Algarve: Fracking bedroht Portugals Urlauberparadies

Es ist ein Schreckensszenario für die Bewohner der Algarve. Sie brauchen Unterstützung gegen die übermächtige Frackinglobby und die Ölkonzerne. Die Vorgängerregierung hat ihnen eine Woche vor den Wahlen noch Rechte übertragen, aus der die jetzige Regierung nicht ohne hohe Abfindungen zu zahlen wieder herauskommen kann.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Luisa Schmidt, Soziologin der Universität Lissabon und Umweltaktivistin, schrieb im „Expresso“: „Für die, die noch nicht aufgewacht sind, lassen wir hier einen Weckruf. Allein schon an der Algarve wurden einige Verträge zur Durchführung von Probebohrungen nach Öl und Gas unterzeichnet. Es ist eine Aussaat für Bohrtürme vor den Stränden der Algarve und der Westküste. Andere Bohrtürme für Fracking werden im Hinterland – der Serra – und im Alentejo wachsen. (…) Die Verträge, die mit der Vorgängerregierung eine Woche vor den Wahlen, ausgehandelt wurden, beinhalten Schweigeverpflichtungen und Abfindungsklauseln für den Fall eines Rückziehers bei einem Regierungswechsel.“

Dieser Regierungswechsel hat nun stattgefunden und Umweltaktivisten, Bürgerinitiativen und Medien bekämpfen gemeinsam die Lobbyisten, die sich bereits bei den neuen Machthabern einzuschleimen versuchen und mit einer Mischung aus Versprechungen und Drohungen ihre Interessen gegen den Willen der Bewohner vor Ort durchsetzen wollen. Das Problem sind natürlich, wie auch schon mit anderen privatisierten und konzessionierten Sektoren der Wirtschaft, die Vertragsklauseln, die hohe Abfindungen für den Fall eines Rückziehers vorsehen. Nur ein massiver Protest der Bevölkerung, gepaart mit Einstweiligen Verfügungen und anderen Klagen vor allen möglichen Gerichten, kann hier die vorprogrammierte Umweltkatastrophe noch verhindern. Der Protest ist aber noch viel zu leise. Medien und Politik scheinen derzeit mit „wichtigeren Problemen“ beschäftigt zu sein. Das Thema darf nicht aus den Augen verloren werden.

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Erst kürzlich wurde ein portugiesischer Unternehmer, Sousa Sintra, von einem Gericht gestoppt, als er eine 500 Meter Bohrung „nach Wasser“ für eine Handvoll Hektar Land im Alentejo durchgeführt hat. Selbst nachdem er auf Wasser gestoßen war, bohrte er weiter. Hätte er Öl auf seinem Grundstück gefunden, wäre das Grundwasser, der sowieso schon an Wassermangel leidenden Region, in einem weitem Umkreis vergiftet worden. Die Bohrlizenz wurde aber wieder zurückgenommen und die Staatsanwaltschaft ermittelt. Wie es möglich war, eine solche Lizenz für eine Tiefe von 500 Metern (!) zu bekommen ist nicht schwer zu erahnen. Also nachdem die jetzige Regierung darauf hört, was die Menschen zu sagen haben, versucht man das Gesetz zu umgehen.

Wir sehen hier eine typische Aktion der Öl- und Gaslobby, die weltweit agiert und sich dabei überall den Begebenheiten vor Ort anpasst. In Brasilien und anderen Ländern benutzt man massive Korruption. In Venezuela sehen wir einen für Lateinamerika typischen CIA-Putsch seit der Verstaatlichung der Ölproduktion und in Europa sucht man auch nach korrupten Politikern oder Beamte und arbeitet mit allen Tricks die Anwälte in den jeweiligen Gesetzestexten finden können. Das letzte was Portugals Tourismusindustrie braucht, ist ein Ölteppich auf dem Strand und Fracking in der Kornkammer des Landes, dem Alentejo. Das Contra Magazin wird das Thema weiter verfolgen.

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18 Kommentare

  1. "…Wir sehen hier eine typische Aktion der Öl- und Gaslobby…"

    Falsch. Wir sehen die für Demokratien typische straflose Korruption. Sollte sich dieser Begriff rechtlich nicht halten lassen, dann ist es die für Demokraten ebenso typische straflose arrogante Dummheit.

