Brasilien: Und es ist doch ein Putsch!

Eine geleakte Aufnahme eines Telefongesprächs zwischen dem PMDB-Chef Jucá und einem Petrobras-Manager macht deutlich: In Brasilien wurde eiskalt gegen Präsidentin Dilma geputscht, um so Korruptionsermittlungen zu sabotieren.

Von Marco Maier

Weil Präsidentin Dilma Rousseff die Ermittlungen im sogenannten Lava-Jato-Prozess rigoros vorantrieb um die Korruption in Sachen Petrobras und Politik aufzudecken, wurde sie von ihrem Koalitionspartner PMDB und anderen in den Fall verstrickten Politikern zu Fall gebracht. Freudig unterstützt von der rechten Opposition, die teils ebenfalls in den Skandal verwickelt ist und ansonsten nur auf eine Gelegenheit wartete, die ungeliebte linke Regierung zu stürzen und selbst die Macht im größten Land Südamerikas zu übernehmen.

Ein rund 75 Minuten lang dauerndes Gespräch zwischen PMDB-Chef Romero Jucá und einem Manager des Ölkonzerns Petrobras, Sérgio Machado, zeigt, dass das ganze Verfahren gegen Dilma Rousseff vor allem eine Vertuschungsaktion werden sollte, bei dem auch hohe Richter "überzeugt" wurden. Die einflussreiche Tageszeitung Folha de São Paulo veröffentlichte einige Abschriften des Telefongesprächs, woraufhin mit Jucá nun schon der zweite führende Akteur des Staatsstreichs den Posten räumen musste. Anfang Mai traf es bereits den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, der als vehementer Gegner Rousseffs gilt.

Demnach hat Jucá sich schon einige Wochen vor dem Putsch gegen Rousseff die Unterstützung von Generälen der Armee gesichert. "Ich habe mit den Generälen und kommandierenden Militärs gesprochen. Von ihrer Seite aus gibt es kein Problem, sie sagten, dass sie es absichern werden", so Jucá zu Machado. Weiters gebe es beim Obersten Gerichtshof "nur eine kleine Anzahl" von Richtern, zu denen er nicht hätte vordringen können, so der inzwischen ebenfalls gestürzte Minister. Auch habe er die Unterstützung der Medienkonzerne. Doch dies ist nicht weiter verwunderlich, zumal die brasilianische Medienlandschaft traditionell in Händen der konservativen weißen Eliten des Landes liegen.

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Der bisherige Vizepräsident Brasiliens, Michel Temer (PMDB), der einen radikalen Politikwechsel in Brasilien durchziehen wollte, muss nun zusehen, wie seine in der brasilianischen Bevölkerung ohnehin unbeliebten Putschregierung Stück für Stück zerbröselt. In den letzten veröffentlichten Umfragen hatte die Putschregierung eine Zustimmung von gerade einmal zwei Prozent, während beinahe zwei Drittel der Brasilianer Temer weghaben wollen.

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An und für sich wäre es sinnvoll, wenn angesichts der bekannten Tatsachen das Impeachment gegen Dilma wieder aufgehoben wird und es zu einer Neuwahl des Parlaments kommt. Der PT Dilmas mag zwar durchaus ebenfalls Fehler gemacht haben und einige der PT-Politiker in Korruptionsskandale verwickelt sein – doch wenn Dilma dafür sorgt, dass all diese belasteten Politiker nicht mehr auf den Wahlzetteln aufscheinen und so einen Neustart aufzeigt, kann sie es durchaus schaffen.

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5 Kommentare

  1. Ich gehe trotzdem davon aus, dass hinter diesem Putsch die USA stehen. In Argentinien hat man die US-kritische Kirchner entsorgt, in Kolumbien blüht nach wie vor das Drogengeschäft und jüngst ist man bemüht, Venezuela zu destabilisieren.

    Die USA kehren 'ihren' Hinterhof aus, weil sie im Rest der Welt nichts mehr zu melden haben.

    Europa destabilisiert sich mit der Migrantenflut selbst, Asien ist an Russland/China verloren und in Afrika gibt es auch nichts mehr zu holen.

    Aber gut, dass es heute Anonymous gibt und diese weltweiten Schweinereien nicht mehr unentdeckt bleiben.

  2. Wer führt heute anstatt der Bomben das Kriegshandwerk als Hauptwaffe ??

     

    Das Schlüsselwort heißt Finanzkrieg !! Die MEGAWAFFE heißt : IWF !!!!

     

    https://www.youtube.com/watch?v=n9gXKX0wopw&feature=youtu.be !!

     

    Ernst Wolff bei Prof. Dr. Vogt und Querdenken-TV:

     

    Der IWF – leihe und herrsche. Wie man sich die Welt durch Kreditvergabe unterwirft !!!

     

    Vor dem IWF und der fed … gab es auch schon korrupte Zentralbanken

  3. das was brasilien beispielsweise der hochentwickelten, europäischen ukraine voraus hat ist, dass dort die so belasteten personen das feld wieder räumen müssen. als notorischer pessimist, fällt es mir schwer daran zu glauben, dass das impeachment – entgegen dem willen der usa – wieder aufgehoben wird (oder Roussef – wenn dies doch geschieht – nicht tödlich verunfallt) aber man muss ja versuchen in allem was gutes – ist trotzdem trotzdem irgendwie "schön". 

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