NATO-Expansion: Heute Osteuropa, morgen die ganze Welt

Viel Wert auf einen defensiven Charakter des Militärbündnisses haben die NATO-Staaten ohnehin nie gelegt. Nun konkretisierte Stoltenberg, dass man künftig verstärkt außerhalb des eigenen Territoriums agieren wolle. Ziele: Osteuropa, Kaukasus und der Nahe Osten.

Von Marco Maier

Bei seiner Rede am Atlantic Council in Washington D.C. zur Lage der NATO präsentierte Generalsekretär Jens Stoltenberg die zukünftige Strategie der transatlantischen Militärallianz, welche beim nächsten NATO-Gipfel im Juni beschlossen werden soll. Demzufolge soll das Bündnis künftig ihre Aufgabe darin sehen, die USA und Europa auch außerhalb des eigenen Territoriums zu verteidigen.

Was angesichts der NATO-Interventionen in Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten während der letzten Jahre nicht unbedingt als Neuigkeit erscheint, birgt jedoch einiges an politischem Sprengstoff in sich. Denn die Aktionen in Libyen, im Irak, in Afghanistan oder in Syrien waren (bzw. sind) anderen Umständen bzw. Anlassfällen geschuldet. Nun soll die NATO jedoch künftig schon quasi vorausschauend agieren – und damit deutlich aktiver werden.

Wörtlich sagte der NATO-Generalsekretär:

"Ein stärkeres und sichereres Europa bedeutet eine stärkere und sicherere USA (…) Ohne die NATO würde die transatlantische Kooperation schwächer sein, Europa und Nordamerika weniger sicher und die Welt ein gefährlicher Platz werden. Nehmen sie Russland: Im vergangenen Jahr sprach ich in Washington über sein destabilisierendes Verhalten, seiner militärischen Aufrüstung und seiner Aggression gegen die Ukraine. Und ich skizzierte, wie die NATO darauf antwortet. Seitdem haben wir signifikante Fortschritte gemacht. Die NATO wird agiler und wir erhöhen unsere Bereitschaft. Wir verstärken unsere kollektive Verteidigung – die größte Verstärkung einer kollektiven Verteidigung seit dem Ende des Kalten Krieges. Die Eingreiftruppe der NATO ist nun drei Mal größer als zuvor. Wir haben eine Kette von neuen Hauptquartieren im östlichen Teil der Allianz geschaffen (…) Wir haben vor kurzem mit der militärischen Ausbildung und dem Aufbau von Kapazitäten in Georgien, Moldawien und in Jordanien begonnen."

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Wie man also deutlich erkennt, werden schon vorgeschobene NATO-Strukturen in Osteuropa, im Kaukasus und im Nahen Osten aufgebaut, über die die Militärallianz in den jeweiligen Regionen strategisch eingreifen kann.

Auch weitere Stationierungen von US-Truppen in Europa sollen laut Stoltenberg folgen. Wenn die Amerikaner eine Vervierfachung der European Reassurance Initiative garantieren, kann man sich ausrechnen, welchen Umfang die Aufstockung der US-Truppen in Europa erreichen werden. So sagte der NATO-Generalsekretär weiter:

"Ich habe mich am Montag mit Obama getroffen und habe ihm für die Finanzierung und die Vervierfachung der Finanzierung der European Reassurance Initiative gedankt (…) Das bedeutet, dass mehr US-Truppen auf europäischem Boden stationiert werden (…) Wir begegnen einer neuen strategischen Realität und wir müssen vorbereitet sein (…) Wir wollen unsere Bereitschaft verbessern und wollen deshalb multinationale Truppen im östlichen Teil der Allianz stationieren und aufstocken. Damit es klar ist, ein Angriff gegen ein NATO-Mitglied wird von Truppen begegnet werden, die aus allen Ländern der Allianz stammen. Wir werden unsere Widerstandsfähigkeit gegen die hybride Kriegsführung und Cyber-Bedrohungen verbessern und wollen sicherstellen, dass die nukleare Komponente unserer Abschreckung glaubwürdig und effektiv bleibt. Wir werden unser Ziel eines Europas in Frieden und Sicherheit erweitern, mit einer Einladung an Montenegro zum NATO-Beitritt."