  2. "Falsch. Wir sehen die für Demokratien typische straflose Korruption. Sollte sich dieser Begriff rechtlich nicht halten lassen, dann ist es die für Demokraten ebenso typische straflose arrogante Dummheit. "

     

    Was wir hier sehen in Dummheit welche nicht differenzieren kann und Fakten vermischt.

  3. Fracking ist der Wahnsinn schlechthin. Nicht nur werden die Böden und das Grundwasser kontaminiert, auch Erdbeben, Erdrutsche und Senklöcher sind die Folge. Hält das die Politverbrecher davon ab, Fracking zu unterstützen? Natürlich nicht. Sie tun, was korrupte, ferngesteuerte Huren tun.

    Was die Umwelt zerstört, ist gut.

    Was Menschen krank macht, ist gut.

    Was Menschen in Existenznot bringt, ist gut.

    Was Russland Umsatzeinbrüche bringt, ist gut.

    Und Fracking ist nur die Spitze des Eisbergs. 

    Die meisten Politiker gehören in Sicherheitverwahrung.

    http://stopesm.blogspot.de/2015/05/fracking-chemikalien-im-trinkwasser.html

    http://stopesm.blogspot.de/2015/07/fracking-fur-rund-ein-drittel-unseres.html

    http://stopesm.blogspot.de/2015/01/usa-erdbeben-auer-kontrolle-durch.html

    http://stopesm.blogspot.de/2014/03/erdgas-fracking-als-ursache-fur.html

    http://stopesm.blogspot.de/2014/11/experte-vorteile-von-fracking.html

    http://stopesm.blogspot.de/2014/05/was-passiert-mit-der-sandburg-wenn-das.html

    1. Na ja. Seit sechs Wochen habe ich so ein schönes Umweltdesaster fast vor der Haustür. Ein 10 Mrd. Objekt. Und wenn der Schaden für unzählige Leute nicht echt bedrohlich wäre, könnte das Beobachten höchster Volksvertreter beim Vertuschen eine reine Gaudi sein.

    2. Na vielen Dank. Da zieh ich nun ins Alentejo, weil ich meine Ruhe vorm "System" haben will und schon muss ich mich mit fracking im persönlichen Rahmen beschäftigen. Und dann kommst Du. Ich kriegs kotzen, sorry

    1. Genau. Das schädliche CO2 im Mineralwasser ist schon schlimm genug. Wenn niicht bald eine Steuer auf Mineralwasser kommt … völlig verantwortungslos von Berlin,sowas zu dulden!!!!!!

  4. Die Skruppellosigkeit der Öl- und Gaslobby an der portugiesischen Algarve wäre nun eine Art "Krönung" der  mehrfachen, z.T. barbarischen, jedenfalls langsamen aber sicheren Zerstörung dieses ehemaligen Paradieses in den letzten Jahrzehnten durch verschiedene Akteure, nicht zuletzt durch die einheimische Bevölkerung.

  5. wenn Merkel Fracking alleine entscheidet und befürwortet rechnen die Politiker mit Bürgerkrieg! oder warum hat man eine Sondertruppe aufgestellt die gegen die Bürger vorhehen sollen?

  6. Was ist mit den Naturschutzgebieten – konnte die alte Regierung solche Verträge überhaupt unterzeichnen oder war das schon eine kriminelle und damit ungültige Handlung, was ja zu vermuten ist, wenn solch ein Vertrag vor der Wahl unterschrieben wird???

    Zeit die Konten der Unterschreiber zu chekcen ;))))))))))))

    Algarve

    Parque Natural da Ria Formosa

    Die ➪ Ria Formosa an der Küste der Ostalgarve ist eine unter Naturschutz stehende Lagunenlandschaft, ein Feuchtgebiet mit Salzfeldern (salinas), Wattflächen, Kanälen und Sandbänken. ✏ Adresse: Centro de Educação Ambiental de Marim | Quelfes | Olhão

    Alentejo

    Parque Natural da Serra de São Mamede

    Das Gebirge ➪ Serra de São Mamede ist ein portugiesisches Mittelgebirge. Es befindet sich im nordöstlichen Alentejo im Landkreis Portalegre an der Grenze zu Spanien. Die bis zu 1025 m hohen Berge sind überwiegend mit Wald bedeckt. Zum Schutz der reichen Flora und Fauna entstand der 31.000 ha große Naturpark Parque Natural da Serra de São Mamede.
    ✏ Adresse: Quinta dos Olhos d'Água – Portalegre – Serra São Mamede
     

