Umdenken in Ankara? Mörder des russischen Piloten verhaftet

Bislang wollte man sich seitens der türkischen Regierung nicht damit bemühen, den Mörder eines der Piloten des abgeschossenen russischen Kampfjets zu fassen. Nun erfolgte wohl ein Umdenken. Er und ein Dutzend seiner Kameraden wurden in Izmir festgenommen.

Von Marco Maier

Offenbar wiegt der internationale Druck auf Ankara doch schwerer als man zugeben will. Die russische Reaktion auf den Abschuss der Suchoi-24 in Nordsyrien durch die türkische Luftwaffe, die daraufhin erfolgte Ermordung des Piloten Oleg Peschkow durch von der Türkei unterstützte turkmenische Rebellen und das ganze destruktive Verhalten der türkischen Führung nach den Vorfällen sorgte schon für entsprechende wirtschaftliche Konsequenzen. Aber auch von den NATO-Partnern bekam Erdogan Gegenwind zu spüren.

Als dann der Mörder des Piloten, Alparslan Celik, welcher der Sohn eines Parteifunktionärs der rechtsextremistischen MHP ist, im Januar zu einem Begräbnis eines seiner Kameraden fuhr, musste er mit keiner Strafverfolgung durch die türkischen Behörden rechnen. Celik fühlte sich in der Türkei sogar so sicher, so dass er sich all die Monate über frei im Land und auch über die Grenze nach Syrien bewegen konnte. Nun jedoch wurden er und ein Dutzend weiterer Verdächtiger in einem Restaurant in Izmir von der türkischen Polizei verhaftet. Laut der türkischen Nachrichtenagentur Dogan wurden dabei auch ein Schnellfeuergewehr, zwei Pistolen und Munition sichergestellt.

Ob nun ein Verfahren wegen Mord eingeleitet wird, muss sich erst zeigen. Angesichts dessen, dass der ganze Prozess dann zu einem Politikum wird, dürfte die Anklage wohl versuchen, ein möglichst hohes Strafmaß zu fordern um so Moskau quasi ein Friedensangebot zu machen, während die Verteidigung sich wohl auf das Kriegsrecht berufen dürfte. Da der Mord allerdings auf syrischem Territorium stattfand, müsste eigentlich ein syrisches Gericht über das Schicksal von Celik und seinen Kameraden entscheiden. Doch dazu wird sich Ankara aufgrund der Feindschaft zur Regierung Assad wohl nicht hinreißen lassen.

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6 Kommentare

  1. Als dann der Mörder des Piloten, Alparslan Celik, welcher der Sohn eines Parteifunktionärs der rechtsextremistischen MHP ist, im Januar zu einem Begräbnis eines seiner Kameraden fuhr, musste er mit keiner Strafverfolgung durch die türkischen Behörden rechnen. Celik fühlte sich in der Türkei sogar so sicher, so dass er sich all die Monate über frei im Land und auch über die Grenze nach Syrien bewegen konnte.

     

    Zukünftiges EU-Mitglied???

  2. Reine Berechnung seitens Erdoahns. Verhaftung bedeutet noch keine Verurteilung, und selbst dann kommt er höchstwahrscheinlichnach 2 jahren, die er in einer Villa absitzt, wiieder frei. Die Familie des Piloten hat seinen Vater für immer verloren!!! Hinterlistig und feige ermordet! Das bezeugt keine Reue seitens der Türkei, ein mittelmäßiger bis schlechter Schachzug, der so hoffe ich, keine Touristen nach Russland bringen wird! Und den Putin als solches richtig interpretiert. Denn einen Gesinnungswandel seiner Unmoral halte ich beim türkischen Ministerpräsidenten für ausgeschlossen, widerspricht es seiner tiefsten Ablehnung allem gegenüber, das sein osmanisches Großreich verhindert!!

  3. Wer die jüngste Geschichte der Türkei kennt der weiß, dass es kein Umdenken unter Erdogan geben wird. 

    Nach Ende des 2. Weltkrieges musste die bis dahin neutrale Türkei, auf Druck der Alliierten dem Deutschen Reich 1945 symbolisch den Krieg erklären, um einen Sitz in den Vereinten Nationen zu bekommen und einem drohenden Krieg aus dem Weg zu gehen. Nach der Teilnahme an dem von der UNO geführten Koreakrieg 1950 und der 1952 erfolgten Aufnahme in die NATO, putschte sich das Militär insgesamt dreimal (1960, 1971, 1980) an die Macht, während 1974 unter Berufung auf den "Londoner Garantievertrag" der Nordteil Zyperns besetzt wurde. Wegen seiner  besonderen strategischen Lage zwischen Europa, Asien und Afrika und der Tatsache, dass die Türkei einer der größten Anzahl der aktiven Soldaten unterhält, lagern im NATO-Stützpunkt Incirlik bis heute Atomsprengköpfe.

    Mit seiner Partei AKP hat Erdogan in den vergangenen Jahren, seine konservativ-religiöse Bevölkerung zu einer nach europäischen Vorstellungsvermögen unglaublichen Glaubensgemeinschaft umgeformt, um letztendlich das Präsidentenamt zu stürmen. Seine Staatsführung, mit einer Ausrichtung auf ein autoritär-präsidiales System, hat sich zu einem "Staatssystem Erdogan" entwickelt und er wird nach den Wahlen 2017 länger im Amt sein wie der vergötterte Republikgründer Atatürk. Und auch dann könnte er nochmal als Präsidentschaftskandidat antreten und seine religiösen Regeln mit seiner staatlichen Macht durchknüppeln.

    Erdogan wird ganz sicher nicht einfach abtreten oder klein beigeben. Was immer passiert, es wird mit einem Knall passieren.

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