Geisel derselben für die USA unheilvollen Clintonschen Außenpolitik erwiesen, die bis zu ihm von Clinton und der republikanischen Verwaltung von Bush jr. realisiert wurde. Schon bei Letzterem wurde die Unfähigkeit Washingtons deutlich, alle Opponenten mit Waffen zu unterdrücken, aber Bush jr. hatte weder die Erfahrung noch den ausreichenden Willen, um das staatliche Schiff heftig herumwerfen zu können. Außerdem befanden sich die USA einen großen Teil der Amtszeit von  Bush jr. in der Euphorie von formalen außenpolitischen Siegen (Irak, Afghanistan) und die Unruhe rief schon aus Gewohnheit keine wesentliche Bewegung bei Jemandem hervor, außer bei einer kleinen Zahl eng verbundener Fachkräfte.

Im Allgemeinen hat das außenpolitische Paradigma der USA, dass von Clinton begonnen und im wesentlichen im Verlaufe von sechs Amtszeiten von drei Präsidenten fortgeführt wurde, das Zerdrücken der UdSSR/Russland in der am wenigsten aufwendigen und wirksamsten Weise nicht erlaubt. Es hat im Gegenteil zur Exaltiertheit der USA geführt, deren Ressourcenbasis aufgehört hat, den Aufgaben des globalen Dominierens zu entsprechen. Heute steht vor den Eliten Washingtons wieder die Notwendigkeit eine Wahl zu treffen. Man kann dieselbe Politik des bewaffneten Drucks stumpf fortsetzen, darauf hoffend, dass eher der Gegner zerbricht als die Kräfte der USA versiegen. Im Prinzip ist es heute wieder die Hoffnung auf ein Wunder, vergleichbar mit der Zeit der Oktoberrevolution von 1917, die Russland aus dem Ersten Weltkrieges herausgeführt hat und den Bankrott Deutschlands um anderthalb Jahre aufschob. Eine Anhängerin dieser Linie ist Hillary Clinton.

Wir verstehen auch, was sie wie machen würde. Wir verstehen auch, dass wir damit rechnen müssen, mit Hysterikern, mit den Versuchen Druck auszuüben, mit aufrichtiger Grobheit und mit einer offenen Kriegsdrohung zusammenzustoßen. Aber wir verstehen auch, dass sich nicht Hillary entscheiden wird, den Knopf zu drücken. Und jene Menschen, die das entscheiden werden, sind wesentlich ausgewogener.

Im Allgemeinen, wenn wir es mit Hillary zu tun haben, dann haben wir es mit einem unangenehmen, aber vorhersehbaren und berechenbaren Gegner zu tun, der die USA weiter in Richtung Ressourcenexaltiertheit führen wird.

Trump – ist nicht Bush jr. Er ist der Mittelpunkt aller starken Seiten der republikanischen Politik. Er ist auch nicht mehr als Hillary mit  Moralnormen beschwert. Aber er ist – außer bei stumpfem direktem Druck – flexibler, er sieht andere Lösungswege für das amerikanische Problem. In erster Linie versteht Donald Trump, dass ohne Stabilisierung der Wirtschaft und des Finanzsystems der USA alle Ansprüche auf die weltweite Hegemonie nicht mehr als gute Wünsche sind und die USA ganz schnell riskieren, sich in ein "Obervolta mit Raketen" zu verwandeln.

Dabei muss man verstehen, dass Trump mit seiner Meinung nicht allein steht. Er tritt natürlich gegen die traditionelle republikanische etablierte bürgerliche Gesellschaft an, aber das bedeutet nicht, dass er nicht die Unterstützung der einflussreichen Kreise hinter den Kulissen benutzt, die sich der Unseligkeit der Clintonschen Politik bewusst sind und an die Sache schöpferischer herangehen wollen. Ohne diese mächtige Unterstützung, die unter der Kontrolle der Parteieliten über die amerikanischen Massenmedien stattfindet, hätte Trump die Tribüne einfach nicht bekommen. Und alle seine Milliarden würde für eine ernste Kampagne nicht reichen.

Man kann vermuten, dass Trump versuchen wird, den USA eine Politik anzubieten, die der von Putin in Russland ähnlich ist:
Erstens der annehmbare außenpolitische Kompromiss. Die USA verringern ihre Aktivitäten auf den Hauptkonfliktplätzen, vorbehaltlich dessen, dass sie dabei ihr Gesicht nicht verlieren.
Zweitens die Konzentration auf die inneren Problemen. Das heißt, die harten Reformen, die vorübergehend zu kränklicher, aber dann entschlossener Wiederherstellung der Finanz- und Wirtschaftssysteme führen werden, übrigens einschließlich auf Kosten des Auslands (einen Default der USA hat man Trump schon zugestanden).
Drittens ist das Spiel auf den Widersprüchen unter den verbleibenden großen Spielern, die man sicher unter den Bedingungen der Senkung der internationalen Aktivität der USA leichter aufeinander hetzen kann, da die Notwendigkeit des Schutzes vor der allgemeinen Gefahr, die von Washington ausgeht, verloren gegangen sein wird und die Widersprüche untereinander sich ungehindert verschärfen können.