    Parque Natural do Vale do Guadiana

    Der Naturpark ➪ Vale do Guadiana (Flussebene Guadiana) umfasst eine Fläche von 69.700 ha. Er befindet sich im südöstlichen Teil Portugals im Alentejo. Im Park liegen die Landkreise von Mertola und Serpa im Bezirk Beja. Im Nordteil des Naturschutzgebietes befindet sich die Hauptattraktion, der Pulo do Lobo (Wolfssprung), ein 20 Meter tiefer Wasserfall.
    ✏ Adresse: Centro Polivalente de Divulgação da Casa do Lanternim
    Rua D. Sancho II, 15 – Mértola

     

    Parque Natural Costa Vicentina

    Der 75000 ha Naturpark ➪ Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina liegt im Südwesten Portugals. Er erstreckt sich am Atlantik über eine Küstenlänge von 100 km von Porto Covo im Alentejo bis westlich von Lagos an der Algarve. Der Park umfasst einzigartige Tier- und Pflanzenbiotope und wird von Zoologen und Botanikern aus aller Welt besucht. Vogelarten wie Fischadler und Weißstorch bauen ihre Nester in die Felsen der Küste. Es ist die einzige Stelle weltweit, wo Störche in den Klippen am Meer nisten. Der Fischotter hat hier einen seiner letzten natürlichen, marinen Lebensräume in Europa. Der Naturpark von "Costa Vicentina" umfasst den südwestlichen Küstenabschnitt, im Süden die Alentejo-Küste und die West-Algarve bis das "Cabo de São Vicente". Er umfasst die Gemeinden: Sines * Odemira * Aljezur * Vila do Bispo.

     

    Serra

    Parque Natural da Serra da Estrela

    Der ➪ Serra da Estrela-Naturpark liegt im größten Gebirgszug in Portugal, der Serra da Estrela. Hier entspringen die Quellen der Flüsse Mondego, Zêzere (Nebenfluss des Tejo) und Alva. Der Park ist das größte Naturschutzgebiet in Portugal. Mehr als die Hälfte seiner Fläche liegt oberhalb einer Höhe von 700 m. 1.993 m ist der höchste Gipfel auf dem portugiesischen Festland (benannt Torre) und ein Skigebiet (benannt Vodafone Ski Resort). Während des Quartärs wurde die gesamte Region von Eis überzogen und liess nach dem Abtauen sichtbare Spuren in der Landschaft: Täler in Form von Hufeisen, Schluchten, Felsen und Seen eiszeitlichen Ursprungs. ✏ Adresse: Rua 1. de Maio 2 | Manteigas | Serra da Estrela

    Parque Natural das Serras de Aire e Candeeiros

    Der Naturpark ➪ Gebirge Aire und Candeeiros ist ein unter Naturschutz stehendes Gebiet (geschaffen 1979, umfasst 38.900 Hektar). Der Park umfasst die Landkreise von: Alcobaça, Porto de Mós, Rio Maior, Santarém, Torres Novas und Ourém.
    ✏ Adresse: Rua Dr. Augusto César Silva Ferreira | Rio Maior
    1. Ebene von Santo António (im südlichen Teil) 2. Gebirgszug Serra dos Candeeiros (im westlichen Teil) 3. Ebene São Mamede (im nördlichen Teil) 4. Gebirgszug Serra de Aire (östlichen Teil). Eine andere Attraktion dieses Naturschutzgebietes sind die Tropfsteinhöhlen Grutas de Mira Daire. ✏ Adresse: Avenida Dr. Luciano Justo Ramos | Mira de Aire
    Email: [email protected] | http://www.grutasmiradaire.com
     

