Topverdiener finanzieren wachsenden Anteil der Staatseinnahmen

Dass der kleine Mann in die Tasche greifen muss und die ganze Steuerlast tragen muss, das wird zwar oft beklagt, ist aber nicht die Realität. Ab einem Jahresabkommen von 70.000 Euro sind die Einkommen 2015 deutlich höher belastet worden, Einkommen die darunter lagen, wurden deutlich entlastet. 

Von Redaktion/dts

Gutverdiener tragen einen immer größeren Anteil an der Finanzierung des Staates, während mittlere und niedrige Einkommen in den letzten Jahren entlastet wurden. Dies ist das Ergebnis einer noch unveröffentlichten Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), über die die "Welt am Sonntag" berichtet. Die stärkste Entlastung stellten die Forscher bei Haushalten mit einem Bruttoeinkommen zwischen 20.000 und 30.000 Euro fest: Während diese Gruppe 2010 noch gut zwölf Prozent der Steuer- und Abgabenlast getragen habe, seien es 2015 nur noch knapp neun Prozent gewesen.

Der Finanzierungsbeitrag der Einkommensklasse zwischen 30.000 und 40.000 Euro sei im gleichen Zeitraum um zwei Prozentpunkte von etwa 14 Prozent auf zwölf Prozent gesunken. Ab einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro zeigt die Studie dagegen eine gestiegene Belastung. Am stärksten nahm die Belastung in der höchsten Einkommensklasse zu, die bei einem Haushaltseinkommen von 200.000 Euro beginnt: Ihr Finanzierungsanteil kletterte seit 2010 von knapp sechs auf gut acht Prozent. "Die Umverteilung hat zugenommen und sie funktioniert wie gewünscht von oben nach unten", sagte RWI-Steuerexperte Philipp Breidenbach der Zeitung.

Die im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellte Studie bezieht neben Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag auch die Verteilungswirkung der Sozialabgaben sowie indirekte Steuern wie Mehrwertsteuer, Energiesteuer und Kfz-Steuer ein. Das Essener Institut widerspricht der These, dass vor allem die Mittelschicht übermäßig mit Steuern und Abgaben belegt sei. Zwar sammele der Staat das meiste Geld in den mittleren Einkommensgruppen ein. Laut Studie steuerten die Einkommensklassen von 30.000 bis 60.000 Euro knapp 34 Prozent des Gesamtaufkommens bei. Allerdings sei der große Finanzierungsanteil vor allem der Tatsache geschuldet, dass fast ein Drittel aller Haushalte in diesen Einkommensbereich falle, schreiben die Autoren.

Dagegen umfasse die einkommensstärkste Gruppe oberhalb von 200.000 Euro lediglich knapp ein Prozent aller Haushalte. Die Entlastungen am unteren Einkommensende führt das RWI darauf zurück, dass in den vergangenen Jahren mehrfach der steuerliche Grundfreibetrag angehoben wurde. Auch sei der Eingangssteuersatz gesenkt worden. Beide Maßnahmen kämen zwar allen Steuerzahlern zugute, schlügen aber bei niedrigen Einkommen stärker zu Buche als bei Gutverdienern.

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Angesichts des im vergangenen Jahr erzielten Überschusses im Staatshaushalt spricht sich das Essener Institut für eine Entlastung aller Einkommensschichten aus. So wäre "eine nachhaltige Vermeidung der kalten Progression durch die Einführung eines Tarifs auf Rädern derzeit auch ohne Gegenfinanzierung haushaltspolitisch vertretbar", heißt es in der Studie. "Alternativ könnte der finanzpolitische Handlungsspielraum für einen Abbau des umstrittenen Solidaritätszuschlags genutzt werden."

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11 Kommentare

  1. Das  soll jemand glauben? Ich nicht! Wozu hanen wir denn versierte Steuerberater und Wirtschaftsprüfer?? Das ist Dummmachung und Opium fürs Volk!

  2. "Die im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellte Studie…"

    —————————————————————————————————————

    "Danke" für die Lobbyarbeit, RWI.

