Österreich: GfK manipulierte zugunsten des ORF-Radios

Die privaten Radiosender verloren wegen manipulierter Radiotest-Zahlen Werbeeinnahmen in Millionenhöhe. Das Marktforschungsinstitut GfK fälschte Umfragedaten zugunsten des ORF.

Von Marco Maier

Veröffentlichte Umfragen sind immer nur so viel wert, wie die Umfrageinstitute auch vertrauenswürdig sind. Das Marktforschungsinstitut GfK hat infolge der bekannt gewordenen Manipulationen rund um den Radiotest, bei dem die Reichweite der einzelnen Sender erhoben wurde, jedoch massiv an Renommee verloren – und sieht sich nun einer Klagewelle gegenüber.

Für die privaten Radiosender geht es bei der Reichweitenermittlung nämlich um viel Geld, immerhin sorgen mehr Hörer auch für höhere Werbepreise die verlangt werden können. Durch die massive Bevorzugung der ORF-Radiosender von Ö3 bis hin zu den Landesstationen während der letzten Jahre gehen die privaten Sender von einem Schaden von bis zu 20 Millionen Euro aus.

So zeigen die bisherigen Ermittlungen, dass das ORF-Flaggschiff Ö3 beispielsweise im ersten Halbjahr nur 38 Prozent Marktanteil erreichte, während GfK diesen mit 41 Prozent auswies. Der private Vermarktungsring "RMS Top" bekam hingegen nur 33 statt der tatsächlichen 36 Prozent zugesprochen. Noch gravierender waren die Manipulationen in den einzelnen Bundesländern, wo beispielsweise in Vorarlberg die Werte von Antenne Vorarlberg und Ö3 einfach umgedreht wurden und die Antenne Steiermark statt 31 offiziell nur 24 Prozent Marktanteil erreichte.

Angesichts dessen, dass der österreichische Werbemarkt beim Radio rund 100 Millionen Euro ausmacht, belaufen sich die jährlichen Verluste angesichts der manipulierten Marktanteile allein für 2015 auf bis zu vier Millionen Euro. Insgesamt rechnet man mit 15 bis 20 Millionen Euro an Schaden infolge der Bevorzugung des ORF.

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Unklar ist bislang jedoch das Motiv hinter dieser ganzen Betrugsmasche. Beobachtern zufolge könnte es vor allem damit zusammenhängen, dass der ORF als großer Auftraggeber für diverse Erhebungen auftritt und man dem Kunden somit einen Gefallen tun wollte. Selbst politische Verbandelungen (Parteifreunden hilft man…) werden nicht ausgeschlossen, zumal manche Landesstudios (Vorarlberg als Paradebeispiel) durchaus als "tiefschwarz" gelten. Immerhin gilt die GfK als eher ÖVP-affin, während die SPÖ mit dem Ifes-Institut ein Gegenstück besitzt.

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2 Kommentare

  1. Ein Bekannter leitete eine Meinungsforschungsfirma aus dem Raum HH, der erzählte mir das es schon vor 10 Jahren Standard war, nicht nur durch suggestiv gestellte Fragen:

    Wie sehen Sie die EU Regierung

    1. Ganz, ganz toll

    2. Super toll

    3. Total toll
    Ergebnis 50% finden die EU Total Toll und immerhin noch 40% supertoll. UNd das Ergebnis der Umfrage ließ auch darauf schließen, daß niemand die EU ablehnen würde.

    1. Ich hatte in einem "Fortbildungsprogramm" (muss es so umschrieben, da ich ansonst zuviel öffentlich mache) einen Kollegen der auch für eines der großen Institute arbeitet.

      Kann die Anmerkung von "Weltmeister" nur bestätigen und die Tricks "wie komme ich zu dem vom Auftraggeber gewünschten Ergebniss" sind sogar noch viel umfangreicher.

      Der alte Spruch "glaube nie einer Umfrage, die du nicht selbst gefälscht hast" ist nicht nur ein Spruch sondern 100% richtig.

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