Damit verteidigte er auch die Stationierung und Modernisierung der amerikanischen Atombomben in Europa. Jedoch noch bezeichnender ist die transatlantische Strategie, noch enger mit den Golfregimes des Golf-Kooperationsrates (GCC – Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) zusammenzuarbeiten. Eine solche Kooperation mit Regimes, welche gegen all das stehen wofür vor allem die Europäer – zumindest auf dem Papier – stehen, ist ein gewaltiges Zeichen dafür, dass man für die eigenen geostrategischen Interessen gewillt ist über Leichen zu gehen. Vor allem auch deshalb, weil der scheinheilige Kampf gegen den "Islamischen Staat" nicht nötig wäre, wenn die Amerikaner samt europäischer Waffengenossen nicht den Irak in die Steinzeit gebombt und in Syrien den Regime-Change versucht hätten.

"Ich begrüße die von den USA angeführte globale Anti-IS-Koalition. Um unser Territorium zu schützen, müssen wir bereit sein, über unsere Grenzen hinaus aktiv zu werden. Das hat verschiedene Komponenten: Um den IS zu besiegen, müssen wir Gewalt einsetzen. Militärische Aktionen sind essentiell, wenn wir den IS seiner Hochburgen im Irak und Syrien berauben wollen. Doch Stabilität schaffen bedeutet auch, dass wir unsere Kräfte dazu nutzen müssen, um andere zu trainieren damit diese kämpfen. Langfristig ist es nachhaltiger, lokale Kräfte dazu zu befähigen, ihre Länder zu schützen als große Truppenverbände aus unseren Reihen auszusenden (…) Wir müssen mit regionalen Partnern kooperieren.

Dafür gibt es drei Wege, die meines Erachtens zu gehen sind: Erstens muss die NATO ihre Fähigkeit lokale Kräfte zu trainieren und zu unterstützen erweitern. Mein zweiter Vorschlag ist der, dass die NATO den Irak stärker unterstützen muss. Ein stabiler Irak ist der Schlüssel im Kampf gegen den IS. Vergangene Woche hat die NATO damit begonnen, irakische Offiziere in Jordanien zu trainieren (…). Mein dritter Vorschlag ist der, dass wir unsere Kooperation mit regionalen Partnern auf ein neues Level tragen müssen, weil diese die Region am besten kennen. Vor wenigen Wochen kam der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrats (GCC) in das NATO-Hauptquartier. Die GCC ist an und dabei, ihre Fähigkeiten zur Führung von multinationalen Truppen zu erweitern. Die NATO hingegen hat Erfahrung in der Schaffung und Erhaltung von militärischen Strukturen. Diese Expertise können wir teilen. Wir untersuchen, wie wir in den Bereichen Anti-Terror-Bekämpfung, Energie, Cyber-Verteidigung und Schifffahrtssicherheit kooperieren können.

Mein Ziel ist es, die Kooperation mit der GCC voranzutreiben. Die neue regionale Kooperationsstelle der NATO in Kuwait bietet uns die Möglichkeit, um unsere Partnerschaften zu verstärken. Die Stelle wird im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit von NATO und des GCC stehen (…) Das König Abdullah Operationszentrum in Jordanien ist eine weitere Plattform für die Zusammenarbeit. Es entspricht NATO-Standards und hier werden die irakischen Offiziere trainiert (…) Überall in der Region sagen mir die Staatsführer, dass sie mehr mit der NATO kooperieren wollen."

Alles in allem zeigt es sich, dass die NATO einem äußerst destruktiven Weg folgt, der sicherlich nicht zu mehr Sicherheit in Europa oder den USA und schon gar nicht in der restlichen Welt führen wird.