    Serra de Aire – Dinosaurierspuren – Sauropoden

    Die Sauropoden-Spuren ➪ Pegadas dos Dinossáurios aus der Jura-Zeit befinden sich im Steinbruch Pedreira do Galinha, Gebirge Serra de Aire (Parque Natural das Serras de Aire e Candeeiro) im Landkreis Ourem, nahe bei Fatima. Der Jura begann vor etwa 199,6 Millionen Jahren und endete vor etwa 145,5 Millionen Jahren und dauerte somit 54.1 Millionen Jahre. Sauropoden waren gigantische Pflanzenfresser. Der Körperbau war bei allen Vertretern ähnlich und ist durch einen meist extrem langen Hals und Schwanz, einen massigen, tonnenförmigen Körper mit säulenartigen Beinen sowie einen proportional sehr kleinen Kopf gekennzeichnet. Im Steinbruch wurden 20 gut sichtbare Spuren von einer Herde Sauropoden gefunden, eine davon ist 147 Meter lang, eine andere 142 Meter. Vor 175 Millionen Jahren, als Europa noch an den amerikanischen Kontinent grenzte, befand sich an der Stelle des heutigen Mittelgebirges ein flaches Meer und eine Küstenregion aus Kalkstein. Das Klima war heiss und feucht. Grosse Teile der Lagunen wurden überschwemmt und hinterliessen nach dem teilweisen Austrocken einen schlammigen Untergrund. Genau auf so einer Lagune zog die Herde, ausgewachsene Tiere mit ihren Jungen entlang und hinterliessen ihre Spuren. Im Lauf der Jahrmillionen bedeckten Ablagerungen die Spuren, die dann im Steinbruch durch Zufall entdeckt wurden. Nach der Entdeckung wurde der Steinbruch stillgelegt und im Jahre 1997 ein 20 Hektar großes Freilichtmuseum errichtet. ✏ Adresse: Estrada de Fátima – Bairro
    http://www.pegadasdedinossaurios.org

     

    1. Vielen Dank für die ausführliche Aufführung der Naturschutzgebiete, die liest sich wie ein interessanter Fremdenverkehrsführer. Trotz diesen und anderen Naturschutgebieten, zeigt eine nähere Beobachtung der portugiesischen Realität, dass deren Bestehen, insgesamt betrachtet,  kein Garant für einen nachhaltigen Umweltschutz ist. Vielmehr ist es in diesem  Zusammenhang hier zu Lande allgemein eindeutig, wie ein neoliberal-geprägtes politisches System einerseits und ein in Sachen Post-Moderne rückständige Bevölkerung andererseits zur Katastrophe führen können. Bestimmt kein Einzelfall in der Welt.

        1. Stimmt schon, aber diese Bürgerinitiativen kommen leider nur aus einem sehr schmalen Abschnitt der Gesellschaft. Auf Portugiesisch ausgedrückt: "Não basta uma andorinha para fazer a Primavera".

          Bin persönlich viele Jahre a.d. Algarve wohnhaft gewesen und kenne daher das Gebiet bestens, nämlich das Landesinnere. Sollten Zweifel an meiner o.a. Behauptung aufkommen, wäre irgendwann gerne bereit, einige Beispiele vor Ort persönlich aufzuzeigen.

          1. Im Landesinneren, also im ländlichen Gebieten, bezweifle ich das keineswegs. Es ist die Jugend in den urbanen Zentren und die im Ausland gearbeitet haben, die Recyclen, achten auf die Ernährung die Blauen Fahnen an den Stränden… Es sind die Ausländer die neue Ideen mitbrachten und durch diese immer mehr Bewegung reinbringen. Statt 4. Klasse haben wir jetzt 9. Klasse und bald die 12. Klasse als Schulpflicht. Es dauert halt, bis man ein Land der Analphabeten in ein Land der Studenten zu verwandeln…Aber es wird langsam, auch wenn wir 4 Jahre lang einen Rückschritt gemacht haben.

  7. Fürs Fracking gibt es eine ganz natürliche Lösung.

    Alle Frackingbefürworter, Frackinglizenzunterzeichner, Frackinggutachter, Frackingunternehmer, Frackingzulieferer, Frackingprofiteure sollten sich vor den Augen aller Interessierten mit der Chemikalienmischung und den 5000 bar Druck ihren Darm fracken lassen.

    Den nahestehenden Angehörigen wird dann die Aufgabe zuteil den Flowback als Getränk zu trinken bis er alle ist und die Hinterlassenschaften fachgerecht mit den eigenen Händen zu entsorgen.

    Ich denke, das Thema Fracking würde nur noch ein Gesprächsthema von wenigen Tagen sein, ebenso die Bedrohung für Mutter Erde.

  8. Ja, Rui Filipe, vielen dank für die zutreffende Reaktion. Man muss ja viel "paciência" aufbringen. Hoffe sehr, dass Du Recht behälst, was die Entwicklung von Umwelt-Bewusstsein hier zu Lande angeht. X Tonnen Bauschutt usw. auf oft idyllischen Landstrichen gekippt, das ist schon schlimm genug, die aktuelle Fracking-Geschichte gleicht aber einem Alptraum.

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