    Ein Auszug von Lobbypedia.de:

    Das Institut der deutsche Wirtschaft Köln (IW) ist ein privates, unternehmensnahes Wirtschaftsforschungsinstitut, das Analysen und Stellungnahmen zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik erarbeitet. Trägervereine sind die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände(BDA) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Über die Tochtergesellschaft Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und andere ihr nahestehende Organisationen entwickelt das IW PR-Aktivitäten für die wirtschaftspolitischen Positionen der Arbeitgeber.

    Link: … lobbypedia.de/wiki/Institut_der_deutschen_Wirtschaft

    Könnt ihr stecken lassen, solche "Studien". Und so etwas ist die Regel und nicht die Ausnahme.

  3. Sie mögen ja hohe Prozentsätze einzahlen, aber wer 20% von 2000€ zahlt hat hinterher 1600. Wer 50% von 50.000 zahlt hat immer noch 25.000€ !!! Ausserdem zahlen die, die sich Anwälte wie Mossack Fonseca leisten können nur von einem Teil ihres Einkommens Steuern…

    1. Hört man hier den Neid der Besitzlosen? Nicht allen Gutverdienern wird das Geld hinterher geschmissen. Wer eine gute Ausbildung hat und hart arbeitet, dem soll am Monatsende auch mehr bleiben dürfen.

  4. … während die die wenig verdienen (bekommen) ja immer eine schlechte Ausbildung haben und es geschenkt bekommen…

    Merken Sie eigentlich noch etwas wenn ihnen jemand mit dem Hammer vor ihr Brett vor dem Kopf schlägt oder fragen sie wo es klopft?

    [email protected] bestätigt doch das was sie schreiben, die vermeintlich "gut ausgebildeten und hart arneitenden" haben doch am ende auch mehr.

      1. Ihr Kommentar läßt diverse Interpretationen zu. Drücken Sie sich doch 'mal etwas präziser aus. —   Was den Neid der Besitzlosen angeht, so gehört etwa 2/3 der deutschen Bevölkerung zu diesen "Besitzlosen", d.h., sie haben kein oder nur ein sehr geringes "Vermögen" (bis 10000Euro). Als "Topverdiener" gelten etwa 2,5% der Arbeitnehmer und wenn deren Steuerlast die Staatseinnahmen auch nur nennenswert erhöht, will ich Merkel heißen.  —  

  5. Voll der Quatsch! Der Finanzwelt des Dollars gehört die westliche Welt. Entweder man ist auf deren Seite oder man wird ein schweres Schicksal erleiden. Natürlich gibt es noch ein paar unbedeutende Kapitalisten, die durch unzählige Steuertricks auch Reich bleiben dürfen, aber mit der Finanzierung von Staatseinnahmen hat das nun wirklich nichts zu tun.

    Liebe Redaktion, das würde doch z. b. bedeuten, dass die griechischen Topverdiener die griechischen Staatseinnahmen finanzieren. Komisch nur das deren Gelder alle vor der Pleite ins Ausland geflossen sind. Komisch…

  6. Eine solche Studie eignet sich vorzüglich, weiteren Sand in die Augen des Wählervolks zu blasen. Ihnen soll vermutlich auf diesem Wege mitgeteilt werden, wie erfolgreich die Merkel-Regierung arbeitet. –  Die Menschen mit Einkommen ab 1 Mio. gelten für mich als "Topverdiener", die haben allerdings einen verhältnismäßig niedrigen Einkommenssteuersatz, da ein großer Teil ihres (Netto)Einkommens frei von konsumsteuern wie Umsatzsteuer, Ökosteuer, Mineralölsteuer (!!!), Tabaksteuer….bleibt. Die sog. Superreichen der BRD, denen rund 30% des Vermögens in Deutschland gehört, werden leider auch nie in derart lancierten Studien erwähnt. —  Hier einige Beispiele für internationale Top-Verdiener: Hedge-Fond-Manager verdienen zwischen 500 und 800Mio. $ im Jahr, Assetmanager Steve Cohen brachte es 2014 auf 2,4 Milliarden und der beliebte George Soros auf bescheidene 1,2 Milliarden. – Nicht unbedingt Beispiele für eine "Verteilung von oben nach unten".

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