Die USA befinden sich gerade in einer sehr schweren Situation. Und es ist nicht die Tatsache, dass die Reformen Trumps sie retten würden. Es ist auch nicht die Tatsache, dass sie Trump gestatten werden, sie durchzuführen. Aber Trump – das ist die Chance der USA auf die Wiedergeburt, wonach man wieder zur aktiven aggressiven Außenpolitik – aber unter viel günstigeren Bedingungen – zurückkehren könnte. Und Hillary Clinton – ist die Garantie des Weges Washingtons in den Abgrund. Nach ihr wird schon kein Trump mehr Amerika retten.

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19 thoughts on “Der neue Präsident der USA: Ist Clinton oder Trump für Russland besser?”

  1. Beide sind keine Zauberer..beide sind Patrioten.

    Ich weiss jedoch wer dem nächsten amerikanischen Präsidenten sofort auf den Schoss springen wird.Mehr verrate ich nicht.(lach)

  2. Welcher Hirntote ist eigentlich auf die Idee gekommen , den Friedensnobelpreis zu entwerten- indem man ihn Obama gab ? Snowden hätte ihn verdient gehabt ! Das kommt daher, weil die Welt von Lumpen regiert wird und der Rest der Anständigen nicht den Mut hat, die Lumpen in den Arsch zu treten. Die Lumpen haben die Macht – das Militär und die Polizei. Und die Justiz spielt das Lied: "Dess'  Brot ich ess' dess' Lied ich sing".

    1. Ein Friedensnobelpreisträger ist doch auch Kissinger, entwertet wurde dieser Preis damit schon viel früher, getreu dem Motto 'Krieg ist Frieden'…

  3. Die Möglichkeit der Machtausübung zieht gefährliche Egoisten an .

    Darum leidet die Demokratie unter einer Auslese der Schlechtesten , die andere ihrer

    Freiheit berauben .

    Es ist der Fluch der Zeit , dass Tolle Blinde führen .

    Shakespeare

    1. "Die Möglichkeit der Machtausübung zieht gefährliche Egoisten an". – Die wären allerdings leicht "aus dem Feld zu schlagen", denn der Egoismus ist die Energie der Dummen. Es sind vermehrt die Psychopathen, die mit krankem Ehrgeiz zur Macht streben.

  4. Für Russland kann ich nicht sprechen, für Deutschland allerdings wäre Trump auf jeden Fall der bessere amerikanische Präsident. Er ist nämlich Deutschamerikaner; sein Grossvater väterlicherseits Friedrich Trumpf (am. Frederik Trump) stammte aus Kallstadt in der Pfalz (damals Königreich Bayern). Bis 1917 pflegten die Deutschamerikaner die deutsche Sprache, hatten deutsche Verlage, Zeitungen, Kirchen, Schulen,nach dem ersten Weltkrieg wurde dieses kulturelle Umfeld zwar zerstört, man verdächtigte die Deutschen der Illoyalität, obwohl sie in beiden Weltkriegen ihre amerikanische Bürgerpflicht getan haben, sie mussten sich der englischen Kultur assimilieren. Dennoch besteht ein Mentalitätsunterschied zur Bundesrepublik. Dadurch, dass sie nach 1945 keine Umerziehung mitmachen mussten, sind die Deutschamerikaner nicht von einem Schuldkomplex geplagt, am Nationalsozialismus haben sie auch nicht mitgewirkt. Daher sind sie in mancherlei Hinsicht "altdeutsch" geblieben und unterliegen weniger der politischen Korrektheit. Trump selbst ist das beste Beispiel dafür!

  5. Das war es: einige Wörter die zu diesem Verbrecher gehörten seine Taten seine Nationalität und seine Politische zugehörigkeit werden hier Automatisch gesperrt.

    nie wieder verlinke ich nach hier.

  6. Ich denke, Trump ist vielleicht nicht käuflich , der hat schon genug Geld.

    Na ja ich weiss,  das ist ein schwacher Trost.

    1. Ich habe einmal gelesen, von allen amerikanischen Präsidenten seit 1783, waren lediglich zwei keine Freimaurer, oder Angehörige einer anderen Geheimgesellschaft der amerikanischen Elite wie "Skull and Bones" bei der Familie Bush. Es handelte sich um den amerikanischen Bürgerkriegspräsidenten Abraham Lincoln von 1861 bis 1865 und gerade der gläubige Katholik John Fitzgerald Kennedy von 1961 bis 1963, und beide wurden im Amt ermordet! Donald Trump gehört meines Wissens auch nicht dazu. Die Frage wäre also ob es für ihn nicht besser wäre nicht gewählt zu werden!

  7. Zitat:

    Wir verstehen auch, was sie wie machen würde. Wir verstehen auch, dass wir damit rechnen müssen, mit Hysterikern, mit den Versuchen Druck auszuüben, mit aufrichtiger Grobheit und mit einer offenen Kriegsdrohung zusammenzustoßen. Aber wir verstehen auch, dass sich nicht Hillary entscheiden wird, den Knopf zu drücken.

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    Sorry, aber dieser Ansicht kann ich mich nicht anschließen.

    Die in politischer Hinsicht extremistische Clinton wäre meiner Meinung nach die Erste die ohne Probleme den Knopf drücken würde!

    Abgesehen davon negiert dieser Artikel, dass die eigentlich Macht auch in den USA in den Händen der Schattenregierung, dem "tiefen Staat", der USA liegt.

    Auch der US-Präsident ist nur eine Politmarionette. Dies wurde doch gerade bei der Obama-Administration immer wieder deutlich.

     

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