Irren ist menschlich: Präsident Putin gesteht gegenüber der Süddeutschen Zeitung Fehler ein

Nachdem der Russische Präsident Wladimir Putin sich persönlich über die Panama-Papers geäußert hat, korrigiert er seine Aussage. Zunächst bewerte Putin die Veröffentlichung der Panama-Papers als eine Kampagne von Goldman-Sachs, was ein wenig unpräzise war. Obwohl der Vorwurf möglicherweise nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist, bewies er Größe und Anstand, indem er sich bei der „Süddeutschen Zeitung“ für seine Worte entschuldigte.

Von Christian Saarländer

Die Panama-Papers sind immer noch in aller Munde. Allerdings kamen sie auch nicht ganz überraschend, wenn man die Aussagen von Putins Pressesprecher Dmtri Peskow in den Wochen zuvor verfolgte. Contra Magazin griff eine Woche zuvor bereits das Internationale Konsortium für investigativen Journalismus auf und zeigte unter Berufung öffentlicher Quellen auf, wer hinter der Nichtregierungsorganisation steckt. Dort fiel jedenfalls auch nicht das Wort des US-Finanzunternehmens Goldman-Sachs, jedoch wurden Personen genannt, die sich der Leaks-Plattform in finanzieller Hinsicht großzügig gezeigt haben. Dies waren unter anderem der US-Investor George Soros, der nicht unbedingt ein Freund und Befürworter Putins ist sowie zahlreiche Vereine, hinter denen sogenannte Stake-Holder (Interessenvertreter) stecken, die eher davon profitieren als einen Schaden davon tragen würden, wenn Russland und Präsident Putin durch die Geschichte desavouiert würden. Ebenso sind diese Stake-Holder an einer weiteren Schwächung der russischen Wirtschaft interessiert.

Über die Panama-Papers und das ICIJ wurde in verschiedenen Internet-Portalen ebenfalls kritisch geschrieben, so dass hierüber auch ein breites Angebot an kritischen Hintergrund-Artikeln inzwischen existiert. Fest steht hierbei jedenfalls, dass der russische Präsident im Gegensatz zu seinen westlichen Kollegen wie Petro Poroschenko oder David Cameron nicht im Ansatz so dicht in Verbindung mit Schwarzgeldkonten gebracht wurde, wie es mittels Infografiken, medial geführten Debatten sowie in einem veröffentlichten Buch suggeriert werden soll. Aber dies alles hinderte die westlichen Leitmedien nicht daran, wenn auch mit klugen rhetorischen Formen, den russischen Präsidenten in den Mittelpunkt dieser Papiere zu stellen, die über Firmen und Schwarzgeldkonten aus Panama ausführlich berichten. Vor allem ist hier zu beachten, dass nur einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Journalisten, also wenn man so möchte einer Elite, die Papiere im vollem Umfang zugänglich sind.

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Jedenfalls wäre es allerdings auch unrealistisch zu glauben, dass im Falle der umfassenden Veröffentlichung jeder Journalist jenseits des Mainstreams in der Lage gewesen wäre, diese Papiere im vollem Umfang zu lesen und sie auch rechtlich korrekt zu bewerten. Hier sind viele Bereiche tangiert: Vom Persönlichkeitsschutz angefangen bis hin zum Steuerrecht. Dabei ist die journalistische und politische Dimension dieser Papiere noch außen vor gelassen. Aber dennoch scheinen die vielen Journalisten, wo es sicher auch welche gibt, die ein aufrichtiges Interesse an der Wahrheit und der Aufklärung der Bürger haben, so umfassend gearbeitet zu haben, dass man den russischen Präsidenten als einen Hauptakteur in dieser internationalen Schwarzgeld-Affäre erblicken kann. Das diesem nicht so sein kann, scheint schon deswegen auf der Hand zu liegen, dass nicht der Präsident, sondern lediglich sein engster Freundeskreis mit diesen Papieren namentlich in Verbindung gebracht werden können.

Es wurde weiter auch der Eindruck erweckt, dass es fast nur auf Panama möglich ist, sein Geld zu verschleiern. Steuerrechtliche Oasen in den USA und anderswo sind dabei ausgeklammert. Ausgeklammert ist möglicherweise auch so manche weitere Verstrickung von westlichen Politikern oder Wirtschaftsgrößen, die ihr Vermögen mittels Scheinfirmen in Panama verschleiert haben. Das alles sind Fakten, sie summarisch auf der Hand liegen. Betrachtet man das ICIJ aus der Brille eines Beobachters, der auf die Methoden und Mittel im internationalen Wirtschafts- und Finanzkrieg fokussiert hat, dem fällt auf, dass das ICIJ nicht das erste mal über Offshore-Leaks im Stile des modernen und investigativen Journalismus informierte.