Die ganze Rede Stoltenbergs gibt es hier:

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10 Kommentare

  1. Dieser Stoltenberg ist genauso wie sein Vorgänger ein fein säuberlich ausgeguckter USrael-Speichellecker. Die Nato dient nur dazu , um USrael oben, Deutschland drunter und Rußland draußen zu halten. Wie wahr ist doch diese Aussage, Deutschland das größte Land in der EU ist Vasallen,-Heloten,.und Kolonialstaat  bekommt seine Marschbefehle nicht von der NATO, sondern von USrael. Tschechien und die Slowakische Republik wagen sich expressis einen amerikanischen Soldaten auf ihrem Terrain zu sehen. Die romanischen Länder gehen ohnehin ihre eigenen Wege. Soll sich dann Polen, das Land mit dem schlechten Gewissen, mit den USA zusammentun und glücklich werden und die anderen Staaten in Ruhe lassen.Die NATO ist ein hochexplosives amerikanisches Produkt , um Europa in einen Krieg reinzuziehen, der nicht in den USA stattfinden soll,nicht mehr und nicht weniger!!

    1. Mit Polen haben sie sich getäuscht: Die Nationalisten haben den USA und NATO schon getrotzt:

      CONTRA-MAGAZIN: Polen: Stürmung von NATO-Spionagezentrum – Der nächste Schritt zur Machtergreifung (18. Dezember 2015)

  2. Da können wir Deutsche uns nur bedanken.Denn jetzt wurde es eindeutig gesagt.Wir fangen an und das solide Amirika wird Europa retten.leider wird das nicht klappen,denn diesmal bekommt der Auslöser auch eins auf die Mütze.

    1. Zbigniew Kazimierz Brzezinski (Schachbrett) und seine Allmacht Fantasien? Und der Stoltenberg als Kettenhund und Befehlsempfänger? Er sollte mal seinen ehemaligen Kollegen General Wesley Clark befragen (“We're going to take out seven countries in 5 years, starting with Iraq, and then Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan and, finishing off, Iran”)?

      Aber Gedanken haben scheinbar eine kurze Halbwertszeit in der Bevölkerung?

  3. Manchmal frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den NATO-Ländern eigentlich wirklich nicht wissen, dass sie nur Handlanger sind, um die mperalistischen Ziele USraels – selbst wiederum das wichtigste Herrschaftsinstrument der globalen, nicht national gebundenen Herrschaftselite – umzusetzen, und ob es ihnen egal ist.

    Es kann mir niemand erzählen, dass Typen wie dieser Stoltenberg, der den Schwachsinn, den er in dem Video erzählt, offenbar selbst glaubt, eine der verkommensten, mit-massenmordenden Kreaturen ist, die derzeit auf dem Planeten verpesten, oder unsere BW-Tusse nicht ganz genau wissen, was sie tun. 

  4. Bezeichnenderweise war einer der Begründungs-Mitglieder der Organisation, April 1949, ausgerechnet der faschichtische Staat Portugal des Diktators Salazar.

  5. Wenn das so weiter geht sollte man sich überlegen nach Sibirien auszuwandern und in Rußland Asyl beantragen. Die Kriegstreiber des Westens sind nicht mehr kontrollierbar.
    In Sibirien gibt es viele fleißige Deutsche die Ruhe haben wollen vor der idiotischen Politikerkaste.Menschen , die teilweise nichts auf die Beine gestellt haben , aber den Staat Millarden kosten. Schaut euch doch einmal die Typen genau an .Von den weiblichen Kollegen einmal ganz zu schweigen. Die sexuelle Ausstrahlung ist niederschmetternd.
    Das Sinnbild einer wahren Frau wird mit Füßen getreten . Vielen Dank .

      1. @ Loup Ich hatte  mal Respekt vor Frauen,sie waren für die mich die Inkarnation der Suche nach der blauen Blume. Heute sin leider die meisten nur noch keifende, berechnende Halbmonster.

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