Irak: Fällt die Regierung, zerbricht das Land

Die Regierung von Premierminister Haidar al-Abadi steht vor dem Aus. Damit droht jedoch auch ein Zerfall des Iraks, zumal eine Machtübernahme der schiitischen Mehrheit zu erwarten ist. Einer neuen Flüchtlingswelle inklusive.

Von Marco Maier

Während der Krieg gegen den "Islamischen Staat" weiterhin erbittert geführt wird, kämpfen auch die Politiker in Bagdad um die Führung im Land. Premierminister Haidar al-Abadi, dessen versuchte Regierungsumbildung kläglich scheiterte, sowie die politisch gemäßigten Kräfte die einen Ausgleich zwischen den ethnischen Gruppen suchen, fürchten sich jedoch vor Neuwahlen. Denn vor allem die wegen ihres Kampfes gegen den IS populären schiitischen Milizen und die Gruppierung um den schiitischen Ex-Premierminister Nuri al-Maliki würden dann wohl eine Mehrheit der Abgeordneten stellen.

Für die Kurden im Norden des Landes und jenen Teil der sunnitisch-arabischen Bevölkerung, die sich nicht den IS-Milizen angeschlossen haben, ist dies jedoch ein untragbares Szenario. Erstere würden dann wohl von der Autonomie hin zu einem unabhängigen Staat drängen und Letztere sich wohl lieber dem IS unterwerfen oder aus dem Irak fliehen, als von den Schiiten als potentielle IS-Anhänger unter Generalverdacht gestellt und systematisch benachteiligt zu werden.

Die zunehmende Radikalisierung im Land wirkt sich eben auch auf die Politik selbst aus. Für Millionen von – vor allem sunnitischen, aber teilweise auch schiitischen – Irakern ist ein solcher Politikwechsel nicht tragbar, weshalb dies zu einer weiteren Fluchtwelle über die Türkei nach Europa führen würde.

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