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Vor gut einem Jahr machte das ICIJ von sich Reden, nachdem man über das Steuerparadies Luxemburg berichtete. Die Rede ist von LuxLeaks. Contra Magazin berichtete ebenfalls auf die Enthüllungen, wobei die Tatsache übersehen wurde, dass amerikanische Großinvestoren wie Blackrock, wenn auch im Hintergrund, in Luxemburg ihr Glück gesucht haben.  Kurzum: Damals sah man das ICIJ noch als eine Quelle des investigativen Journalismus und hinterfragte diese erstmal nicht. Nun konnte man mühelos bei genauerer Betrachtung erkennen, auch dank der Transparenz-Gesetze in den USA, dass dort vor allem wirtschaftliche Interessen gelegen haben und weniger ein Aufklärungsinteresse von Bürgern, die als Einzelne erstmal wenig am Weltgeschehen ändern können. Für diese Ungenauigkeit wird sich an dieser Stelle vom damaligen Autor des Textes entschuldigt.

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Präsident Putin hat sich nun ebenfalls, was für einen russischen Präsidenten beispielhaft ist, für seine Worte entschuldigt und gestand somit vor der Süddeutschen Zeitung einen Fehler ein. Der Fehler lag darin, dass das weltweit – auch aggressiv agierende – Finanzunternehmen Goldman-Sachs nicht ganz alleine hinter den Panama-Papers stehen, dessen Umgang aber dennoch sehr wohl die Attribute einer pro-westlichen und – um es wieder zurückhaltend auszudrücken – eher gegen den Kreml ausgerichteten Medienkampagne aufzeigt. Größe zeigte der russischen Präsident gegenüber der federführenden Süddeutschen Zeitung dadurch, dass er bereits ist seine eher ungenaue Aussage zu korrigieren, obwohl es kein Geheimnis mehr ist, dass die Süddeutsche Zeitung dem Kreml traditionell eher kritisch gegenübersteht, was aber im Rahmen der Meinungsfreiheit in Deutschland auch erlaubt ist und möglicherweise auch dazugehört. Aber inwieweit war die Süddeutsche Zeitung in der Vergangenheit bereit gewesen, Fehler in der Berichterstattung über Russland oder der Ukraine einzugestehen?

War man dazu überhaupt bereit gewesen über eigene Fehler zu informieren? Oder setze man nach einer Fehlberichterstattung über Russland, die traditionell in einem gegenüber Russland negativen Unterton geführt wurde, immer wieder einen drauf? Fehler werden immer gemacht. Kein Politiker ist in seinem Handeln oder in seinen Aussagen frei von Fehlern. Im Journalismus werden auch Fehler gemacht, weil Fehler menschlich sind und man trotz des modern gewordenen Datenjournalismus in dieser Sparte (noch) nicht ohne Menschen auskommt. Im Übrigen ist der in Mode gekommene Datenjournalismus, der sich mit vielen Daten befasst. Aber nicht nicht im Genre Journalismus macht Big Data die Runde. Sämtliche Unternehmensberatungen und auch staatliche Einrichtungen haben Daten in großer Stückzahl für sich entdeckt. Im Übrigens sind Daten auch nur ein anderes Wort für Informationen oder Sachverhalte, die man auf verschiedene Weise gewinnen kann.

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Vor den Panama-Papers und dem immer mehr von sich Reden machende ICIJ veröffentlichte die Transparenz-Plattform WikiLeaks eine große und unüberschaubare Anzahl von Daten, die als Cablegate in den Medien bekannt wurden. Es wurden Millionen von Botschafter-Depeschen aus sämtlichen US-Botschaften der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Über diese riesige Datenmenge verfasste Julian Assange vor einem halben Jahr ein Buch, wo auch viele andere Journalisten mitwirken. So auch die britische Journalistin Sarah Harrison, die durch die Unterstütung von Edward Snowden der breiten Masse bekannt wurde. Sie schrieb über den Umgang mit dem riesigen Konglomerat an Daten und warnte davor, dass man diese nicht missbrauchen soll. Vor allem sollte man sich nicht dann investigativ damit befassen, wenn man beabsichtigt sich gegen ein Land oder einen Politiker in einem Land einzuschießen. Ein sehr guter Rat, der auch im Hinblick der noch größeren Panama-Papers, auch zu beherzigen wäre.

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3 Kommentare

  1. Einstellige Comments, immer mehr von immer weniger.

    Das kommt davon, wenn man seine Leser verarscht.

    Und es wird noch weniger werden. Wetten 🙂

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